Bürgermeisterkandidatur: Der einzige direkte Schlagabtausch

Von: mas
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Intensives Streitgespräch: die Baesweiler Bürgermeisterkandidaten Dr. Karl Josef Strank (SPD, l.) und Dr. Willi Linkens (CDU). Foto: Sigi Malinowski
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Gut präpariert zeigten sich Teilnehmer des Wahlforums, die Moderator Karl Stüber (r.) zum Nachhaken ermuntert hatte. Foto: Sigi Malinowski

Baesweiler. Drei Teilsiege gingen an Dr. Karl-Josef Strank. Der SPD-Bürgermeisterkandidat lag beim Würfeln immer knapp vor seinem Konkurrenten, dem amtierenden Bürgermeister Dr. Will Linkens (CDU). Das „Ausknobeln“ um das erste Rederecht bei verschiedenen Themen hatte sich der Moderator des Wahlforums unserer Zeitung, Redakteur Karl Stüber, ausgedacht.

Unsere Zeitung hatte diesen einzigen direkten Schlagabtausch zwischen den Bürgermeisterkandidaten Prof. Dr. Willi Linkens (CDU, Amtsinhaber) und seinem Herausforderer Dr. Karl-Josef Strank (SPD) möglich gemacht. Und in der Alten Scheune der Burg Baesweiler ging es konträr zu.

Das Rededuell – wir berichteten mehrfach im Vorfeld – stieß auf hohes Interesse. Etwa 200 Besucher mochten sich die Argumente der Kandidaten anhören und zum Teil auch mit diskutieren. Moderator Stüber begann mit der Schulpolitik, die ein Reizthema in Baesweiler ist. Das ließ sich auch daran erkennen, dass sich beide Kandidaten am Thema „festbissen“. SPD-Kandidat Strank behauptete, „alle umliegenden Kommunen sind in Sachen Schulen besser als Baesweiler aufgestellt. Da müssen wir dringend etwas tun“. Linkens hielt seinem Kontrahenten vor, „unser bestehendes dreigliedriges Schulsystem lässt alle Abschlüsse zu.“ Zum Thema Gesamtschule sagte Linkens: „Ich finde es auch traurig, dass die Chance einer Fusion mit Übach-Palenberg nicht genutzt wurde.“ Aber diese geplatzte Idee ginge nicht auf das Konto Baesweilers. Linkens zum Begehren der SPD nach einer Gesamtschule in Baesweiler: „Die einzige Chance war die Dependance, alles andere wird von der Bezirksregierung nicht genehmigt.“

Während Strank und seine SPD die Sekundarschule gegenüber einer Realschule in Baesweiler favorisieren (Strank: „Eine Sekundarschule ist die Lösung, sie würde auch mehr Lehrpersonal bedeuten.“), steht Linkens dieser Schulform skeptisch gegenüber. Er bemerkte, „nach Meinung von Fachleuten ist diese Schulform noch nicht anerkannt und könnte viele Probleme mit sich bringen“.

Zum Thema Elternwillen „stach“ Strank den Verwaltungschef an, „die objektive Abfragung des Elternwillens steht in Baesweiler aus. Sie bevormunden die Eltern“. Linkens hielt dagegen: „Das stärkste und beeindruckendste Votum ist das der betroffenen 137 Eltern, die ihre Kinder an der Realschule angemeldet haben.“ In diesem Zusammenhang zeigte der amtierende Bürgermeister intensive Bemühungen auf, wie die Stadt sehr erfolgreich um den Erhalt der Grundschulen kämpfe.

Im Block Sozialpolitik wurde deutlich, dass Baesweiler auf eine mögliche Aufnahme einer größeren Anzahl von Flüchtlingen (derzeit leben 213 Asylbewerber in Baesweiler) „vorbereitet ist“, wie Linkens versicherte. Er glaube nicht, dass es künftig bei der Regelung bleibt, nach der die Kommunen erst ab 40.000 Einwohner gehalten sind, eine größere Anzahl von Flüchtlingen zum Erstaufnahmeverfahren aufzunehmen.

Auf Stranks Vorwurf, Neubürger nicht genügend zu integrieren, konterte Linkens: „Das ist völlig falsch. Man sieht immer häufiger, wie Neubürger Gemeinschaften bilden.“ Das sei in Siedlungen und Neubaugebieten, aber auch beispielsweise bei Kindergarten- oder Schulfesten zu sehen. Zudem zeigte Linkens auf, „unsere Aktivitäten in Sachen Integration sind sehr vielseitig“.

„Lieblingsthemen“ des Amtsinhabers Linkens sind Finanzpolitik und Wirtschaftsförderung. Die Stadt hat im aktuellen Haushalt mit einem Defizit von 2,1 Millionen Euro zu kämpfen, bedingt durch geringere Schlüsselzuweisungen, die andererseits größeren Städten zugute kommen. „Wir müssen sehen, was sich das Land ausdenkt, die kleinen Kommunen noch mehr zu belasten“, forderte Linkens den Genossen Strank auf, diesen Zustand bei seinen Parteifreunden in Düsseldorf zu thematisieren.

Was die SPD und ein möglicher Bürgermeister „Kajo“ Strank denn anders machen würde, fragte Moderator Stüber. Der Sozialdemokrat wurde nicht konkret und merkte an, man solle „nicht immer übers Land schimpfen“. „Möglichkeiten, mehr Einnahmen für die Stadt zu generieren, sind noch nicht ausgeschöpft“, findet der SPD-Kandidat. Das führte zur argwöhnischen Anmerkung aus dem Publikum, er wolle wohl die kommunalen Steuern erhöhen. Auch das seit 25 Jahren von der SPD geforderte eigene Jugendamt, brachte der Sozialdemokrat wieder auf den Tisch. Linkens: „Man sollte nicht so tun, als gäbe es in Baesweiler keine Jugendarbeit“.

In Sachen Gewerbegebiet und Gewerbeansiedlung meinte der SPD-Kandidat, dort müsse man von „Quantität auf Qualität umschalten“. Diese Bemerkung konnte Linkens überhaupt nicht nachvollziehen. Er erinnerte daran, „dass der Strukturwandel in Baesweiler sehr erfolgreich war“. Und weiter: „Lieber Herr Strank, 185 Unternehmen und 4000 Mitarbeiter allein im Gewerbegebiet werden sich nicht gerade geehrt vorkommen.“ Wirtschaftsförderung „Marke Linkens“ heißt auch, „Bestandspflege und die Stärkung der beiden Zentren Baesweiler und Setterich sowie der Umgang mit Leerständen“.

Bauen und Wohnen, Öffentlicher Personennahverkehr waren weitere Themen sowie Fragen um das neue Einkaufszentrum und eine mögliche Verwaltungsstrukturreform. Das Publikum hakte intensiv nach. So beispielsweise mit der Frage, wie kann man Schlüsselzuweisungen wieder erhöhen, wie kann das umgestaltete Settericher Zentrum noch besser funktionieren oder müssen mit der Einrichtung eines eigenen Jugendamtes höhere Steuern befürchtet werden? „Schiedsrichter“ Stüber pfiff nach genau zwei Stunden das Frage- und Antwort-Spiel ab. Nach einer teils sehr emotional, aber auch diszipliniert geführtem Diskussion. Am Abend des Wahltags 13. September werden die Würfel endgültig gefallen sein.

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