Herzogenrath - Bischof im Dialog mit Polizei-Führungskräften

Bischof im Dialog mit Polizei-Führungskräften

Von: ath
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Konstruktiver Austausch: (v.l.) Leo Jansen (Nell-Breuning-Haus) im Gespräch mit Bischof Dr. Heinrich Mussinghoff, Polizeidekan Georg Küpper und Prof. Roland Brake. Foto: Andrea Thomas

Herzogenrath. Zum zweiten Mal hat sich Aachens Bischof Dr. Heinrich Mussinghoff mit Führungskräften der Polizeibehörden aus seinem Bistum getroffen. Ort für das Treffen war das Nell-Breuning-Haus in Herzogenrath, wo Geschäftsführer Leo Jansen sie willkommen hieß.

„Ihre Mitarbeiter haben einen oft harten Job, sind gefragt, wenn Dinge schiefgehen - bei Kriminalität oder Unfällen -, die wieder in Ordnung gebracht werden müssen”, würdigte er die Arbeit der Polizei. Arbeitsbedingungen unter dem Aspekt der christlichen Soziallehre seien ein Schwerpunkt der Arbeit als Bildungsstätte, das passe also ganz gut.

„Ganz nah am Alltag”

Die Initiative zu dem Austausch ging von Polizeidekan Georg Küpper aus, der die hochrangigen Polizeivertreter aus Aachen, Düren, Heinsberg, Mönchengladbach, Krefeld und Viersen vor zwei Jahren erstmals mit dem Bischof an einen Tisch gebracht hatte. Es sei eine gute Gelegenheit, miteinander ins Gespräch zu kommen, die beide Seiten gerne nutzten, so Dekan Küpper.

Für ihn und seine Kollegen in der Polizeiseelsorge, Diakon Michael Lang, Pfarrer Michael Hennen und Pastoralreferent Mario Schleypen, sei der Rückhalt durch das Bistum wichtig. Dies bekräftigte Bischof Mussinghoff. Die Seelsorger seien mit ihrer Arbeit „ganz nah am Alltag der Polizei” - und somit ein wichtiges Bindeglied. Er verfolge die Arbeit der Polizei sehr aufmerksam, besonders bei Großeinsätzen wie der Love-Parade oder den Castortransporten - mit allen rechtlichen und sonstigen nicht einfachen Fragen, die sich daraus für die Polizei ergäben, erklärte der Bischof. Ein Interesse, das die andere Seite wohlwollend wahrnahm.

Im Austausch miteinander ging es unter anderem um den Umgang mit Straftätern, die aufgrund der Entscheidung des Europäischen Gerichtshofes aus der Sicherheitsverwahrung entlassen werden müssen. Ob es hier auch Möglichkeiten von kirchlicher Seite gebe, ihre Eingliederung in die Gesellschaft zu begleiten, wollte Aachens Polizeipräsident Klaus Oelze wissen.

Hier sicherte der Bischof Unterstützung zu. Er werde das weiterleiten und sehen, wo es Einrichtungen mit kompetenter Leitung und Mitarbeitern gebe, wo eine Betreuung vorstellbar sei. Über die Seelsorge in der JVA bestehe ja bereits ein Kontakt, ergänzte Christel Pott, Abteilungsleiterin „Pastoral”, die den Bischof ebenso begleitete wie der Leiter der Hauptabteilung Pastoral/Schule/Bildung, Pfarrer Rolf-Peter Cremer. Man müsse sich damit auseinandersetzen und nach Lösungsansätzen suchen.

Um ein ganz anderes Thema, das Polizei und Kirche jedoch gleichermaßen betrifft, war es zuvor in einem Vortrag gegangen: „Die Last des Leitens - mehr Mut zum Führen”. Professor Roland Brake, Dozent für Soziale Arbeit und Koordinator für Supervision und Selbsterfahrung an der Katholischen Hochschule Nordrhein-Westfalen, Abteilung Aachen, führte aus, was eine Führungspersönlichkeit ausmacht.

Dabei brach er mit den üblichen Managervorstellungen von Gewinnmaximierung als oberstem Gebot. Mitarbeiter seien kein Humankapital, sondern Menschen, die auch so behandelt werden sollten. „Führungspersonal unterscheidet sich nur durch seine Position von seinen Mitarbeitern.” Gute Führung sei eine Frage von Wissen, Menschlichkeit und innerer Haltung. Wer Führungsverantwortung trage, müsse überzeugt sein von dem, was er tue, den Willen haben, zu führen, die Sprache seiner Mitarbeiter sprechen und den Mut zu Persönlichkeit und innere Haltung beweisen.

Probleme offen ansprechen

In der anschließenden Diskussion wurde deutlich, wo die Schwierigkeiten liegen bei festen Hierarchien und Mitarbeitern, die ihrem Job mit hoher Motivation nachgehen. Die Aufgabe bestehe darin, sie verantwortungsbewusst zu führen, so dass sie seelisch gesund bleiben und nicht die Lust an ihrem Job verlieren. Dazu gehöre, Probleme offen anzusprechen, ins Gespräch zu kommen. Im Bistum habe man dazu in den vergangenen Jahren den Begriff „geistliche Leitung” entwickelt, verbunden mit einer eher einladenden Perspektive, führte Rolf-Peter Cremer aus.

Der Vortrag habe auf jeden Fall weitere Denkanstöße gegeben, waren sich nach der Veranstaltung alle Seiten einig. Das letzte Treffen dieser Art wird es wohl auch nicht gewesen sein.
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