Bürgerinitiativen fühlen sich von der Stadt überrumpelt

Von: Stefan Klassen
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Kritisieren die Verantwortlichen im Würselener Rathaus: (v.l) Ulrich Brunner, Günter Dümont und Hans Poth. Foto: Stefan Klassen

Würselen. „Es ist traurig, dass wir uns überhaupt gründen mussten.” Wenige Tage vor der Kommunalwahl am 30. August geht Ulrich Brunner, Sprecher der Bürgerinitiative „Rettet Morsbach”, hart mit den lokalen Entscheidungsträgern ins Gericht. Auch die Bilanz der beiden anderen Bürgerinitiativen im Stadtgebiet fällt kurz vor dem Urnengang schlecht aus.

„Seit Jahren von der Stadt Würselen überrumpelt” fühlt sich Günter Dümont (Interessengemeinschaft Kaiserstraße/Markt), von „Fehlentscheidungen” spricht Hans Poth (Bürgerinitiative Broichweiden und Umgebung).

Poth kritisiert nach jahrelangem Kampf gegen Fluglärm und Ausbau des Verkehrslandeplatzes Merzbrück die geplante Verlängerung der Startbahn auf 900 Meter. Diese soll dem Flugplatz einen wirtschaftlichen Aufschwung bescheren, was die Bürgerinitiative bezweifelt. „Die Kosten für dieses Prestigeobjekt sind zu niedrig angesetzt, der Flugplatz wird sich nicht tragen”, sagt Poth, der vor „einer Verschwendung von Steuergeldern” warnt.

Kritik übt er an der SPD, „die im vergangenen Wahlkampf den Ausbau strikt abgelehnt hat, heute aber nicht mehr zu diesen Aussagen steht und den Ausbau befürwortet”. Poth empfiehlt allen Entscheidungsträgern einen Blick nach Baesweiler, „wo Dr. Willi Linkens eine durchaus positive Stadt- und Gewerbeentwicklung auch ohne Flugplatz darstellen kann”.

Abgeschmettert

Enttäuscht besonders vom Bürgermeister und der schwarz-roten Koalition ist Günter Dümont. Sämtliche Anregungen der IG Kaiserstraße/Markt seien in den vergangenen Jahren abgeschmettert worden, zudem würden die Anwohner durch die vom Rat beschlossene Sondersatzung ärgerlicherweise mit extrem hohen Anliegerbeiträgen für den Umbau belastet.

Generell kritisiert Dümont „mangelhafte Kommunikation und eine Blockadehaltung der Politik”. So habe etwa „die SPD zu Oppositionszeiten immer bei uns gesessen, mit Beginn der Großen Koalition gab es dann keine Unterstützung mehr”.

Vom Stadtrat, der am 30. August gewählt wird, „erwarten wir, dass die Bürger für voll genommen werden”, betont IG-Sprecher Dümont. Seiner Meinung nach müssten deshalb Vorschläge wie ein Verzicht auf eine Hochbebauung vor St. Sebastian oder die Freigabe des Dreiecksplatzes als Parkplatz diskutiert werden.

Zudem ist es laut IG nötig, „die Ampelschaltung am Parkhotel zu optimieren”, eine „Brötchentaste” für Kurzparker auf der Kaiserstraße zu installieren und „das rechtwinklig e Abbiegen vom Markt in die Tittelsstraße zu entschärfen”.

Verkehrsthemen will die Bürgerinitiative „Rettet Morsbach” künftig in den Vordergrund rücken. Angetreten mit der Maßgabe, die Entwicklung des Baugebietes „Johnens Gässchen” kritisch zu begleiten, steht laut Sprecher Ulrich Brunner nun „ein Verkehrslenkungskonzept für Morsbach, das die Neustraße entlastet”, im Fokus.

Brunner kündigt an, „dass wir auch in Zukunft nicht alles hinnehmen werden, was sich die Verantwortlichen ausdenken”. Vor allem müsse der neu gewählte Rat „erst den Dialog mit den Bürgern führen und dann deren Anregungen in Entscheidungen einbeziehen”. Bislang sei die Politik nach dem Motto vorgegangen: „Was der Rat beschlossen hat, wird auch umgesetzt.”
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