Herzogenrath - BUND-Studie: Plädoyer für Bergmolch und Ringelnatter im Nordkreis

BUND-Studie: Plädoyer für Bergmolch und Ringelnatter im Nordkreis

Von: Beatrix Oprée
Letzte Aktualisierung:
16002286.jpg
Im Hintergrund die Bahn: Die VEGLA-Halde ist für Franz-Josef Emundts ein wichtiges Biotop. Die Betonrinne muss überarbeitet werden. Foto: Oprée

Herzogenrath. Die Planungen für den Radschnellweg Aachen-Herzogenrath waren für die Kreisgruppe Aachen-Land des BUND – Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland – im Herbst 2014 ausschlaggebend gewesen, eine detailreiche Studie in Auftrag zu geben.

In Sorge um einen Teil der Fauna, der ebenso wie Insekten und die Vogelwelt immer mehr in Bedrängnis gerät: Amphibien und Reptilien. Eine Studie, auf die auch die Petition der Naturschützer verweist, die sich im März 2017 an den Landtag gewandt haben, im Protest gegen den zurzeit geplanten Trassenverlauf entlang der Bahnlinie unterhalb von Straß.

Nun hat der Monschauer Herpetologe Alexander Kerres den abschließenden Bericht seiner Untersuchungsergebnisse der Jahre 2015 und 2016 vorgelegt. Und der bestätigt, was die Naturschutzverbände befürchtet haben. Lebensräume für das, was im Verborgenen auf Böden und in Gewässern kreucht und fleucht, sind durchaus vorhanden, aber gefährdet. Kerres‘ Beobachtungen beziehen sich auf das Naturschutzgebiet Broichbachtal südlich von Noppenberg und auf das Wurmtal zwischen Herzogenrath-Straß und -Zentrum sowie den Stausee Herzogenrath und die Teiche bei Ottenfeld.

Auch mit Hilfe eigens ausgelegter und GPS-verorteter künstlicher Verstecke (deutlich gekennzeichnete Schalbretter respektive schnell erwärmende Dachpappen) wurde bei den Reptilien speziell die Häufigkeit von Blindschleiche, Waldeidechse, Ringelnatter, Mauereidechse und Schlingnatter unter die Lupe genommen. Heimische Arten, deren Vorkommen im Untersuchungsgebiet aufgrund vorausgegangener Recherchen als gesichert oder möglich angenommen wurde. Und die in Nordrhein-Westfalen als stark gefährdet gelten (u.a. Ringelnatter, in der Niederrheinischen Bucht sogar vom Aussterben bedroht) oder auf der Vorwarnliste stehen.

Bei den Amphibien galt folgenden Arten besondere Aufmerksamkeit: Geburtshelferkröte, Kammmolch (beide in NRW stark gefährdet), Kreuzkröte, Erdkröte, Grasfrosch, Bergmolch, Fadenmolch, Teichmolch, Kleiner Wasserfrosch, Teichfrosch und Seefrosch. Dazu wurden die Gewässer an sechs Terminen „verhört“ respektive ausgeleuchtet und zusätzlich Reusenfänge vorgenommen.

Im Wurmtal gibt es eine vielfältige Biotopstruktur – Streuobst- und Feuchtwiesen mit Hochstaudenfluren, Offenlandbereiche, Waldlichtungen und die Halde Kohlberg. Laichgewässer für Amphibien aber fehlen, obwohl geeigneter Landlebensraum ausreichend vorhanden wäre.

Für das Broichbachtal bilanziert Herpetologe Kerres unter anderem: „Viele Gewässer sind von ihrer Struktur her und vor allem wegen fehlender Sonneneinstrahlung für die meisten Amphibienarten wenig geeignet.“ Beschattung verhindere, dass das Wasser sich ausreichend erwärmen könne, was für die Entwicklung der Tiere aber entscheidend sei. Nur der Bergmolch finde hier gute Bedingungen.

Noch etwas stellt der Experte fest: Während Bahndämme vielfach die einzige noch intakte Verbindung zwischen Vorkommen von Amphibien und Reptilien in einer „weitgehend zerschnittenen und versiegelten Landschaft“ bildeten, seien die Hänge an den Gleisen in Straß zu stark bewachsen und für Reptilien daher zu schattig.

Eine sehr hohe Bedeutung misst Kerres der Halde Kohlberg bei. Allerdings mit negativen Begleiterscheinungen wie Hundekot (bedingt durch die vielen Gassigänger) und der Gefahr durch lose Betonplatten auf der als Gehweg genutzten Entwässerungsrinne (Foto oben): Reptilien, die sich darunter verkriechen, werden durch die Trittbelastung zerquetscht. Mit der Unteren Landschaftsbehörde und der Deutschen Bahn solle hier ein Sicherungskonzept erarbeitet werden, um „unnötige Verluste zu vermeiden“, rät Kerres.

Die alte Vegla-Glashalde sei besonders für die Ringelnatter ein interessanter Lebensraum, sagt Franz-Josef Emundts, Sprecher der BUND-Kreisgruppe Aachen-Land. Die Naturschützer fordern, dass Amphibien und Reptilien nicht noch weiter in Bedrängnis geraten. Ein neuer Radschnellweg nahe eines Biotops, wie es die Halde oder nach Verbesserungen auch der Bahndamm darstellen, wäre für sie kontraproduktiv: Amphibien, so die Erfahrung, würden die sich aufheizende Teerfläche zur Thermoregulation nützen, um dann auf Futterjagd gehen zu können.

Bei diesem überlebenswichtigen Sonnenbad aber liefen sie Gefahr, durch Radler plattgefahren zu werden. Wohingegen sie unter den Bahnschienen locker hindurchlaufen könnten. Für den Aktivisten ist klar: „Der Radschnellweg muss an die Neustraße verlegt werden!“ So wie es auch mal angedacht war.

Schon nach dem Zwischenbericht für die Amphibien-/Reptilien-Studie Ende 2015 hatte der BUND einen Antrag an die Untere Landschaftsbehörde gestellt, auch das Gebiet westlich der Bahnlinie unter Naturschutz zu stellen. Mit Blick auf den Abschlussbericht habe es von da bislang nur die Feststellung gegeben, dass doch nur wenige bis gar keine Arten von hohem Schutzstatus gefunden worden seien.

Emundts: „Aber auch diese Arten unterliegen hohem Druck durch Verinselung der Biotope. Deswegen muss der Korridor in Straß als Lebensraum unbedingt erhalten werden!“ Die Städteregion stelle auf Nachfrage fest, dass im Rahmen der Umweltverträglichkeitsstudie für den Radschnellweg der Zwischen- und natürlich auch der Abschlussbericht bewertet würden.

Befürworter der Trasse entlang der Bahn führen ins Feld, dass es für die genannten Probleme Lösungsmöglichkeiten gebe: „Amphibientunnel etwa“, sagt Grünen-Fraktionssprecher Dr. Bernd Fasel. Oder ein heller Belag für den Radschnellweg, der sich eben nicht aufwärmt ...

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert