Bioabfall: AWA Entsorgung startet Modellversuch in Würselen

Von: mabie
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Yannik Blum, RWTH Aachen, Stephanie Pfeiffe, AWA Entsorgung, und Joseph Stiller, Leiter der Biovergärungsanlage in Würselen (v.l.) zeigen das neue Bewertungskartensystem für die Biotonne. Foto: Markus Bienwald

Würselen. Schon 1995 war Würselen eine Vorreiterrolle sicher, denn die Stadt war 1995 die erste in der heutigen Städteregion Aachen, die flächendeckend die Biotonne einführte. 2014 waren es 100 Kilogramm Bioabfälle pro Einwohner und Jahr, womit die Düvelstadt gutes Mittelmaß bei den statistisch zwischen 66 und 144 Kilogramm jährlich gesammelter Bioabfälle aller an die Regioentsorgung angeschlossener Kommunen darstellt.

Allerdings hat die AWA Entsorgung bereits im letzten Jahr darauf hingewiesen, dass der Bioabfall teils eine mangelhafte Qualität aufweist. Ein neues Modellprojekt, das für eine Steigerung der Qualität des gesammelten Bioabfalls sorgen soll, ist nun an den Start gegangen. Denn immer wieder landen neben Mikrowellen oder Feuerlöschern als eher ungewöhnliche Fundstücke auch echte Fehlwürfe in der Tonne, die sich negativ auf die Qualität des Materials niederschlagen.

Glas ist das größte Problem

„Beispielsweise sorgen Bestandteile von Plastiktüten dafür, dass sie sich stark zerkleinert in das später aus den Abfällen hergestellte Kompostmaterial mischen und so für eine mindere Qualität sorgen“, sagt Stephanie Pfeiffer von der Regio Entsorgung. „ Das größte Problem ist aber Glas“, berichtet Joseph Stiller, Betriebsleiter der Biovergärungsanlage in Würselen. Denn Glas wird immer weiter zerkleinert und mischt sich so beinahe untrennbar in das Material ein. „Auch Kunststoffe werden zum Problem, denn wir haben hier keine händische Vorsortierung“, so Stiller weiter. Das heißt, es werden mehr Durchläufe gebraucht, um aus dem angelieferten Biomüll später brauchbaren Kompost zu machen.

Um den Menschen nicht gleich den drohenden Zeigefinger vorzuhalten, wenn in der Biotonne etwas nicht stimmt, gibt es nun in Würselen ein neues Kartensystem. Dafür werden bei den kommenden Leerungen die Tonnen durch ein Team des Instituts für Aufbereitung und Recycling der RWTH Aachen kontrolliert, die Tonnen erhalten eine Kennzeichnung, und natürlich werden die Ergebnisse auch protokolliert.

„Wir wollen richtiges Verhalten belohnen und Fehlwürfe nicht gleich bestrafen“, so Pfeiffer weiter. Dazu wurden in Zusammenarbeit mit der RWTH und deren Vertreter Yannik Blum drei verschiedene Tonnenanhänger ausgearbeitet. Sie weisen dabei nach den Ampelfarben darauf hin, ob bei der Biotonnenbefüllung alles richtig gelaufen ist. Grün bedeutet alles okay, bei Gelb hat sich vielleicht eine Plastiktüte in die Tonne verirrt und rote Karten sehen Zeitgenossen, die wohl ganz bewusst Fremdstoffe eingefüllt haben.

„Wer glaubt, mit solch einem Verhalten persönlich etwas sparen zu können, irrt sich ganz gewaltig“, sagt Ulrich Koch, AWA-Geschäftsführer. Denn jeder neue Sortiergang und jeder zusätzliche Handgriff verteuern insgesamt die Abfallkosten und werden natürlich auf die Abfallgebühren umgelegt.

„So sorgen Fehlwürfe dafür, dass alle – auch die Übeltäter, die bewusst falsch einwerfen – am Ende mehr bezahlen müssen“, schließt Stephanie Pfeiffer.

Strafgelder sind zwar derzeit noch nicht vorgesehen, könnten aber einmal die aktuell möglichen Maßnahmen vom Stehenlassen und Nicht-Entleeren der Tonne bis hin zum persönlichen Hinweis ergänzen. Und wer einen grünen Anhänger an seiner Tonne findet, darf sich sogar eine kleine Belohnung bei der Regioentsorgung abholen. „Als Lob und kleines Dankeschön gibt es einen Gutschein für 40 Liter Blumenerde“, so Joseph Stiller.

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