Baesweiler - BSV Bioscience: Die Kinderschuhe sind mittlerweile zu klein

BSV Bioscience: Die Kinderschuhe sind mittlerweile zu klein

Von: Daniel Gerhards
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Ein Blick in den hochsensiblen Produktionsbereich: BSV Bioscience-Geschäftsführer Frank Scheid schaut seinem Mitarbeiter bei der Produktion von pharmazeutischen Wirkstoffen durch die Glasscheibe über die Schulter. Foto: Daniel Gerhards

Baesweiler. Hinter mehreren Hygiene-Schleusen verbergen sich die hochmodernen Produktionsanlagen. Dort, wo die pharmazeutischen Spezial-Wirkstoffe produziert werden, sind die Mitarbeiter bis zur Unkenntlichkeit vermummt.

Der blaue Hygiene-Anzug lässt lediglich einen kleinen Schlitz im Gesicht für die Augen frei. Daher blickt der hemdsärmelig gekleidete Frank Scheid durch eine Glasscheibe auf den klinisch sauberen Produktionsbereich, wenn er erklärt, was seine Ingenieure und die anderen Produktionsmitarbeiter dort herstellen.

Diese Produktionsanlage für hochspezialisierte Medikamentenwirkstoffe steht nicht bei einem Pharma-Giganten am Rhein oder in den USA. Frank Scheid ist Geschäftsführer der BSV Bioscience. Das Tochterunternehmen eines indischen Pharmakonzerns sitzt im Baesweiler Industriegebiet.

Die Männer in den blauen Anzügen produzieren in Baesweiler Fertilitätshormone, die die Grundlage für Medikamente bilden, die zur Hormontherapie bei Schwangerschaftswünschen eingesetzt werden. Diese „spezifischen biologischen pharmazeutischen Wirkstoffe” haben allesamt eine biologische Basis, erklärt Scheid. Daher war es nicht leicht, eine Produktionserlaubnis für die Wirkstoffe zu bekommen.

„Da wird die Messlatte sehr hoch angelegt”, erklärt Scheid. Das Pharmadezernat des Regierungspräsidenten schaut den Unternehmen im aufwändigen Genehmigungsverfahren genau auf die Finger. „Die Stadt Baesweiler hat uns sehr dabei geholfen, die gesetzlichen Vorgaben einzuhalten”, lobt Scheid.

Gestartet ist BSV Bioscience im Internationalen Technologie- und Service-Center (ITS). Dort beschäftigte sich das Unternehmen mit Forschung und Entwicklung. „Wir haben in 18 Monaten drei neue Produkte in die klinisches Prüfung gebracht”, erklärt Scheid stolz. Eines davon steht nun kurz vor der Marktzulassung.

Aus diesen schon ganz schön großen Kinderschuhen ist das Unternehmen nun heraus gewachsen. Denn die 150 Quadratmeter Büro- und Laborfläche im ITS reichten den Bio-Technikern nicht mehr. Doch das Unternehmen blieb dem Standort Baesweiler treu.

Im Industriegebiet mietete es 500 Quadratmeter einer Halle an. Und dort wird nun nicht mehr bloß geforscht - es wird produziert. 2,2 Millionen Euro investierte das Unternehmen in die Produktionsstätte, in der nun 15 Mitarbeiter Pharma-Wirkstoffe herstellen.

Urin aus China

Grundlage für die aufwändig hergestellten Fertilitätshormone sind Millionen Liter chinesischen Urins. Der wird, in Pulverform reduziert, auf wenige Kilogramm angeliefert. Neben den Fertilitätshormonen produziert die Firma zwei Thrombolytika, die Grundlage für Medikamente bei Herzinfarkt oder Venenthrombose sind.

Klar ist nicht nur angesichts der Lohnkosten, dass es für den indischen Mutterkonzern verhältnismäßig teuer ist, am Standort Baesweiler zu produzieren. Am Stammsitz in Mumbai wäre die Produktion sicher weitaus billiger.

Frank Scheid erklärt, warum die Inder dennoch in Baesweiler produzieren lassen: „In der Branche ist es für ein indisches Unternehmen sehr schwierig, auf entwickelte Märkte zu kommen.” Die Qualitätsanforderungen in Europa oder Nord- und Südamerika seien einfach zu hoch.

Dafür brauche man einen Standort in einem Industrieland. „Arzneimittel sind eine hochsensible Angelegenheit”, erklärt Geschäftsführer Scheid. In Zukunft wollen die Bio-Ingenieure von BSV Bioscience nicht bloß die Wirkstoffe für Medikamente liefern, sonder selber Arzneimittel herstellen. Dafür plant Scheid ein Joint-Venture mit einem Schweizer Pharma-Konzern.

Mit einem seiner Fertilitätshormone steht BSV Bioscience unterdessen kurz vor der Medikamentenzulassung auf dem deutschen Markt.
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