Bogenschießen: Da muss man ganz schön Muckis haben

Von: mas
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Die haben Talent: Vor allem der 13-jährige Julien Gülpen (vorne l.) überzeugte Baesweilers Bogenschützen, sich dem Schießen auch dauerhaft zu widmen. Foto: Sigi Malinowski

Baesweiler. Ausgerechnet der beste Freund „petzte”. Eigentlich wollte der 13-jährige Realschüler Cedric Erkens seinen großen Erfolg ganz bescheiden unter der Oberfläche halten. Doch dann meldete sich Cedrics Busenfreund Justus Hodok und verkündete vor der ganzen Klasse: „Frau Oed-Mikus, der Cedric ist Landesmeister geworden!” Und damit wars dann rund. In der ganzen Schule.

Der „kleine” Erkens sorgte auch mit seinem Vater Dieter für ein Novum beim Bogenschützenverein Baesweiler. Während der Filius die Medaille des Landes einstrich, holte der „Papp” mit der Mannschaft den Titel und wurde auch noch Dritter mit dem Blankbogen über 40 Meter. „Das hatten wir noch nie, Vater und Sohn mit einem überregionalen Titel”, jubelte Vereins-Präsident Wolfgang Fassbinder über den Erkens-Coup, dem sich drei weitere Titel anschlossen.

Volle Konzentration

Was ein Blank- oder Compoundbogen ist, wusste Lisa Thomas (11) aus Ederen bis Samstag noch gar nicht. Dass sie aber Talent zum Bogenschießen hat, merkte sie bereits im Osterurlaub. „Da habe ich Spaß dran bekommen, und meine Eltern rieten mir, es mal mit dem Schnupperkurs hier zu probieren”, hat der BVB mit ihr ein Talent an der Angel. Lisa möchte auch in Zukunft weiter schießen, „dafür aber das Fußballspielen bei meinem Heimatverein Borussia Freialdenhoven nicht aufgeben.”

Acht Teenager besuchten im Zuge des Baesweiler Aktivurlaubs das Schützengelände an der Wolfsgasse, um zu probieren „ob das cool ist”. Einer davon ist Julien Gülpen. Der immer fröhliche Junge ist aber nicht „ganz neu” beim BVB. „Ich mache das heute zum siebten Mal mit und bin seit einem guten Monat im Verein.” Den 13-jährigen Hauptschüler reizt vor allem, „die Präzision, die das Bogenschießen erfordert”. Auch er ist im Urlaub auf den Geschmack gekommen und hat schnell erkennt, „das kann man nur gut machen, wenn man sich voll darauf konzentriert”.

Auf Talentsuche

Lukas Steinbusch (22) und Stefan Fassbinder (20) sind beide schon erfahrene Schützen und mit mehreren Landesmeistertiteln ausgestattet. Die Jungs übernehmen mit Vereinschef Wolfgang Fassbinder die Einweisung der „Kiddies” zum Schnuppertag. Stefan Fassbinder hat bei Dreien entdeckt, dass „die Talent haben und hoffentlich bei uns bleiben”. Lisa Thomas, Julien Gülpen und der Settericher Knabe Frederick Loogen (14) haben die „Talentsichter” überzeugt. Der etwas scheue Frederick hat Spass, macht seine Sache auch schon sehr gut, aber der Heilig-Geist-Gymnasiast weiß noch nicht, ob er das auf Dauer machen will. „Da muss man schon ganz schön was in den Muckis haben”, räumt Wolfgang Fassbinder ein. Er hat den Bogenschützen in spe einen Einführungsvortrag gehalten und unter anderem erklärt, dass man sechs bis neun Kilogramm Zuggewicht hat und „irgendwann ob dieser Last natürlich an zu stöhnen fängt”.

20 Prozent Frauen

Die Schnupperer dürfen aus acht bis zehn Metern Distanz auf die Scheibe schießen, später im Wettkampf werden es Distanzen zwischen 18 und 90 Metern sein.

„Wir haben zehn Jugendliche und 50 Erwachsene, darunter 20 Prozent Frauen”, gibt Fassbinder einen kurzen Einblick in die Vereinsstruktur. Er wird den Kindern (und probierenden Erwachsenen) auch nicht direkt das Mitgliedsbuch unter die Nase halten. Wer möchte, „kann auch erstmal ein Zehnerabo buchen, denn wir haben auch hier und da gemerkt, dass anfangs die Euphorie recht groß ist und sich später doch schon mal Bedenken einstellen können”.

Bogenschießen ist ein Leistungssport, der Kraft, Präzision und Kondition erfordert. Deshalb schaut Ludwig Loogen seinem Sohn Frederick auch nur zu und hat kein Interesse, selbst den Bogen zu ergreifen und einen Pfeil in die Scheibe zu setzen. „Ich bleibe lieber bei der Singerei, die ist nicht so anstrengend”, lacht der beim Männergesangverein Setterich aktive Vater und sieht natürlich gern zu, wie die Trainer seinem Sohnemann zum Weitermachen raten. Möglicherweise geht es ihm ja mal wie Dieter Erkens, der berichtet: „Ich wollte das gar nicht machen und bin über meinen Sohn dazu gekommen...”
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