Bürgermeisterwahl: Kandidaten schärfen nochmals ihr Profil

Von: Markus Bienwald
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Große Resonanz: Rund 170 Interessierte verfolgten gespannt die Podiumsdiskussion in Sachen Bürgermeisterwahl im Technologie Park Herzogenrath. Den kritischen Fragen stellten sich (v.l.) der Pirat Kai Baumann in Vertretung des Kandidaten Stefan Kuklik, Christoph von den Driesch (CDU) und Dr. Manfred Fleckenstein (SPD). Foto: Markus Bienwald
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Große Resonanz: Rund 170 Interessierte verfolgten gespannt die Podiumsdiskussion in Sachen Bürgermeisterwahl im Technologie Park Herzogenrath. Foto: Markus Bienwald
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Nachgehakt: Auch aus Reihen des Publikums hatte der Moderator, unser Redakteur Karl Stüber (r.), Fragen zu sammeln. Foto: Markus Bienwald
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Herzogenrath. Am Donnerstagabend mussten Walter Breuer und die Mitglieder des Vereins Stadtmarketing Herzogenrath richtig ran. Denn mit einem so großen Zuspruch auf die Diskussionsrunde mit den Bürgermeisterkandidaten, die in enger Zusammenarbeit mit unserer Zeitung im Technologie Park Herzogenrath (TPH) stattfand, hatten sie nicht gerechnet. Die Veranstalter zählten 170 Gäste, die Moderator Karl Stüber, Redakteur dieser Zeitung, durch den Abend unter dem Motto „Wirtschaftsförderung“ führte.

Mit der von Amtsinhaber Christoph von den Driesch nachdrücklich betonten Verlegung dieser ureigenen städtischen Aufgabe vom früheren Standort TPH hinein ins Rathaus sei es nicht getan. Das machte der CDU-Kandidat gleich zu Beginn deutlich. Die Vielschichtigkeit des Themas erkannte auch SPD-Kandidat Dr. Manfred Fleckenstein, der die Wirtschaftsförderung als „Chefsache“ ansah und Baustellen im Stadtgebiet aus seinem Blick darstellte. Der Dritte im Bunde, Kai Baumann, ist allerdings gar nicht der aktuelle Piraten-Kandidat für den Posten des Ersten Bürgers. Vielmehr vertrat er den eigentlich antretenden Stefan Kuklik, der aus privaten Gründen nicht an der Diskussion teilnahm.

Kuklik schickt Stellvertreter

Karl Stüber stellte die zwei zur Wahl stehenden Männer und den Vertreter mit ihrem Wahlspruch als Zündholz auf die Feuerprobe. Stefan Kuklik will auf mehr Transparenz und Bürgernähe setzen, eine urtypische Forderung der Piraten. Steigende Steuern, wie sie am Ende des bis 2016 geltenden Haushaltssicherungskonzeptes drohen, ließ er auch durch seinen Stellvertreter Kai Baumann nicht gelten. „Wir müssen gucken, dass wir es in irgendeiner Form auf die Linie kriegen, mehr Steuern einzunehmen“, so Baumann.

Nicht mit dem Enterhaken, sondern durch mehr Ansiedlungen innovativer Unternehmen aus dem Universitätsumfeld Aachen in einer familienfreundlicheren Umgebung soll es gelingen, das Schloss zur Schatzkiste Gewerbesteuer zu öffnen. Dazu wünschte er sich einen „lesbaren Haushalt“, der nicht nur Inhalt einer Publikumsfrage war, sondern sich nach Baumann auch durch Kompetenz aus der Bürgerschaft ergänzen ließe. „Viele Einwohner nahmen am Bürgerhaushalt nicht teil, weil sie an dieser Stelle die Hoffnung auf Mitwirkung verloren hatten“, so Baumann.

Er stellte zudem in Aussicht, Industrie langfristig anzusiedeln und auch auf kleinere Unternehmen zu setzen. Das sah er auch beim Dauerthema B 258n so, bei der er die Bürger einbinden will und einen entzerrten Verkehr in Herzogenrath hinbekommen will. Im Zusammenspiel mit attraktiven Arbeitsplätzen könne es laut Baumann auch gelingen, die Zukunft in der Roda-Stadt für junge Familien bei einem ausgebauten Freizeitangebot attraktiver zu machen.

„Schwierig aber interessant“

„Das Ganze im Blick“ hat sich Christoph von den Driesch über sein Wahlprogramm geschrieben. Dabei setzt auch der Christdemokrat auf das bürgerschaftliche Engagement, das er allerdings mit Blick auf die mäßige Teilnahme am Projekt Bürgerhaushalt in diesem Punkt eher kritisch sieht. Vielmehr nahm er den vom EBV nicht geschaffenen Strukturwandel ins Visier und wünschte sich mehr Raum zum Gestalten. Und das wortwörtlich, denn „wir haben in Herzogenrath kaum eigene Grundstücke, und es reicht nicht aus, jetzt Tauschgeschäfte mit Landwirten einzugehen“. Andere Städte hätten eine Reserve, die es in Herzogenrath wegen einer mangelnden Bodenvorratspolitik nicht gebe.

Die Nutzung bestehender Wirtschaftsräume, wie beispielsweise eine mögliche Umnutzung der durch Verkleinerung zu groß gewordenen Areale der Firma Schmetz oder die künftige Umsetzung des Gewerbegebietes an der Bicherouxstraße, sah von den Driesch als einen Weg an, hier den richtigen Kurs zu finden. Die Segel setzen will der amtierende Bürgermeister auch in Sachen Verkehr, wobei er nicht von der B 258n abrückt.

Zünglein an der Waage ist für von den Driesch der Durchgangsverkehr, der aus der Stadt heraus müsse, damit nicht immer der Eindruck entstehe, dass alles hinter Kohlscheid nur schlecht erreichbar sei. „Die Aufgabe ist und bleibt schwierig, aber interessant“, meinte der Verwaltungschef auch zum Thema Stadtmarketing, bei dem aus drei Stadtteilen ein gemeinsamer Auftritt gemacht werden müsse. „Um das zu erreichen, müssen wir die Gemeinsamkeiten herausstellen, aber auch unsere Unterschiede pflegen“, unterstrich der CDU-Mann. Positiv sieht der Amtsinhaber die Stadt in Sachen Familien- und Seniorenpolitik aufgestellt, wo er beispielhaft die Abdeckung in Sachen U3-Betreuung oder die Barrierefreiheit nannte.

Gewerbeansiedlung forcieren

Über einen Christdemokraten gestolpert ist SPD-Kandidat Dr. Manfred Fleckenstein schon zweimal. Im dritten Anlauf schreibt er sich den Wahlspruch „Mit mir können Sie rechnen“ auf die Fahnen, was bei Moderator Karl Stüber zur Nachfrage in Sachen Amtszeit sorgte. „Ich fühle mich sehr frisch und munter aufgestellt“, sagte der mit 66 Jahren im Gegensatz zu seinen Kontrahenten Kuklik (45) und von den Driesch (40) deutlich ältere Bürgermeister-Anwärter. „Wir müssen alles versuchen, um das nicht Realität werden zu lassen“, betonte der Mathematiker mit Blick auf die drohenden Steuererhöhungen des Haushaltssicherungskonzeptes.

Erreichen will er dies mit mehr Gewerbeansiedlungen, weniger Leerständen und einem flüssigeren Verkehrskonzept auf bestehenden Wegen. „Definitiv nein“ sagt er daher zur B 258n, die in seinen Augen „ohne einen Quadratmeter auf Herzogenrather Gebiet“ nicht realisierbar sei. Eine bessere Steuerung der Ampelschaltung entlang der Hauptverkehrsachse im Zusammenspiel mit effektiver abgestimmtem Öffentlichem Personennahverkehr ist für ihn die Chance, besser von Ort zu Ort zu kommen.

Ausgabenseitig hat er Sparpotenziale ausgemacht, ohne allerdings dem Ehrenamt durch Sparen bei den freiwilligen Ausgaben das Messer an die Kehle zu setzen. „Man sollte nicht zusammenstreichen, denn dann sind auch Vereine betroffen, die dafür sorgen, dass sich Menschen in einer Stadt wohlfühlen“, so Fleckenstein. Haushaltsmäßig stellte er eine akribische Herangehensweise in Aussicht, die Schritt für Schritt Licht in ein für Laien beinahe unlesbares Zahlenwerk bringen könne. Mehr Grundstücke für die Stadt standen auch auf seinem Zettel, hier könne auch ein Zusammenwirken mit dem EBV, beispielsweise in Sachen Umnutzung der früheren EBV-Zentrale, etwas bewirken.

Während bei den so genannten „weichen Standortfaktoren“ die Bildung am Beispiel der Kindertagesstätten gut abschneide, schrieb Fleckenstein beim Freizeitangebot für 15- bis 20-Jährige eine Null ins Zeugnis der Stadt. „Da gibt es kein Angebot, absolut nichts“, sagte er, und für die Senioren wünschte er sich eine Nahversorgung in allen Stadtteilen, die etwa auch durch mobile Geschäfte erreichbar sei.

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