Bürgerinitiative möchte eine integrative, bilinguale „Eurode-Schule”

Von: Anja Klingbeil
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So geht das: Weil Finja mit ihrem Referat fertig ist, erklärt sie Richard, wie er seinen Vortrag aufbauen kann. Wie es der Jena-Plan vorsieht, gibt es in der Grundschule Pannesheide nur wenig Frontalunterricht, dafür kleinere Gruppen und die Schüler helfen sich gegenseitig. Foto: Anja Klingbeil

Herzogenrath. Herbstbegriffe gilt es, zu finden. Blätter, Nebel - das sind die ersten Dinge, die den Kindern dazu einfallen. Es sind die Erstklässler, die mit ihrer Lehrerin Monika Wallbrecht in einer kleinen Gruppe auf dem Boden sitzen und sich mit diesem Thema beschäftigen.

Währenddessen kümmern sich die älteren Schüler um ihre Vorträge, die sie in den nächsten Tagen halten müssen. Kleine Referate sollen es werden, etwa über Eishockey, Obst und Eichhörnchen. Recherchiert wird zuerst Büchern. Dazu gibt es in jedem Unterrichtsraum eine kleine Bücherecke. Wer dort nichts findet, darf im Internet weiter recherchieren.

Auch das gehört in der Grundschule mit dazu. Und in einer solch besonderen Grundschule wie der in Pannesheide gleich mit dazu. Die GGS Pannesheide wurde nicht nur vom Kreis für ihre Integrationsarbeit ausgezeichnet, sie besticht auch durch ihr außergewöhnliches Unterrichtskonzept. Die Jungen und Mädchen sind nicht in normalen Klassen unterteilt. In einem Klassenverband sind alle vier Jahrgänge zusammen.

Wachsender Ortsteil

Dieses Konzept soll nun weiter ausgebaut werden. Das will die Initiative Jenaplanschule Herzogenrath, die jüngst als Verein anerkannt wurde. Die Grundschule Pannesheide ist dabei mehr als nur Vorbild.

Eine der Mitbegründerinnen der Inititative ist Monika Wallbrecht, die Leiterin der Grundschule, die zutiefst von diesem Konzept überzeugt ist: „Wir sind in Europa das einzige Land, was die Kinder nach der vierten Klasse separiert. Das ist viel zu früh.” Dabei würde in Herzogenrath der Blick hinweg über die Grenze zeigen, wie es auch anders geht. Und neben den Niederlanden praktizieren auch Schweden und Norwegen ein solches pädagogisches Konzept, das nicht von einem dreigliedrigen Schulsystem ausgeht.

Genau das möchte die Initiative: Die „Eurode-Schule”, die auf dem Jenaplan-Konzept beruht, soll die Klassen eins bis 13 unter dem Dach einer Einrichtung zusammenfassen. Nicht in Klassen sollen die Schüler zusammengefasst werden, sondern eben wie es die GGS Pannesheide vormacht, in heterogenen Gruppen, die auch behinderte oder lernverzögerte Kinder nicht ausschließt.

Standort der neuen Schule soll Kohlscheid sein. „Zum einen ist Kohlscheid ein stark wachsender Ortsteil, in dem es nur eine Real- sowie eine Hauptschule gibt”, erklärt Sabine Wessing. Um ihr Abitur zu machen, pendeln deswegen viele Kohlscheider Kinder zu Aachener Gymnasien. „In diesem Jahr sind es aktuell knapp 40 Kinder, die in Aachen auf die Schule gehen”, sagt Sabine Wessing.

Zum anderen gebe es in Kohlscheid viele internationale Unternehmen wie etwa Ericsson. Und durch die Nähe zum Campus-Projekt der RWTH Aachen könne dieser Anteil noch größer werden. In Anlehnung an die Ergebnisse moderner Unterrichtsforschung und Lerntheorien, soll die „Eurode-Schule” deshalb auch eine internationale Ausrichtung erhalten. Für die Schüler soll es die Wahl zwischen deutschsprachigem und englischsprachigem beziehungsweise bilingualen Unterricht geben.

Eines ist den Initiatoren aber besonders wichtig: Die Eurode-Schule soll für alle zugänglich sein. Deshalb kommt eine Privatschule für sie nicht in Betracht. „Beim Angebot von neuen Bildungskonzepten darf weder der Geldbeutel eine Rolle spielen, noch kann das Feld moderner Pädagogik den Privatschulen überlassen und das öffentliche Schulsystem zu eineer Restschule werden”, sagt Miriam Vieten, Mitglied der Initiative.

Wer Träger der neue Schule werden soll, ist indes noch nicht geklärt. Mit den einzelnen Parteien und der Stadt wurden bereits Gespräche geführt, um das Konzept vorzustellen. „Doch bevor der Antrag bei der Bezirksregierung bzw. beim Land gestellt werden kann, braucht es erst einen Träger und es muss ein Gutachten erstellt werden, welche Auswirkung eine weitere Einrichtung auf die Schullandschaft hat”, sagt Birgit Froese-Kindermann, Beigeordnete der Stadt Herzogenrath.

Bessere Entwicklungs- und Förderchancen

Der Jenaplan ist ein Schulentwicklungskonzept, das von dem Pädagogen Peter Peterson erdacht und begründet wurde. Sein Konzept entstand an der Universität Jena, an der er einen Lehrstuhl für Erziehungswissenschaft übernommen hatte.

Statt des üblichen 45-Minuten-Rasters gibt es einen Wochenarbeitsplan sowie jahrgangsübergreifende Lerngruppen statt Jahrgangsklassen.

An der Eurode-Schule sollen alle Abschlüsse möglich sein. „Da die Kinder die Schule nicht nach der vierten Klasse verlassen, können sie sich viel besser entwickeln und wir können sie viel besser fördern”, sagt Monika Wallbrecht.
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