Brandstiftung in Feuerwache: Dreieinhalb Jahre Haft

Von: Karl Stüber
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Der Brandanschlag auf das Puffendorfer Feuerwehrgerätehaus – hier eine Aufnahme aus der Tatnacht – ist aufgeklärt und der Täter in einem Indizienprozess verurteilt. Das Motiv bleibt allerdings offen. Foto: Ralf Roeger
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Gegen den gerade erst Verurteilten – hier mit Anwalt Volker Herbst (r.) erging noch im Gerichtssaal ein neuer Haftbefehl. Foto: Karl Stüber

Baesweiler/Aachen. Die erste Schwurgerichtskammer des Landgerichts Aachen hat am Freitag einen 31-jährigen Monteur aus Sachsen-Anhalt hauptsächlich wegen schwerer Brandstiftung und schwerer Körperverletzung zu dreieinhalb Jahren Haft verurteilt.

Staatsanwältin Melissa Hilger hatte in ihrem Plädoyer eine Haftzeit von fünfeinhalb Jahren beantragt. Verteidiger Volker Herbst hatte sich für einen Freispruch seines Mandaten von den Haupttatvorwürfen ausgesprochen. Für den von seinem Mandaten erst in der Verhandlung eingeräumten Diebstahl von vier Funkgeräten der Feuerwehr wäre aus seiner Sicht eine „angemessene Geldstrafe“ akzeptabel gewesen.

Die Kammer unter Vorsitz von Richter Roland Klösgen sieht es als erwiesen an, dass der Mann am frühen Morgen des 27. Mai 2016 vorsätzlich Brände in zwei im Gerätehaus des Löschzugs Puffendorf abgestellten Einsatzfahrzeugen gelegt hat. Von dem Tatvorwurf des versuchten Mordes wurde der 31-Jährige jedoch freigesprochen.

Weiterer Taten verdächtigt

Zudem erging noch im Gerichtssaal ein neuer Haftbefehl. Der Monteur steht laut Klösgen auch unter dem dringenden Tatverdacht, in zwei weiteren Fällen Brandstiftung verübt bzw. versucht zu haben – und zwar in Calbe an der Saale (Sachsen-Anhalt). Ziel dort seien eine Bahnhofsbaracke und das Bahnhofsgebäude gewesen. Klösgen berichtete von einer „Flucht mit dem Rad“. Im Rucksack des Tatverdächtigen seien Brandbeschleuniger (Grillanzünder) gefunden worden. Gegenüber der Polizei vor Ort habe er zur Erklärung seiner Anwesenheit in Nähe des Tatortes „völlig haltlose Angaben gemacht“. Der Richter begründete die Fortdauer der Untersuchungshaft nicht mehr mit Flucht-, sondern Wiederholungsgefahr. „Es ist völlig unkalkulierbar, wann der Angeklagte auf die Idee verfällt, wieder ein Feuer zu legen“, sagte Klösgen. Das heißt: Gegen den 31-Jährigen wird in diesen Fällen weiterermittelt. Er muss mit einer erneuten Anklage wegen Brandstiftung rechnen.

Motiv nicht erkennbar

Vielleicht werden die beiden von Kameraden aus der Puffendorfer Wache geretteten Feuerwehrleute im Zuge der Aufklärung dieser anderen Straftaten endlich erfahren, warum der Monteur aus Sachsen-Anhalt ihnen Feuer „unter den Füßen“ gelegt hat. Die zwei Feuerwehrleute hatten sich im ersten Stock über der Fahrzeughalle aufgehalten. In dem Verfahren vor der ersten Schwurgerichtskammer zu dieser Brandstiftung in Puffendorf ist nicht ansatzweise ein Motiv erkennbar geworden.

Richter Klösgen hatte vor Beratung und Urteilsverkündung noch letzte Verfahrensschritte abgewickelt. So wurde ein DNA-Gutachten verlesen. Ergebnis: An einem der vier in der Brandnacht aus dem Gerätehaus entwendeten Funkgeräte, die zwei Monate später in dem gegenüberliegenden Quartier des Montagearbeiters gefunden wurden, befanden sich eindeutig Spuren des Angeklagten.

Zudem wurden drei Beweisanträge von Verteidiger Volker Herbst als unzulässig abgewiesen, der noch ein letztes Mal versuchte, das Verfahren aussetzen zu lassen, damit neue Ermittlungen aufgenommen werden. So brachte der Anwalt wieder zwei andere Personen aus dem Puffendorfer Umfeld als potenzielle Täter ins Spiel und suchte die Relevanz von Sprachproben zu relativieren. Diese waren von ermittelnden Polizeibeamten aufgenommen worden, um sie Zeugen vorzuspielen, die von schlimmen Funksprüchen während des Rettungseinsatzes am frühen Morgen nach Fronleichnam des vergangenen Jahres berichtet hatten. Dort war unter anderen in Richtung Feuerwehrleute zu hören: „Ihr werdet alle sterben.“

Detailliert zeichnete Klösgen bei der Urteilsbegründung den als erwiesen angesehenen Tatverlauf nach. Der Angeklagte war mit Kollegen zur Montage eines Löschtanks in einer Aldenhovener Firma in die Region gekommen. Nach Arbeitsende gingen er und zwei weitere Kollegen zu einem Fest des Schützenvereins St. Laurentius Puffendorf, das nach dem Vogelschuss stattfand.

Nach übereinstimmenden Zeugenaussagen kamen die drei Monteure schnell mit ihren Gastgebern ins Gespräch und wurden zu einem Absacker in die Feuerwache eingeladen – und das in schon fast freundschaftlicher Atmosphäre. Es gab keinerlei Ärger oder gar Konflikt. Klösgen sprach von einem „spontan gefassten Entschluss“ des Angeklagten, nach Ende des Treffens noch einmal zurückzukehren, Funkgeräte nebst einer Bohrmaschine zu stehlen und dann mit einem „Feuerzeug oder Ähnlichem“ die Sitzbänke der beiden Feuerwehrwagen anzuzünden.

Klösgen räumte ein, dass es sich um einen reinen Indizienprozess gehandelt habe und es keinen Zeugen für die Tat gebe. Aber alles weise auf den 31-Jährigen als Täter hin. Der große unbekannte Dritte sei völlig unrealistisch. Gegen das Urteil kann Revision eingelegt werden.

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