Bilderhauersymposium: Säulen der Freiheit wachsen aus dem Stein

Von: Karl Stüber
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Harte Arbeit, die Schutzkleidung erforderlich macht: Der 19-jähriger Harald Weiskopf aus Süd-Tirol will beim Bildhauersymposium in Alsdorf aus indischem Marmor eine Feder formen, um die Freiheit des Vogelfluges zu symbolisieren. Foto: Karl Stüber
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Der Initiator des Bildhauersymposiums und der Aktion „Säulen der Freiheit“ ist Alfred Mevissen. Foto: Karl Stüber

Herzogenrath. Es klingt wie Lärm von einer Baustelle. Aber hinter der nächsten Ecke auf dem Gelände der Initiative „Go better“, einem Träger der freien Jugendhilfe an der Mariastraße in Alsdorf, sind unter einem Schleppdach Handwerker der besonderen Art am Werk zu sehen. Zu den Künstlern gehört der erst 19-jährige Harald Weiskopf aus Laas (Süd-Tirol).

Er ist – wie die anderen Akteure auch – der Einladung des Alsdorfer Bildhauers Alfred Mevissen gefolgt und arbeitet im Rahmen eines internationalen Kunstprojekts an einer ganz speziellen Säule zum Thema Freiheit. Der junge Mann fräst und meißelt aus einem großen und schweren Stück indischen Marmors ausgerechnet eine „leichte“ Feder. Wie das?

„Für mich symbolisiert der Vogel mit seinem Flug eine Form von Freiheit. Und ein Vogel hat ja Federn“, sagt er. Und dass er sich für das Thema Fliegen entschieden hat, mag auch darauf zurückzuführen sein, dass er als passionierter Paragleiter das Gefühl von Freiheit im Flug am eigenen Leib erlebt. Den dritten Tag arbeitet er bereits an seiner Säule. „Da ist man am Abend ziemlich geschafft“, sagt er lächelnd. Aber der Austausch mit den Künstlerkollegen sei ihm sehr wichtig.

Auch Gastgeber Mevissen ist aktiv. Er gibt seiner Skulptur, einem Narren, den letzten Schliff. Die Figur steht für den Aspekt Redefreiheit, auch eine der Formen von Freiheit, die leider weltweit immer mehr eingeschränkt wird. Das internationale Kunstprojekt „Säulen der Freiheit“ läuft schon ein paar Monate. Im November sollen die über die Welt verteilten Teilnehmer mit ihren Beiträgen virtuell zusammengeschaltet werden. Mittlerweile gibt es 61 Beteiligte in 15 Ländern.

Mit der Aktion will Mevissen an die Bedeutung des aktiven Engagements für die Freiheit erinnern. Das Projekt soll speziell in Alsdorf, von dem es ausgeht, nachhaltig Spuren hinterlassen.

Nach dem Symposium, das noch bis zum 7. April dauert, werden in Absprache mit der Stadt Alsdorf die auf dem Gelände von „Go better“ gefertigten Säulen im Stadtgebiet verteilt, und zwar im Süd-, Burg-, Anna- sowie Josef-Thelen-Park und in Ofden. Einbezogen wird die bereits am Euregio-Solarzentrum aufgestellte Säule. Nach Fertigstellung ist eine die einzelnen Punkte verbindende Radtour geplant, sagt Mevissen.

Sein „Kollege“ Herbert Leichtle aus Wolfegg nahe Lindau am Bodensee hat sich ein hoch aufragendes Stück schwedischen Granits vorgenommen. Er lässt sich in seinem Schaffen von dem Genossenschaftsgedanken und Solidarität leiten. Er wolle sich da noch inspirieren lassen. Leichtle denkt an mehrere Figuren, die er aus dem Stein herausarbeiten will. Auf das Ergebnis darf man also gespannt sein.

Die weiteste Anreise hatte Calvin Babich aus Toledo (Ohio/USA). Er widmet seine Basaltsäule den Freiheitsaspekten Frieden, Freiheit und Menschlichkeit. Diese müssten aus seiner Sicht besser gepflegt und geschützt werden. Harald Weiskopf erzählt weiter. Er hat schon einen interessanten Weg hinter sich. Inspiriert durch seinen Vater, der im Keller des Elternhauses handwerklich arbeitete, fand er nach einem Schnupperkurs bei einem Bildhauer Gefallen an dieser Arbeit. Er besuchte eine Holzbildhauerschule, dann eine Fachschule für Steinbearbeitung.

Der 19-Jährige macht nicht den Eindruck, als müsste er sich über seine Zukunft Sorgen machen. Die Frühstückspause ist vorbei. Zielstrebig nimmt er sein Werkzeug wieder auf und stellt sich den Herausforderungen der steinernen Säule. Härter können Aufgaben wohl kaum sein. Wieder fliegen die Splitter, wird gewachsener Stein unter schnell rotierendem Metallscheiben zu Mehlstaub.

Bestandteil des Alsdorfer Bildhauersymposiums ist übrigens eine Ausstellung, die am Sonntag im Schaffrathhaus in Ofden eröffnet wird.

Nach Abschluss des Projekts „Säulen der Freiheit“ will Mevissen ein Buch mit dokumentarischen Charakter zusammenstellen. Neben vielen Bildern, die die Entstehung der Säulen dokumentieren, sollen darin die Gedanken der Künstler zu ihren Werken zu finden sein. Wie sich die Dinge dann noch weiterentwickeln, sei völlig offen. „Aber das so geschaffene Netzwerk bleibt natürlich erhalten“, ist er zuversichtlich.

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