Bienenhalter sorgen sich um die Bestände

Von: ali
Letzte Aktualisierung:
Ein gesundes Volk aus dem Best
Ein gesundes Volk aus dem Bestand von Heribert Kaussen: Europaweit sind die Bestände in den vergangenen Jahren jedoch um bis zu 30 Prozent geschrumpft. Foto: Alisa Gartzen

Nordkreis. Auf dem Nektar der Lindenblüte lag noch die letzte Hoffnung für eine einigermaßen ertragreiche Honigernte in diesem Jahr: Das Wetter hat es nicht gut gemeint mit den Bienenhaltern. 18 Mitglieder umfasst der Bienenzuchtverein (BZV) Merkstein, 17 von ihnen aktiv, sie betreuen insgesamt rund 70 Bienenvölker.

Gründlich geschult worden sind sie alle. In der Euchener Imkerei Geller etwa bietet der Imkerverband Rheinland entsprechende Kurse an. In sechs bis sieben Samstagen wird alles Wissenswerte über das wertvolle Hobby vermittelt, wie BZV-Vorsitzender Gerhard Schmitz und der Euchener Imker Heribert Kaussen darlegen.

Leckerer Brotaufstrich

Nahrungsmittelknappheit war nach dem Zweiten Weltkrieg mit ein Grund, den Merksteiner Verein zu gründen. Honig war als ebenso leckerer wie gehaltvoller Brotaufstrich höchst willkommen. Honig essen die Menschen immer noch gerne. Heute geht es Bienenhaltern jedoch auch um den Kreislauf der Natur. Ohne Bienen, die für die Bestäubung der Blüten und damit den Fortbestand der Vegetation sorgen, wäre der Erhalt des Ökosystems kaum möglich. Ein erschreckendes Szenario: Sterben die Pflanzen aus, können auch die Pflanzenfresser nicht überleben. Zudem würde die Sauerstoffproduktion eingeschränkt. Die Sprecherin des deutschen Imkerbundes (DIB), Petra Friedrich relativiert: „Wir müssen zwar nicht sterben, wenn es keine Bienen mehr gibt, aber unsere Nahrungspalette wäre stark eingeschränkt.” Denn: „Bienen sind ein elementares Bindeglied im Naturkreislauf.”

Schlechte Honigernte

Rund 80 Prozent der rund 3000 Nutz- und Wildpflanzen in Deutschland sind auf Honigbienen als Bestäuber angewiesen. Neben Obstbäumen sind das Feldfrüchte, Futterpflanzen, Ölfrüchte, Gewürzpflanzen und viele Wildpflanzen. Pflanzen sind ein Teil der Nahrungskette, Früchte dienen Vögeln und Kleinsäugern als Nahrung, die wiederum von größeren Tieren gefressen werden. Zudem liefern Pflanzen und Früchte das Futter für Nutz- und Schlachttiere. In den vergangenen Jahren jedoch ist die Bienenpopulation europaweit um bis zu 30 Prozent zurückgegangen. Die Gründe sind vielfach: Schädlinge, Krankheiten, Klimaveränderung, Pflanzenschutzmittel, anfällige Monokulturen. Eine Hauptfeindin der Honigbiene: Varroa destructor. Die 1,6 Millimeter große zerstörerische Milbe, vermutlich über asiatische Honigbienen nach Deutschland eingeschleppt, befällt sowohl die erwachsene Biene als auch - hauptsächlich - die Brut. Parasitenbekämpfung ist eine der wesentlichen Aufgaben auch der Mitglieder des BZV Merkstein. Sie setzen auf spezielle organische Säuren, wie Heribert Kaussen erläutert. Zwischen Ende Juli und Ende September arbeiten die Imker mit Ameisensäure, die bei höheren Temperaturen gut verdunstet und sich im Volk verteilt, wodurch möglichst viele Parasiten abgetötet würden. Im Winter kommt Oxalsäure zum Einsatz.

„Mit Blick auf die produzierte Honigmenge ist dieses Jahr das schlechteste seit langem”, bedauert Kaussen. „Letztes Jahr war die Frühtracht im langjährigen Vergleich ungewöhnlich hoch, die Spättracht dagegen sehr gering, weil der Sommer verregnete. Dieses Jahr war hingegen die Frühtracht schlecht, aber die Sommertracht besser.” Die Frühtracht dauert von März bis Mitte/Ende Mai und ist die wichtigste Periode für die Honigherstellung, da im Frühling die meisten Blumen und für die Bienen relevanten Bäume und Pflanzen blühen. „Der wichtigste Faktor bezüglich der Erträge ist das Wetter!”, erklärt Kaussen. April und Mai waren zu regnerisch und kalt, die Bienen blieben im Stock. Später Nachtfrost hat viele Blüten erfrieren, der stete Ostwind viele zudem austrocknen lassen, wie Gerhard Schmitz ergänzt. Linde, Raps, Obstbäume, Salweide - auch Palmweide genannt, konnten noch ein wenig Ertrag liefern. Darüber hinaus seien Weißklee, Brombeere, Himbeere und Esskastanie wichtige Nektarlieferanten im Sommer.

Zum Schluss noch: Ist die Hobby-Imkerei tatsächlich so zeitaufwändig, wie viele meinen? „Eigentlich nicht”, sagt Heribert Kaussen: „Von Anfang/Mitte April bis Ende Juni/Anfang Juli muss einmal pro Woche nach den Bienen geschaut werden. Danach bis in den Herbst reichen 10- bis 14-Tage-Rhythmen.”
Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert