Bilanz: Mehr Taufen als Kirchenaustritte im Nordkreis

Von: Nadine Tocay
Letzte Aktualisierung:
15197093.jpg
Auch in der Kirche St. Petrus in Baesweiler erscheinen weniger Besucher zum Gottesdienst als noch vor einigen Jahren. Foto: Nadine Tocay
15197310.jpg
Pfarrer Ferdinand Bruckes ist sich dennoch sicher, dass die Nähe zu Gott vielen Menschen wichtig ist. Foto: Nadine Tocay

Nordkreis. Dass aufgrund des demografischen Wandels die Gottesdienste in den katholischen Kirchen immer weniger gut besucht sind, ist bekannt. Auch die Tatsache, dass immer mehr Menschen sich dazu entscheiden, aus der Kirche auszutreten, ist kein Geheimnis. Dass das den Pfarreien zusetzt, ebenfalls nicht.

Gerade erst gab das Bistum Aachen die aktuelle Statistik für das Jahr 2016 heraus, die einen Mitgliederrückgang verzeichnet. Doch Pfarrer Ferdinand Bruckes, der seit rund sechs Jahren die Pfarrei St. Marien Baesweiler betreut, ist optimistisch, dass die Kirche auch trotz vieler Austritte in Zukunft Bestand haben wird.

Die meisten, die sich entscheiden, auszutreten, so sagt er, täten dies mit Blick auf finanzielle Aspekte: „Leute wollen sich die Kirchensteuer sparen. Das ist der häufigste Grund. Aber natürlich gibt es auch welche, die aus inhaltlichen Gründen austreten“, sagt er. Vor allem wenn in der Vergangenheit Skandale der katholischen Kirche die Medien beherrschten, hätte es regelrechte Austrittswellen gegeben.

Austritt beim Amtsgericht

Der Austritt erfolgt in der Regel beim Amtsgericht Aachen. Dort werden formelle Schritte eingeleitet, bestimmte Angaben müssen getätigt werden. Für die Erklärung des Austritts entsteht pro Person eine Gebühr von 30 Euro. Nach Abgabe der Erklärung leitet das Amtgericht den Austritt ein. Das Bistum wird dann darüber informiert und leitet Name und Daten an den zuständigen Pfarrer weiter. 2015 zählte die Pfarrei St. Marien Baesweiler 78 Austritte, 2016 65 und in diesem Jahr bisher 39.

Einen Versuch, die Austretenden umzustimmen, unternimmt Bruckes nicht: „Ich erfahre erst hinterher davon. Es kommt eigentlich nie vorher jemand und äußert den Wunsch auszutreten.“ Die Gründe für eine solche Entscheidung seien vielfältig. Das Freizeitverhalten und Berufsleben nehmen viel Zeit in Anspruch. Da sei ein Gottesdienst sonntagsmorgens um halb zehn nicht besonders attraktiv.

„Und der Glaube spielt im Leben der Leute eine nicht mehr so entscheidende Rolle, wie es vor einer Generation noch war“, meint er. Dabei leiste die katholische Kirche einen nicht unerheblichen Anteil am gesellschaftlichen Leben. In Baesweiler unterhält sie drei Kindertagesstätten, leistet Seniorenarbeit und betreut ein Flüchtlingscafé.

Willkommens-Briefe

Um auf das Wirken der katholischen Kirche aufmerksam zu machen, erhält jeder, der nach Baesweiler zieht, einen Willkommens-Brief mit einer Einladung zu einem persönlichen Gespräch. „Bisher haben wir noch keine einzige Rückmeldung erhalten“, zeigt sich Bruckes enttäuscht. Der Wille, auch der von Mitgliedern, eine langfristige Bindung einzugehen, sei in den vergangenen Jahren ebenfalls zurückgegangen. „Dass jemand zum Beispiel 50 Jahre Mitglied im Kirchenchor ist, das wird es kaum noch geben“, glaubt der Pfarrer.

Dennoch denkt er, dass die Kirche eine Zukunft hat. Sie werde sich jedoch wahrscheinlich verändern und das schneller als manchem vielleicht recht sei. 437 Austritte gab es im vergangenen Jahr im Nordkreis insgesamt, 99 weniger als im Vorjahr. Gelegentlich kommt es auch vor, dass jemand sich dazu entscheiden, wieder einzutreten. „Wer den Wunsch äußert, wieder aufgenommen zu werden, den nehme ich natürlich wieder auf, denn mir steht es nicht zu, über die Beweggründe zu urteilen“, erklärt Pfarrer Bruckes.

Um wieder einzutreten, muss man sich vor Ort beim Pfarrer melden. Es folgt ein Gespräch und der formelle Prozess beim Generalvikariat in Aachen. Im Anschluss muss der Gläubige vor dem Pfarrer und zwei Zeugen das Glaubensbekenntnis sprechen.

„Ich mache immer einen Termin für einen Gottesdienst. Dann beten wir einfach alle zusammen“, erzählt Bruckes. Natürlich freue er sich darüber, wenn sich jemand zu diesem Schritt entscheidet. „Wir sind eine Gemeinschaft, wenn da jemand abhanden kommt, ist das natürlich sehr schade“, sagt er.

Und letztlich werde die Kirche auch weiterhin Gläubigen – auch wenn sie nicht regelmäßig den Gottesdienst besuchten – an wichtigen Stellen im Leben, wie der Hochzeit oder Taufe, die Nähe zu Gott vermitteln.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert