Brandschutzdienststelle: Damit der Leiterwagen auch ans Ziel kommt

Von: Verena Müller
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Dirk Stoeckmann und Markus Dohms über Bauplänen: Die Brandschutzdienststelle prüft im Auftrag der Bauaufsicht, ob die Feuerwehr im Ernstfall schnell Menschen aus Gebäuden retten kann. Foto: V. Müller

Alsdorf. Wie groß müssen Fenster sein, wenn sie Teil des Fluchtwegs sind? Gibt es an einer Schule so etwas wie eine Maximallänge für einen Rettungsweg? Ab welcher Flurlänge muss eine Rauchschutztür eingeplant werden?

Fragen wie diese sollten vor Baubeginn geklärt sein, will man Debakel wie beim Hauptstadtflughafen vermeiden. Und jemand, der sich mit diesen Dingen auskennt, ist Markus Dohms. Damit hat er vielleicht nicht die prestigeträchtigste Aufgabe bei der Feuerwehr, aber eine sehr wichtige. Schließlich geht es darum, Gebäude von vornherein so zu konzipieren, dass Menschen im Notfall schnell gerettet werden können.

Seit 2013 hat Alsdorf eine eigenständige Brandschutzdienststelle bei der örtlichen Feuerwehr, vorher hat die Städteregion diese Aufgabe erfüllt. Für Nachbarstädte wie beispielsweise Baesweiler ist die übergeordnete Behörde nach wie vor zuständig. Eine Verpflichtung zur Einrichtung einer eigenen Stelle besteht nämlich nicht. Falls sich eine Kommune dazu entscheidet, ist eine wesentliche Voraussetzung eine hauptamtliche Wehr mit mindestens zwei Beamten im gehobenen Dienst.

Formal läuft die Arbeit der Brandschutzstelle so ab: Ein Bauherr reicht bei der Stadt einen Bauantrag ein und die Bauaufsicht beteiligt die zuständige Brandschutzdienststelle in den relevanten Fällen – also nicht beim Bau eines Eigenheims, sondern beispielsweise wenn Büroräume in eine Werkstatt umgewandelt werden sollen oder bei großen Sonderbauten wie Industriehallen, Schulen und Hotels.

Hier kommen der stellvertretende Leiter der haupt- und ehrenamtlichen Kräfte, Markus Dohms, und sein Chef Peter Adenau ins Spiel. Sie fahren raus, um sich Objekte anzuschauen, und geben eine Einschätzung ab. Bindend ist diese nicht. Letztlich entscheidet die Bauaufsicht, was geändert werden muss, damit sie eine Genehmigung erteilen kann.

Inzwischen, das hat sich in der Praxis so ergeben, beraten Adenau und Dohms auch im Vorfeld. Nämlich wenn Architekten vorfühlen wollen, ob sie mit ihren Plänen grob richtig liegen, um spätere, aufwendige Änderungen zu vermeiden. Was Außenstehende nicht wissen: Architekten sind nicht zwangsläufig Brandschutzexperten. Dieser Fachbereich ist kein obligatorischer Bestandteil des Architekturstudiums.

Dass man sich als Mitarbeiter der Brandschutzdienststelle zusätzlich qualifizieren muss, liegt auf der Hand. Für Dohms persönlich hieß das vor dem Antreten der Stelle: nach der üblichen technischen Ausbildung sowie der Ausbildung zum Feuerwehrmann und mehreren rettungsdienstlichen Schulungen folgte der Aufstieg in den gehobenen Dienst sowie die fachliche Weiterbildung für die Brandschutzdienststelle.

Und wie lesen Dohms und Kollegen so einen Bauplan? „Von außen nach innen“, sagt Dohms. Was da überhaupt gebaut oder umgeplant werden soll, sei die erste Frage. Dann schaue er, ob Zuwege und Durchfahrten groß genug seien und ob genügend Löschwasser zur Verfügung stehe: Wo sind die Anschlüsse? Gibt es einen Löschteich?

Als nächstes stellte er die Frage, wie seine Kollegen ins Gebäude gelangen können: „Müssen sie sich gewaltsam Zutritt verschaffen oder wird er durch eine Brandmeldeanlage erleichtert?“, fragt der 44-Jährige. Gedanklich innen angelangt, prüft er Fenstergrößen, die Feuerwiderstandskraft der Wände, die Verteilung der Feuerlöscher und wie schnell Menschen in sichere Bereiche gebracht werden können. Nicht alles ließe sich auf Anhieb auf dem Plan erkennen, sagt Dohms, da hilft also nur der direkte Draht zum Architekten.

Binnen vier Wochen muss die Brandschutzdienststelle eine Stellungnahme gegenüber der Bauaufsicht abgeben. Die wiederum fordert gegebenenfalls Änderungen beim Architekten ein. Manchmal müssen Baupläne mehrfach überarbeitet werden. Bei Großprojekten können da schon mal Monate vergehen.

Prognostiziert waren rund 20 Anträge pro Jahr, auf dem Tisch der Alsdorfer Feuerwache landeten aber im vergangenen Jahr dreimal so viele. „Damit hatten wir auch nicht gerechnet“, sagt Dohms. Die meisten Anträge seien Nutzungsänderungen, die kämen in der Regel und im Vergleich zu größeren Bauvorhaben kurzfristig rein. Deshalb ließe sich nie so recht voraussagen, wie viele Baupläne am nächsten Tag auf dem Tisch lägen.

Ob in der Praxis dann auch die Auflagen eingehalten werden, überprüft im regelmäßigen Turnus Brandschutztechniker Dirk Stoeckmann. In der Regel alle fünf Jahre. Denn auch eine perfekt geplante und optimal angelegte Zufahrt nutzt nichts, wenn ein Container dem Leiterwagen den Weg versperrt.

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