Brandanschlag: Ex-Freund wird Hauptbelastungszeuge

Von: Wolfgang Schumacher
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Aachen/Herzogenrath. Amra H. (25) saß zwischen ihren Verteidigern und lächelte, als ihr Ex-Freund vor der Großen Jugendkammer am Aachener Landgericht als Zeuge aussagte. Doch in dem Verfahren vor Richter Hans Günter Görgen geht es um nichts weniger als versuchten Mord, den die junge Frau in Mittäterschaft mit ihrem heute 20-jährigen neuen Freund Nico L. aus Stolberg am 3. Mai begangen haben soll.

Da waren die beiden nachts in Merkstein vor der elterlichen Wohnung eines weiteren mutmaßlichen Liebhabers von Amra H. vorgefahren und hatten einen Molotow-Cocktail gegen das Haus geschleudert. Der dort wohnende ehemalige Arbeitskollege habe schlecht über sie und ihre angeblich nicht vorhandene Treue geredet, deswegen habe er einen Denkzettel bekommen sollen. Der Brandsatz explodierte, richtete jedoch wenig Schaden an.

Dass man dazu eine selbst gebastelte Benzinbombe – die Anleitung hatten die beiden Täter im Internet gefunden – benutzte, hatte ihren Ex-Freund Firo B. (32) in Erstaunen versetzt. B. war sozusagen der dritte Mann im Bunde, der wie ein Satellit um die 25-Jährige kreiste.

Und das bereits seit neun Jahren in verschiedener Intensität, wie er am Donnerstag der Kammer im Zeugenstand berichtete. Das Molotow-Cocktail-Opfer hatte ihm, dem festen Freund B., vor der Tat im Mai immer wieder berichtet, dass Amra gerne auch andere Männer habe, unter anderem ihn, den Arbeitskollegen. Auch der hatte bereits im Zeugenstand bekräftigt, mit der jungen Frau Sex gehabt zu haben, Amra H. hatte das bislang aber bestritten.

Gleichfalls wollte auch ihr langjähriger fester Freund nichts davon wissen, obgleich er misstrauisch und eifersüchtig war, wie er Richter Görgen gestand. Doch als der neue junge Mann, Nico L., ein Sprayer aus Stolberg, zusätzlich auftauchte und ihm die Freundin am 5. Mai sogar gestand, sie habe versucht, zusammen mit L. den Lästerer aus Merkstein aus dem Weg zu räumen, da wurde es dem Zeugen B. zu viel.

An dem Samstag danach habe „die Amra“ ihn so tief gedemütigt und beleidigt, dass endgültig Schluss gewesen sei. Er habe sich deswegen sogar prügeln müssen und sei mit einem Schlagstock bearbeitet worden. Da sei es ihm wie Schuppen von den Augen gefallen und er habe beschlossen, der Polizei zu sagen, was Amra ihm an jenem 5. Mai abends, als sie „Besuch“ von der Polizei bekommen hatte, zu der Tat in Merkstein gestanden hatte.

„Sie hat gewollt, dass der Mekki stirbt“, sagte B. aus. Und auf seine Nachfrage, was denn mit der Gefahr für Familie und Nachbarn gewesen sei, habe Amra geantwortet, das sei ihr in diesem Moment „völlig egal“ gewesen. B. marschierte aus Wut zur Polizei, aus dem Wurf der Benzinbombe wurde aufgrund seiner detaillierten Aussage der Vorwurf des versuchten Mordes und der schweren Brandstiftung. „Wollte sie gerade Ihnen imponieren mit dem Geständnis?“, fragte der Richter nach. B. blieb dabei, er wisse es auch nicht besser. Der Prozess wird am 11. November fortgesetzt.

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