Herzogenrath - Bierstraß: Am Dienstag wird es spannend

Bierstraß: Am Dienstag wird es spannend

Von: Beatrix Oprée
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Sie setzen sich für den Erhalt der Grundschule Bierstraß ein: (v.l.) Heinz Bekeschus, Kerstin und Dirk Windeck, Dr. Anjali Scholten und Dr. Torsten Rose überreichen dem Ersten Beigeordneten Hubert Philippengracht (r.) und dem Bereichsleiter Schule, Josef Poqué (2.v.r.), die Liste mit Unterstützerunterschriften. Foto: Beatrix Oprée

Herzogenrath. Dr. Anjali Scholten wollte denn auch gleich noch den Stier bei den Hörnern packen: „Es wäre gut, wenn Sie auch unterschreiben würden“, legte sie den Vertretern der Stadtverwaltung augenzwinkernd nahe. Doch da geben sich der Erste Beigeordnete Hubert Philippengracht und der Bereichsleiter Schule, Josef Poqué, über jeden Verdacht erhaben, ihrer Verpflichtung zur Neutralität wegen.

Genau 1302 Unterschriften hat ihnen die Elterninitiative zum Erhalt der Grundschule in Bierstraß, Teilstandort der Grundschule Herzogenrath-Mitte (Hauptstandort ist die Regenbogenschule an der Leonhardstraße), jetzt offiziell übergeben. Und sehen nun nach vielen Monaten des Einsatzes „vorsichtig optimistisch“ den Sondersitzungen des Ausschusses für Bildung, Sport und Kultur (BSK) und des Stadtrates am kommenden Dienstag (17 und 18.30 Uhr im Rathaus) entgegen.

Denn im einzigen Tagesordnungspunkt für den BSK, der im Stadtrat zu bestätigen wäre, formuliert die Verwaltung einen Beschlussvorschlag, der Wasser auf ihre Mühlen bedeutet: die vorgelegte Schulentwicklungsplanung (SEP) 2020/21 samt Ausblick 2025/26 zu beschließen, die die „wegweisende Bedeutung und Richtigkeit der bisherigen schulorganisatorischen Maßnahmen der Stadt Herzogenrath“ bestätige.

Im Verbund mit dem vorgesehenen digitalen Ausbau aller Schulstandorte und dem beabsichtigten Ausbau der Gesamtschule Kohlscheid an einem Standort biete sie „die Grundlage und den Handlungsrahmen für die zukunftsorientierte Weiterentwicklung des Schulstandortes Herzogenrath“.

Aufgrund dieser Schulentwicklungsplanung seien „keine schulorganisatorischen Maßnahmen erforderlich“. Als konkrete Einzelmaßnahme schlägt die Verwaltung folglich vor, der Bürgeranregung stattzugeben und die Regenbogenschule mit ihren Standorten Leonhardstraße und Bierstraße fortzuführen.

Frühere Prognosen überholt

Die Verwaltungsvorlage basiert auf diversen Erkenntnissen im Gutachten von Dr. Detlef Garbe (Leverkusen): So würden sich die früheren Prognosen zum Rückgang der Schülerzahlen nicht bestätigen, die Gesamtschülerzahl der Grundschulen vielmehr in den kommenden Jahren „kontinuierlich ansteigen“.

Gründe seien der Geburtenanstieg auch in Herzogenrath, zu beschulende Flüchtlingskinder sowie der Zuzug junger Familien aus Nachbarkommunen in die Neubaugebiete. Des weiteren ergeben sich laut Garbe sowohl fürs Gymnasium als auch die beiden Gesamtschulen stabile Schülerzahlen, allenfalls für das Gymnasium ab 2020 eine rückläufige Entwicklung. Hier sei jedoch die Diskussion zum Abitur nach acht respektive neun Schuljahren und zum Umfang der Internationalen Förderklassen abzuwarten.

Gemäß Prognose sei auch die Schülerzahl der Förderschule ansteigend. Besuchten die Käthe-Kollwitz-Schule (KKS, Förderschwerpunkte Lernen, Sprache, emotionale und soziale Entwicklung, ebenfalls an der Leonhardstraße angesiedelt) in 2010 noch 175 Schüler, so reduzierte sich die Anzahl 2014 auf 139 Schüler. Seit 2015 ist die Zahl aber wieder auf 172 angestiegen.

Für 2020/2021 geht die Prognose von 200 Schülern aus. Und das hat Einfluss auf die Entscheidung in Sachen Verbundschule. Denn die KKS nutzt mittlerweile einen ganzen Gebäudetrakt der Regenbogenschule. „Förderschulen haben einen größeren Raumbedarf“, erläuterte Hubert Philippengracht im Gespräch mit den Initiatoren der Unterschriftensammlung.

Da der Inklusionsprozess eine langfristige Prognose behindere, rät die Verwaltung zum Status Quo an Leonhard- sowie Bierstraße –und überdies die Entwicklung der Schülerzahlen zu beobachten.

In einem Exkurs kann es sich die Verwaltung zudem nicht verkneifen, der GPA zu widersprechen, die in Rodas Schulen einen Flächenüberhang ausgemacht hatte: „Das Flächenangebot der Grundschulen in Herzogenrath unterschreitet sogar den Mittelwert aller untersuchten Städte. In der Detailanalyse der einzelnen Grundschulen ist zudem festzustellen, dass fünf von neun Schulen den Vergleichswert – wenn auch nur leicht – unterschreiten.“

Auch von Schulbezirksgrenzen, deren Wiedereinführung die große Koalition mit Antrag aus dem April geprüft wissen wollte, raten sowohl SEP als auch Verwaltung ab: Das Elternwahlverhalten habe in den vergangenen Jahren laut Gutachter zu „stabilen Einschulungssituationen“ geführt.

Zudem sei festzustellen, dass auch Schulbezirke nicht davor bewahren könnten, dass sich „Problemschulen“ entwickeln. Besonders Eltern aus bildungsnahen Familien würden „Mittel und Wege finden, ihre Kinder an vermeintlich ,besseren‘ Schulen anzumelden“.

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