Brandmeisteranwärter üben auf dem Gelände des Energeticons

Von: Karl Stüber
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Einweisung: In sengender Hitze werden die Brandmeisteranwärter über die Einsatzlage in der Untertagestrecke informiert. Die Ausrüstungen variieren je nach „Heimatwehr“ zwischen modernen Kevlar- und älteren Anzügen. Foto: Karl Stüber
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Übungseinsatz unter extremen Bedingungen im Energeticon: In einem Stollen befindet sich eine verletzte Person. Foto: Karl Stüber
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Feuerwehrleute kämpfen sich unter schwerem Atemschutz bei der Bergungsaktion vor. Foto: Karl Stüber
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Die beiden Brandmeisteranwärter Marvin Bahnsen und Norbert Kurthen (v.l.) haben ihren Teil geschafft und sind froh, wieder im Freien zu sein. Foto: Karl Stüber
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Hauptbrandmeister Frank Regenfuß sowie die Oberbrandmeister Marcel Krott und Georg Steinmetz fungieren als Ausbilder bei den Übungseinheiten (v.l.). Foto: Karl Stüber

Alsdorf. Marvin Bahnsen (25) und Norbert Kurthen (27) kämpfen sich Seit‘ an Seit‘ und Meter für Meter durch den für sie vollkommen unbekannten Stollen auf dem Gelände des Energeticons in Alsdorf voran. Ihr Fortkommen wird durch die jeweils gut 20 Kilogramm wiegende Ausrüstung und die hochsommerliche Temperatur erheblich erschwert.

Sie sehen so gut wie nichts in der Untertagestrecke, denn Rauch erfüllt den langgezogenen Gang. So will es das Übungsszenario. Nur dank des Atemschutzes und der mitgeführten Luft können sie überhaupt bestehen. Die Sicht mag den beiden angehenden Brandmeistern der Würselener Wehr genommen sein, weil in der Schutzmaske Graufilter installiert sind, aber ihr Auftrag ist klar formuliert. Sie sollen gemeinsam mit Kameraden eine vermisste Person ausfindig machen und bergen, die sich irgendwo vor ihnen befindet.

Für alle Fälle ziehen sie bei ihrem Vorrücken noch einen Wasserschlauch mit, denn das Feuer kann jeden Moment wieder aufflammen. Tastend und mit einer Feuerwehraxt peilend, untersuchen sie jede Ecke und jeden Winkel, kriechen über Leitungen und hinter ihnen fremde Geräte.

„Die vermisste Person kann überall sein und wird wohl angesichts der Rauchgasentwicklung das Bewusstsein verloren haben. Es wäre fatal, wenn die Kollegen nicht überall genau nachforschen“, sagt Frank Regenfuß, Hauptbrandmeister bei der Stolberger Feuerwehr, der den Einsatz im Stollen begleitet. Gemeinsam mit den Oberbrandmeistern Marcel Krott (Eschweiler) und Georg Steinmetz (Alsdorf) ist er bei der zweitägigen Übung auf dem Gelände des Energeticons als Ausbilder im Einsatz.

18 Teilnehmer

Der städteregionale Feuerwehrgrundlehrgang zählt 18 Teilnehmer, die zwei Tage lang auf dem weitläufigen Gelände des Dokumentationszentrums für historische (Öl, Gas, Kohle) und regenerative Energieformen (Wasser, Sonne, Wind) zeigen können, was sie schon alles seit April gelernt haben.

Kommunen mit hauptamtlichen Wehren haben ihre Brandmeisteranwärter für den insgesamt eineinhalb Jahre dauernden Lehrgang abgestellt: Alsdorf, Herzogenrath, Würselen, Stolberg, Eschweiler, Düren sowie die Städteregion Aachen. Hinzu kommen Kollegen von der Nato-Airbase Teveren. „Die Kollegen der Werksfeuerwehren müssen laut Gesetz dieselbe Ausbildung absolvieren wie die der hauptamtlichen Wehren in den Kommunen“, betont Regenfuß. Schließlich sollen beide Wehrformen bei Bedarf gemeinsam „im öffentlichen Bereich“ zum Einsatz kommen können.

Die Ausbildung hat viele Facetten, wie Regenfuß erläutert. Natürlich geht es um Brandbekämpfung, technische Hilfeleistungen, einen Rettungssanitäterlehrgang und viele Sonderausbildungen etwa zum Themenfeld CBRN. Das Kürzel steht für Chemisch – Biologisch – Radioaktiv – Nuklear. Der Umgang mit Motorkettensägen will genauso gelernt sein wie das richtige Klettern inklusive Absturzsicherung und das Bedienen von Fahrzeugen. Theorie- und weitere Schulungsblöcke füllen den Lehrplan inklusive Mathematik und Deutsch.

Klar wird beim Einsatz der Brandmeisteranwärter Marvin Bahnen und Norbert Kurthen im Stollen, dass körperliche Fitness ganz großgeschrieben werden muss. Die beiden gehen in ihrem Einsatzwillen bis an die Belastungsgrenze und „verbrennen“ dabei reichlich in Druckflaschen mitgeführte Atemluft – und das schneller als gedacht. Natürlich wird ständig der Luftvorrat kontrolliert und auch die Einsatzzeit gemessen. Denn in der völligen Dunkelheit droht bei den hart arbeitenden Feuerwehrleuten, das Zeitgefühl verloren zu gehen.

Bestandteil der Bewerbung und der Einstellung vorgeschaltet ist ein umfangreicher Test des Gesundheitszustands. Deutsches Sportabzeichen und DLRG-Rettungsabzeichen in Silber sind Grundkriterien. „Natürlich wird auch getestet, ob die Kandidaten schwindelfrei bzw. höhentauglich sind“, sagt Ausbilder Regenfuß.

Mittlerweile ist Ablösung angesagt. Marvin Bahnen und Norbert Kurthen haben – was sie nicht wissen können und auch nicht gesagt wird – etwa die Hälfte des Weges zu der vermissten Person geschafft, die derweil gelassen in einem Waggon einer ehemals im Steinkohlenbergbau unter Tage eingesetzten Bahn ruht. Es ist eine Puppe, die offenbar schon vieles erlebt und überlebt hat.

Andere Brandmeisteranwärter rücken nach, um die Suche fortzusetzen. Wenn sie die Zielperson gefunden haben, steht die Bergung an, ebenfalls eine körperliche Herausforderung in schwierigem Gelände. Die eingesetzten Teams, die hintereinander zum Einsatz kommen, haben nicht die Möglichkeit, sich untereinander auszutauschen, damit sich keiner durch „Insiderwissen“ einen Vorteil verschaffen kann. „Wir können bei diesen simulierten Einsätzen sehr gut erkennen, wo noch Nachschulungsbedarf ist und wie sich die Kollegen unter realistischen Einsatzbedingungen verhalten“, sagt Regenfuß.

Das Gelände des Energeticons in Alsdorf hat es übrigens den Ausbildern besonders angetan. Regenfuß gerät ins Schwärmen. Das breit gefächerte Instrumentarium, das die Feuerwehr in ihren Einsatzfahrzeugen mitführt, kommt zur Anwendung. Vom Energeticon ausrangierte Schrottteile werden mit Schweißbrennern fachgerecht „portioniert“.

„Nichts wird kaputt gemacht“

Das Bewegen schwerer Lasten wird trainiert – nebst Einsatz von Hebekissen. Eine stillgelegte Trafoanlage auf dem Ausstellungsgelände lädt ein, Einsätze „unter Strom“ zu simulieren und zu üben. „Wir machen aber nichts kaputt“, betont Regenfuß. Höhepunkt des zweitägigen Trainings ist das Bergen gleich mehrerer Personen unter schwierigen Bedingungen in der ehemaligen Maschinenhalle, in der regelmäßig Veranstaltungen mit vielen Besuchern stattfinden.

Nach Abschluss des Teillehrgangs in Alsdorf steht für die Brandmeisteranwärter Urlaub an, wie die Ausbilder erzählen. Anschließend geht es wieder zurück zu ihren „Heimatfeuerwehren“. Dort sollen sie als nächsten Schritt im Rahmen des städteregionalen Feuerwehrgrundlehrgangs Wachpraktika absolvieren, also gemeinsam mit bewährten Feuerwehrleuten arbeiten.

Welche Eignungen – neben körperlicher Fitness – muss ein Interessierter mitbringen, um Feuerwehrmann werden zu können? Ausbilder Regenfuß sagt, dass in der Regel eine dem Beruf zuträgliche Ausbildung vorhanden sein sollte. Während dies in der Vergangenheit in der Regel technische bzw. handwerkliche Qualifikationen waren (zum Beispiel Kfz-Mechaniker bzw. Mechatroniker); spielt auch die „Theorie“, also Büroarbeit, eine immer wichtigere Rolle.

Der Stolberger Marvin Bahnsen ist gelernter Groß- und Außenhandelskaufmann. Kollege Norbert Kurthen aus Kerpen ist gelernter Maler und Lackierer. Bahnsen sagt zum Einsatz im Energeticon: „Das war mal etwas ganz anderes, als in Standardwohnungen oder Hallen zu üben.“

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