Blick nach Frankreich: Spannung, aber auch Sorge

Von: Karl Stüber
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„Die Bürger von Morlaix“: Diesen Namen trägt der Brunnen vorm Rathaus in Würselen, der die Partnerschaft symbolisiert. Foto: Karl Stüber
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Sorgen sich um die Entwicklung in Frankreich: Dr. Erwin Schulz und Ellen Thielen-Vafaie, Protagonisten der Partnerschaft mit Morlaix. Foto: Karl Stüber

Würselen. Sie verfolgen mit großer Spannung, aber auch Sorge die Entwicklung in Frankreich und die politische Auseinandersetzung im Vorfeld der Präsidentschaftswahl, die nach Ostern stattfindet: Ellen Thielen-Vafaie und Dr. Erwin Schulz. Das kommt nicht von ungefähr.

Beide sind Frankreich und den Franzosen eng verbunden, pflegen seit Jahren persönliche Kontakte und kümmern sich um die Aufrechterhaltung der Partnerschaft von Würselen mit Morlaix in der Bretagne. Besonders der Ruck nach Rechts, extremistische und nationale Töne bereiten ihnen und ihren Mitstreitern Sorgen. Und die ernstzunehmende Europa-Feindlichkeit, von links wie rechts, die Marine Le Pen (Front National) und der Linke Jean-Luc Mélenchon zu ihrem Programm gemacht haben. „Ich hätte nie gedacht, dass Europa wieder aktiv in Frage gestellt wird“, und damit auch die deutsch-französische Freundschaft bedauert Schulz.

Als Jungsozialist lernte er Frankreich kennen und lieben, gehörte später der SPD-Fraktion im Würselener Stadtrat an. Schulz ist einer der Gründer der Städtepartnerschaft mit Morlaix, die 1976 in der französischen Stadt und ein Jahr später in Würselen formal besiegelt wurde. Ihm ist klar, dass die „erarbeiteten Werte“ nicht selbstverständlich sind und weiter gepflegt und gelebt werden müssen. Aber er bezweifelt, dass dieses Bewusstsein in der Bevölkerung weit verbreitet ist.

Bei beiden kommt die Zuneigung zu Frankreich und den Franzosen nicht von ungefähr. Die eigene Familiengeschichte erklärt viel, die eigene Begeisterung für den ehemaligen „Erbfeind“ ergänzt das Ja zur Partnerschaft. Schulz‘ Vater, im Saarland geboren, gehörte aufgrund der wechselvollen Geschichte des Gebietes nicht unbedingt zu den Freunden Frankreichs, hat sich aber dann zu einem Enthusiasten der deutsch-französischen Freundschaft entwickelt, erzählt der Sohn. Thielens Vater, Ende des Ersten Weltkriegs geboren und Soldat im Zweiten Weltkrieg, sei es später ein großes Anliegen gewesen, dass niemals wieder mit dem Nachbarland Krieg geführt werden dürfe.

Durch persönliche Begegnungen lässt sich gegenseitiges Verständnis am besten fördern, betonen beide. So fördert die rund 130 Mitglieder zählende Deutsch-Französische Gesellschaft Würselen, deren Vorsitzende Ellen Thielen-Vafaie ist, im Rahmen ihrer finanziellen Möglichkeiten Fahrten von jungen Leuten nach Frankreich. Zum Beispiel gibt es Zuschüsse für ein Zeltlager von Pfadfindern dort und Schul- bzw. Klassenfahrten. Bei den Begegnungen sagt keiner, dass er Front National wählt oder andere extreme Positionen einnimmt, sagt Thielen.

Aber die Wahrscheinlichkeit, gerade bei solchem partnerschaftlichen, Europa bejahenden Austausch auf Europakritiker zu stoßen, ist recht gering, gibt Schulz zu bedenken. Mag sein, dass bei Schülerbegegnungen auch Kinder von Europakritikern dabei sind, die aber ihre Sprösslinge doch an solchen Aktionen teilnehmen lassen. Intensiv diskutieren Thielen und Schulz über die Kandidaten zur Präsidentschaftswahl in Frankreich. Wird Frankreich die Kraft aufbringen, notwendige Reformen anzugehen? Setzt Deutschland nicht die Nachbarn mit seiner Politik der „schwarzen Null“ unter Druck?

Aber natürlich lassen sich die beiden Aktivposten der Partnerschaft zwischen Düvelstädtern und Einwohnern von Morlaix in ihrem Bestreben, den Austausch fortleben zu lassen, nicht bremsen. Zu Fronleichnam führt eine Dreitagestour nach Boulogne-sur-Mer. „Wir fühlen uns nicht nur Morlaix, sondern ganz dem ganzen Frankreich verbunden“, sagt Thielen. Zudem heißt es in Würselen ohnehin „Bonjour le Tour!“ Wenn die Teilnehmer der „Tour de France“ auf ihrer Etappe auch Würselen ansteuern, sollen bretonische Fähnchen an der Strecke geschwenkt werden. Zur Feier des Tages ist ein Boule-Turnier geplant. Dass möglichst viele Franzosen dabei sein sollen, ist klar.

Es sind die kleinen Aufmerksamkeiten, die Partnerschaft, ja Freundschaft ausmachen – ungeachtet der Irrtümer der großen Politik. Bleibt der Wunsch von Schulz, dem sich Thielen anschließt: „Ich wünsche mir, dass antieuropäische Kandidaten keine Chancen bekommen, Frankreich zu regieren! Es muss so sein, dass die deutsch-französische Freundschaft der Kern der europäischen Entwicklung bleibt.“

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