Buch über Demenzerkrankung des eigenen Vaters

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Das Leben mit der unheilbaren Krankheit des Vaters: Andreas Wenderoth erzählt, wie seinem Vater, einem ehemals wortgewandten Rundfunkredakteur, langsam die Worte verloren gehen. Foto: Marko Priske

Baesweiler. Der Journalist Andreas Wenderoth hat über die Demenz-Erkrankung seines Vaters ein Buch geschrieben: „Ein halber Held – Mein Vater und das Vergessen“. Er liest daraus am morgigen Dienstag um 20 Uhr in der Alten Scheune, Burg Baesweiler. Margret Nußbaum hat vorab mit ihm gesprochen.

Wann wurden Sie zum ersten Mal mit der Demenzerkrankung Ihres Vaters konfrontiert?

Andreas Wenderoth: Im November 2013. Er fürchtete, meine Mutter würde ihn umbringen. Ich denke, wir hatten den Beginn der Krankheit versäumt, weil wir so wenig darüber wussten und weil wir die Zeichen nicht richtig deuteten.

„Ein halber Held“ – ein etwas ungewöhnlicher Titel für ein Buch. Wie entstand er?

Wenderoth: Ich besuchte meine Eltern und nahm meine Freundin mit. Mein Vater schätzte sie sehr. Einmal glaubte er, sie schlecht unterhalten zu haben. Er bat mich dann, ihr etwas auszurichten: „Entschuldige mich bitte für meine Inhaltslosigkeit, aber ich bin nur noch ein halber Held.“ Ein Satz, der mich in seiner klarsichtigen Poesie tief erschütterte.

Wie wirkt sich die Krankheit Ihres Vaters auf Ihre Beziehung zur Mutter aus?

Wenderoth: Die Demenz meines Vaters hat uns zusammenrücken lassen, weil nun existenzielle Dinge im Vordergrund stehen. Etwa, wie wir dem Vater Freude bereiten können, ohne selbst freudlos zu werden.

Was hat Sie selbst im Umgang mit der Krankheit Ihres Vaters am tiefsten bewegt?

Wenderoth: Mein Vater war lange Jahre ein bekannter Rundfunkredakteur beim Rias in Berlin. Er verstand es, Gesellschaften zu unterhalten und zog die Zuhörer mit einer Mischung aus Charme und Selbstironie in den Bann. Nun brechen ihm die Anekdoten weg, und die Wörter wenden sich mehr und mehr von ihm ab.

Spüren Sie, dass Ihr Vater selbst an seiner Krankheit leidet?

Wenderoth: Ja, es fällt ihm schwer, auf seine geistige Freiheit zu verzichten. Er spürt, dass seine Krankheit und ihre Umstände ihm diese zu nehmen drohen. Die Demenz ist die Antithese der Freigeistigkeit. Dagegen rebelliert er mit der ihm verbliebenen Kraft.

Hat Ihnen denn das Schreiben beim Verarbeiten des Schmerzes über die unheilbare Krankheit Ihres Vaters geholfen?

Wendroth: Ja, ich erinnere mich an viele Glücksmomente, die die Arbeit an dem Buch uns beiden bescherte – und an die Selbstironie, die mein Vater sich lange erhielt – etwas, was eher untypisch für Demente ist.

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