Baesweiler/Aachen - Brandstifterprozess: Feuerwehrleute per Funk massiv bedroht

Brandstifterprozess: Feuerwehrleute per Funk massiv bedroht

Von: Karl Stüber
Letzte Aktualisierung:
angeklagter Puffendorf Feuerwache verpixelt
Der 31-Jährige muss sich derzeit vor der ersten Schwurgerichtskammer des Landgerichts Aachen unter anderem wegen versuchten Mordes verantworten. Foto: Karl Stüber

Baesweiler/Aachen. Hat es Unstimmigkeiten oder gar Streit gegeben am Abend des 26. Mai vergangenen Jahres? Gab es ein Motiv, um nach Ende des Vogelschusses und des Fests des Schützenvereins St. Laurentius Puffendorf ausgerechnet im benachbarten Gerätehaus des Löschzuges Feuer zu legen?

Warum nur könnte der Monteur aus Sachsen-Anhalt, der zuvor mit anderen Besuchern und Organisatoren des Festes Bier getrunken hatte, diese Tat begangen haben? Welches Motiv könnte es geben? Der 31-Jährige muss sich derzeit vor der ersten Schwurgerichtskammer des Landgerichts Aachen unter anderem wegen versuchten Mordes verantworten.

Die beiden Feuerwehrleute, die mit zunächst drei Monteuren aus dem neuen Bundesland an einem Bierstand die Gläser klingen ließen und anschließend mit dem Angeklagten und einem seiner Kollegen sowie zwei Einheimischen im Aufenthaltsraum des Gerätehauses einen Absacker tranken, können sich das nicht erklären. Sie waren noch vor Ort, als die anderen bereits gegangen waren und das Feuer einen Stock tiefer unter ihren Füßen ausbrach.

Im Zeugenstand sagte der 22-jährige Feuerwehrmann, der mit seinem 33-jährigen Kollegen von anderen Feuerwehrleuten per Rettungshaube aus seiner lebensbedrohlichen Lage gerettet wurde, es habe „keine besonderen Vorkommnisse“ gegeben. Die drei Monteure hätten sich aufgeschlossen gezeigt und beim Schützenfest schnell Kontakt gefunden. Dass einer von ihnen dann am 27. Mai gegen 2 Uhr Feuer gelegt haben soll, könne er nicht nachvollziehen. Einer von den Monteuren sei nach Ende des Fests gegangen, zwei seien mit in die Wache gekommen, zudem zwei Brüder aus dem Dorf.

Auch dann sei es freundlich zugegangen. Klar hätten alle gut getrunken, aber keiner sei durch die Gegend gestolpert oder habe wirres Zeug geredet.

Geräusche hätten ihn, als sie schon allein waren, nach unten getrieben. Die Nachschau habe nichts Konkretes ergeben. Nur ein Rolltor an einem Einsatzwagen habe etwas offengestanden. Da sie aber nicht komplett um alle Fahrzeuge gegangen und nachgeschaut hätten, sei nicht auszuschließen, dass sich da noch jemand in der Halle aufgehalten habe. War der Brandstifter zu diesem Zeitpunkt also noch in der Halle?

Der 33-jährige Feuerwehrmann, der kurz zuvor noch beim Königsschuss den Vogel von der Stange geholt hatte (der 22-jährige Kollege wurde Prinz), beschrieb, wie dicht der Rauch schon im Treppenabgang war, als sie das Feuer bemerkt hatten. Sie seien in den Aufenthaltsraum zurückgekehrt, hätten die Tür geschlossen, per Telefon Kollegen alarmiert und sich dann an das geöffnete Fenster gestellt, um nicht den Rauch weiter einatmen zu müssen, der auch ein wenig in diesen Raum eindrang.

Die herbeieilenden Retter hätten schließlich die Tore geöffnet und den Qualm, der aus den angezündeten Fahrerhäusern der beiden dort abgestellten Einsatzwagen drang, herausgelassen. Kollegen kamen unter Atemschutz zu ihnen hoch und brachten Fluchthauben mit, so dass sie – geschützt vor den gefährlichen Rauchgasen – das Gebäude über die Treppe verlassen konnten, berichten sie.

Verletzt wurde letztlich niemand. Der Rauch habe zwar Husten verursacht, aber das sei bald wieder besser, ja gut gewesen. Beide Feuerwehrleute wurden vorsorglich von einem Notarzt untersucht.

Intensiv versuchte der Vorsitzende Richter der ersten Schwurgerichtskammer am Landgericht, Roland Klösgen, zu klären, wer denn hinter den bedrohlichen Funksprüchen steckt, die während der Rettungs- und Löscharbeiten in Puffendorf von mehreren Feuerwehrleuten mitgehört wurden.

Der Angeklagte räumte zwar vor Gericht ein, dass er beim „geselligen“ Aufenthalt in der Feuerwache einen Toilettengang dazu genutzt habe, vier Funkgeräte nebst Ersatzakkus in das gegenüberliegende Quartier seines Bautrupps zu schaffen, um sie später zu verscherbeln (das hatte er in einem Brief an seine Lebensgefährtin geschildert, der von den Ermittlern beschlagnahmt wurde). Aber mit der Brandstiftung habe er nichts zu tun. An einem Funkgerät habe er zwar später mal „rumgepustet“, aber nicht mehr als ein Rauschen produziert beziehungsweise gehört. Die im Quartier zurückgelassenen Funkgeräte wurden übrigens später vom Vermieter gefunden.

Richter Klösgen sagte zu der Aussage des Angeklagten, es wäre schon ein außerordentlicher Zufall, wenn eine weitere (unberechtigte) Person zur selben Zeit mit einem Funkgerät auf derselben, Rettungskräften vorbehaltenen Frequenz unterwegs sei. Der 31-Jährige sagte dazu: „Ich weiß, dass ich es nicht war.“

Eine Reihe von Ohrenzeugen berichtete vor der Schwurgerichtskammer, was sie denn während des Einsatzes über Funk unverhofft gehört hatten. Ergänzt wurde dies durch Heranziehen von Vernehmungsprotokollen der Polizei. Einige Durchsagen sollen so gelautet haben: „Hast Du gehört. Loser? Ich lege Euch um.“ „Ihr schafft das sowieso nicht.“ „Ihr findet mich ja doch nicht.“ „Ihr werdet alle sterben.“ „Ich werde Euch alle kriegen.“ „Scheiß-Feuerwehr!“ „Ich werde Euch alle töten, ihr Schweine.“ In der Regel wurde die unbekannte Stimme als männlich und tief klingend beschrieben. Ein spezieller Dialekt sei nicht auszumachen gewesen.

Die Ohrenzeugen wurden mit O-Tönen konfrontiert, die die Polizei bei Vernehmungen der (Gast-)Monteure, aber auch von „Einheimischen“ mitgeschnitten hatte – allerdings inklusive Namensnennung. Das rügte Verteidiger Volker Herbst. Er kündigte an, am nächsten Verhandlungstag die Aussetzung des Verfahrens beantragen zu wollen. Es müssten neue und weitere Ermittlungen angestellt werden. Der Vorsitzende Richter kündigte allerdings an, diesen Antrag zurückweisen zu wollen. Er wolle beim nächsten Termin die Beweisaufnahme abschließen. Staatsanwältin Melissa Hilger und der Verteidiger sollen davon ausgehen, dass sie dann ihre Plädoyers halten.

Brandschutzexperte Christoph Winter sagte, dass es wohl ein Feuerzeug gereicht hätte, um binnen weniger Sekunden Sitze in den beiden in der Halle stehenden Fahrzeugen anzuzünden. Zum Glück sei das Feuer von den beiden Wehrleuten schnell bemerkt worden, so dass Schlimmeres vermieden wurde. Seit Legen des Feuers seien da wohl nicht mehr als zehn Minuten vergangen.

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