Würselen - Bewegender Vortrag über „Euchens schlimmste Tage“

Bewegender Vortrag über „Euchens schlimmste Tage“

Von: ehg
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Viele interessante Fundstücke aus Kriegstagen: Dr. Bruno Weyers brachte Dachziegel, Terrazzoputz und Scherben mit. Foto: Gier

Würselen. „Vor 70 Jahren stand Ende August, Anfang September die Invasion der alliierten Streitkräfte bevor“, daran erinnerte der Geschäftsführer des Heimat- und Geschichtsvereins Euchen, Dr. Bruno Weyers, als er interessierte Bürger dieses Ortsteils – unter ihnen Bürgermeister Arno Nelles – zu einem Vortrag über „Euchens schlimmste Tage“ im Dorfhaus begrüßte.

„Um diese Zeit wurden die ersten Vorbereitungen zur Evakuierung getroffen. Viele nahmen dieses schwere Los auf sich.“ In seinem Vortrag lieferte der Heimatkundler Volker Dederichs fundiert viele Hintergrundinformationen zum Ablauf der Kampfhandlungen. Auch kamen stumme Zeitzeugen zu „Wort“, wie ein 4,8 Kilogramm schweres amerikanisches Gewehr oder ein Tornister – bepackt wog er 38 Kilo. Aber auch ein Original der Sonderausgabe von „The Stars and Stripes“ vom 17. Oktober 1944, in der vermeldet wurde, dass der Kessel um Aachen geschlossen sei, das wohl wertvollste Dokument.

Ein in seinen interessanten Vortrag stimmte er mit einem an der Ecke Kerzeleyweg/Grünplatz von einem UPI-Kriegsberichterstatter aufgenommenes Foto, das das ganze Ausmaß der Zerstörung des Häuserkampfes vor Augen führte. Zu diesem Foto stellte Dederichs auch einen persönlichen Bezug her. Sein Großvater war im Juni von Soldaten der selben amerikanischen Einheit in Brest gefangen genommen worden, die sich wenige Monate später in dessen Heimat den Straßenkampf mit deutschen Soldaten lieferten.

Der Vormarsch der Alliierten sei so schnell erfolgt, dass diese erhebliche Versorgungsprobleme bekommen hätten, wusste Dederichs zu berichten. An einem geraden Tag seien die Versorgungsfahrzeuge rund 1000 Kilometer zur Front gefahren und am nächsten ungeraden Tag wieder zurück.

Die Amerikaner hätten großen Respekt vor dem Westwall gehabt. Sonst wäre er nicht sechs Wochen lang umkämpft gewesen. Die überrannten deutschen Truppen hätten sich wegen der Nachschubprobleme der Amerikaner neu formieren können. Wie die Zahl der Kriegstoten belege, sei in diesen Wochen des Stillstands des Aufmarsches hart um Würselen gekämpft worden.

Als Mahnmal erinnere ein in Kaisersruh am Eingang zum Wurmtal errichtetes Kreuz, das einem verstorbenen gefallenen amerikanischen Soldaten und einem getöteten Würselener Zivilisten errichtet worden sei. Mittlerweile habe er auch den Namen eines am Teuterhof gefallenen deutschen Infanteristen ermitteln können: Leonhard Vorbuchner. Er stammte aus dem Allgäu und hat auf dem Ehrenfriedhof an St. Sebastian seine letzte Ruhestätte gefunden. Ihm soll dort in nächster Zukunft gewidmet werden.

Auf den Feldern rund um Euchen waren deutsche Panzer, wie ein Foto belegte, im Einsatz, unter anderem der 69 Tonnen schwere „Königstiger“. Wie verheerend die Kämpfe Würselen trafen, dafür „sprach“ ein Bild von der ehemaligen Gaststätte Dohmen Bände. Dass St. Sebastian und der Markt nicht verschont geblieben waren, dokumentierte Dederichs durch weiteres Fotomaterial.

Mehrfach hatte der Kaninsberg in diesen verhängnisvollen sechs Wochen den Besatzer gewechselt. Im Häuserkampf hätten die „Deutschen“ größere Erfahrungen als die Amerikaner gehabt. In allen Einzelheiten ließ der Heimatkundler das Kriegsgeschehen im Großraum Aachen am geistigen Auge vorbei ziehen.

Bei den Euchenern – meist fortgeschritteneren Alters – wurden Erinnerungen an eine Zeit geweckt, die sie so nie mehr erleben möchten. Da wundert es nicht, dass sie sich angesichts dessen, was derzeit in der Ukraine abläuft, große Sorgen machen.

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