Boccia-Club: Möglichst nah ran ans „Schweinchen“

Von: Stefan Schaum
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Einfach mal probieren: Beim gestrigen Angebot zum Aktivurlaub haben vor allem junge Familien geworfen. Die sieht man sonst eher selten an der Bahn am Siegenkamp. Foto: Schaum
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So schwer ist die Kugel: 710 Gramm. Bei Profimaterial ist das Gewicht zu erkennen. Auch die Ringgravur ist wichtig – sie unterscheidet die Kugeln voneinander, sagt Bernd Zimmermann. Foto: Schaum

Baesweiler. So viele Kinder wie am Sonntag sieht Bernd Zimmermann selten an seiner Bocciabahn. Meist stehen deutlich ältere Semester dort und schieben eine ruhige Kugel. Vielleicht ist Boccia angesichts des demografischen Wandels sogar ein kommender Trendsport, wer weiß?

Franzosen und Italiener haben es ja schon vorgemacht. Und dem Vorsitzenden des Baesweiler Boccia-Clubs sollte es nur Recht sein. Seit 1997 gibt es die Anlage neben dem Bürgerwald am Siegenkamp. Zunächst war es nur eine Bahn, dann gab es sogar mal drei, „und die wurden auch richtig gut genutzt“, sagt Zimmermann. Doch nachdem sie immer wieder zerstört worden sind, ist es aktuell wieder bloß eine.

„Ist schon schwer genug, die in Schuss zu halten“, sagt der 62-Jährige und deutet auf Reifenspuren in der roten Asche. „Sind wohl gestern wieder ein paar Fahrräder drübergefahren.“ Die Bahn müsse er mal wieder glätten, sagt er, „dauert eine gute Stunde“. Doch die Familien, die am Sonntag dort stehen, können auch so spielen. Sind ja keine Profis, da kommt es auf ein paar Rillen und Dellen in der Oberfläche nicht an.

Die Kugeln, die Zimmermann den Gästen zur Verfügung stellt, sind allerdings richtig gute Stücke. Gekauft in Frankreich. Spezialgeschäft, na klar. „Drei Stück für 150 Euro.“ Sind sie das wert? Ihm schon. „Fühlen Sie doch mal. Nicht zu rauh, nicht zu glatt, richtig griffig. Haben auch ein gutes Gewicht. Die sind klasse.“ Wie viele Kugeln er wohl insgesamt hat? Er schmunzelt. „An die 100 Stück.“ Er sammelt sie halt gern. „Und wenn mal ein Turnier hier stattfindet, sieht es doch blöd aus, wenn der Gastgeber keine guten Kugeln zu bieten hat.“

Mit Frau und zwei Töchtern ist Lutz Bungert gekommen. Neuling ist der 42-Jährige nicht, er hat schon ein paar Lektionen gelernt im Urlaub in Südfrankreich. „Es ist super, da mit Einheimischen zu spielen – aber die machen dich gnadenlos fertig.“

Ein gutes Spiel für Familien

Für ihn ist Boccia vor allem Familiensache. „Beim Spielen haben die Erwachsenen gar nicht so viele Vorteile, da können auch Kinder gewinnen.“ Hier und da schauen die auch nach den Schnupperstunden während des Aktivurlaubs im Club vorbei. „Aber in der Pubertät hört das Interesse auf“, sagt Zimmermann. Und die anderen? Die sind ab 50 Jahren aufwärts. Er selbst ist im Grunde eine Ausnahme. Er hat schon mit fünf Jahren angefangen und ist immer bei der Stange geblieben. „Ich bin ja auch ein gebürtiger Franzose“, sagt er, „Papa hat es mir vorgemacht, der war ein richtiges Ass.“

Warum er dann wohl den italienischen Begriff Boccia benutzt und nicht den französischen Boule? Weiß er auch nicht, „hat sich so eingebürgert. Ist ja im Grunde dasselbe Spiel, aber Franzosen legen die Regeln oft ein wenig penibler aus.“ Das müsse nicht sein, sagt er. Hauptsache Spaß. Und mit Rotwein und Baguette, wie andere Clubs es schon mal bei Spielen servieren, kann er auch nicht dienen. „Das ist mir zu sehr Klischee. Mir geht es um das Spiel an sich.“ Auf der Bahn am Siegenkamp – laut Regeln exakt 16 Meter lang und 4,50 Meter breit – darf übrigens jeder spielen, sie ist frei zugänglich.

Drei Familien greifen dort zu den Kugeln, gespielt wird in Mannschaften. Pro Durchgang werden die drei Kugeln gewertet, die dem so genannten „Schweinchen“, der zuerst geworfenen, kleinsten Kugel am nächsten liegen. Die Mannschaft, die zuerst 13 Punkte hat, gewinnt. Gut eine Stunde dauert das bei den Neulingen.

„Erfahrene sind schneller“, sagt Zimmermann, aber das kann ja noch werden. Er freut sich immer, wenn jemand vorbeischaut. Bei den wöchentlichen Treffen sind es meist 10, 12 Leute. „Und immer mehr Senioren entdecken das Spiel erst noch.“ Die Zeit spricht ganz klar für Boccia.

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