„Bufdis” sind schon sehr gut angekommen

Von: Thomas Vogel
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Wertvoller Beitrag für die Ge
Wertvoller Beitrag für die Gesellschaft: Egal ob Zivi oder Bundesfreiwilliger - auch Senioren profitieren von dem Engagement. Foto: Thomas Vogel

Nordkreis. Der Bundesfreiwilligendienst - gerade ein halbes Jahr alt und, so scheint es, bereits in vollem Umfang in den Institutionen angekommen. Dabei waren die Sorgenfalten vieler Gesichter tief, kurz bevor die Zivis aus- und die Bundesfreiwilligen (Bufdis) einzogen.

Durch Statements großer Hilfsorganisationen, von Verbänden und die Berichterstattung in den Medien konnte schnell der Eindruck gewonnen werden, der soziale Sektor stehe kurz vor dem Kollaps. Kein Geheimnis, dass es nicht so verheerend gekommen ist. Wie aber steht es aktuell tatsächlich um den freiwilligen, gemeinnützigen Dienst im Nordkreis?

Bilanz überwiegend positiv

Dass sich der Wegfall des Zivildienstes bemerkbar macht, weiß Doris Schwentke zu berichten. Sie war im Senioren- und Pflegezen-trum St. Antonius in Würselen unter anderem zuständig für die Zivis - und ist es nun für die Bufdis. Allerdings war in dieser Hinsicht wesentlich mehr zu tun, als die Zivis noch da waren. Denn die waren wirklich da - die Bewerbung eines Bundesfreiwilligen hingegen hat im Würselener Betrieb noch niemand zu Gesicht bekommen, obwohl sie dringend gebraucht werden, wie Schwentke versichert.

Die Zahlen auf Bundesebene sprechen hingegen eine andere Sprache. Von 35.000 staatlich geförderten Stellen sind laut neusten Angaben 33.000 bereits vergeben. Und tatsächlich: Die Bilanz der Einsatzstellen im Nordkreis ist überwiegend positiv. Sigrid Ophoff, Leiterin des Freiwillige Soziale Dienste im Bistum Aachen e.V. (FSD), ist überrascht, dass so viele Bewerbungen junger Männer eingegangen sind. Zusammen mit ihrem Team organisiert sie das Bewerbungsverfahren und übernimmt die Koordination und Begleitung der 16- bis 26-jährigen für viele Einsatzstellen im ganzen Bistum.

Zwar gebe es Freiwillige, die den Dienst nach Antritt abbrechen, weil sie als Nachrücker doch noch einen Studienplatz bekommen haben, die Quote liege aber weit unter fünf Prozent. Ophoff bewertet den Bundesfreiwilligendienst als zusätzliche Möglichkeit neben dem Freiwilligen Sozialen Jahr, sich ohne Zwang gemeinnützig zu engagieren, positiv und sieht so auch die Zukunft. „Der Dienst wird sich weiterentwickeln, wird viele Jugendliche mit unterschiedlichen Schulabschlüssen ansprechen, gerade weil es so viele Einsatzmöglichkeiten gibt”, sagt sie.

Für die Bufdis lohnt sich der Einsatz. Zwar nicht in finanzieller Hinsicht, schließlich gibt es nur ein Taschengeld, dafür aber in persönlicher. Durch die Tätigkeit können sie sich besser kennenlernen, ihre Persönlichkeit weiter entwickeln und sich auch beruflich orientieren. Dabei werden die Freiwilligen vor und während ihres Einsatzes von Bildungsträgern wie dem FSD umfassend angeleitet.

Das ist auch wichtig, versichert Werner Schumacher vom Caritasverband für das Bistum Aachen e.V., der im Bistum für viele Einsatzstellen die Bufdis ab 27 Jahren begleitet (derzeit nur zwei, in Baesweiler). „Der Zivildienst war Pflicht, und manchmal mussten auch unbeliebte Tätigkeiten übernommen werden.

Einen Freiwilligen muss man begeistern, um ihn zu halten”, meint er. Es stimme, dass die Nachfrage nach Stellen bundesweit das Angebot übersteige. Für den Nordkreis sei dies aber erst allmählich zu beobachten, so Schumacher. Rund 20 Stellen gebe es in den Einrichtungen, die FSD und Caritasverband dort betreuen, aber nicht alle konnten besetzt werden. Den Grund sieht er darin, dass die Einrichtungen erst damit beginnen, sich aktiv um Bufdis zu bemühen.

Ein Anreiz zur Freiwilligenarbeit sind die vielfältigen Beschäftigungsmöglichkeiten. Die meisten Plätze im Nordkreis finden sich in der Behindertenhilfe und Altenpflege.

Aber auch in anderen Bereichen werden Bufdis eingesetzt: Bei der Stadt Herzogenrath etwa in der Jugendarbeit, Baesweiler bietet Stellen in der offenen Betreuung von Aussiedlern und Asylbewerbern. Für Sportbegeisterte könnte es in Zukunft auch klappen mit dem Bundesfreiwilligendienst.

Als Einsatzstelle anerkennen

Ebenfalls in Herzogenrath überlegt der Stadtsportverband, sich als Einsatzstelle anerkennen zu lassen, sollte die Einrichtung einer Stundenkraft bewilligt werden.

Elf BFD-Plätze im Behinderten- und Krankenfahrdienst hat das DRK in der Städteregion im Nordkreis eingerichtet. Die konnten auch alle besetzt werden, gibt Walter Rühl, zuständig für die Freiwilligen, an. Einige Bewerber sind hier allerdings an den Voraussetzungen gescheitert, die wegen der hohen Verantwortung gelten (Führerschein Klasse B und mindestens ein Jahr Fahrpraxis).

Auch wenn die Freiwilligen nicht in der Menge zur Verfügung stehen wie noch die Zivildienstleistenden und ein Teil des Bedarfs nun mit Minijobbern gedeckt wird, ist Rühl mit dem frischen Dienst bis jetzt zufrieden. Die erste Zwischenbilanz des Bundesfreiwilligendienst im Nordkreis lässt also durchaus hoffen - die meisten Stellen besetzt, die Nachfrage steigend.

Dass viele Aussagen in diesem Zusammenhang nicht mit Inbrunst und Überzeugung, sondern eher vorsichtig vorgetragen werden, mag am noch sehr jungen Alter des Dienstes liegen. Nach erst sechs Monaten und einer Besetzungsrunde ist die Skepsis der Startphase noch spürbar.
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