Bewährungsstrafe für Schläger aus rechter Szene

Von: Michael Klarmann
Letzte Aktualisierung:

Alsdorf. Wegen einer günstigen Sozialprognose hat das Landgericht Aachen eine erstinstanzlich verhängte Haftstrafe gegen einen Schläger aus der rechten Szene in eine Bewährungsstrafe abgeändert.

Der Alsdorfer, einst Mitglied der Neonazigruppe „Kameradschaft Aachener Land” (KAL), hatte einen Jugendlichen schwer im Gesicht verletzt, weil er diesen für einen „Linken” hielt.

Zugetragen hatte sich der Vorfall Mitte 2008 in Begau nahe einer Tankstelle. Nachdem der Alsdorfer zuvor eine Jugendstrafe abgesessen hatte, war er nach einem Treffen mit früheren „Kumpels” - also Neonazis - zufällig auf vier Jugendliche gestoßen. Diese, die gar nichts mit der linken Szene zu tun haben, hatte der alkoholisierte Alsdorfer dessen ungeachtet als „Linke” eingestuft.

Er warf einem heute 20-jährigen Medizinstudenten aus Alsdorf vor, eine „Zecke” zu sein und an Antinazi-Demonstrationen teilgenommen zu haben. Nach einer kurzen Diskussion hatte er seinem Opfer dann mit der Faust so stark ins Gesicht geschlagen, dass der Jugendliche mehrere Wochen die Sehkraft auf einem Auge einbüßte und bis heute Spätfolgen befürchten muss.

In erster Instanz hatte das Amtsgericht den Täter, der sich unterdessen von der rechten Szene gelöst haben will, zu einer einjährigen Haftstrafe ohne Bewährung verurteilt. Hatte der Alsdorfer seinerzeit die Tat bestritten, gab er sie in der Berufungsverhandlung am Donnerstag zu. Zudem stellte der schon einschlägig strafrechtlich in Erscheinung getretene junge Mann ein Schmerzensgeld in Höhe von 5000 Euro für das Opfer in Aussicht. Diesem sagte er in seinem Schlusswort zudem, die Tat tue ihm Leid.

Zwar äußerte Richter Holger Brantin Zweifel an dem „halbherzig klingenden” Geständnis, der Abkehr aus der rechten Szene und der Entschuldigung. Dennoch änderte er als „aller, aller letzten Warnschuss” das erstinstanzliche Urteil unter Auflagen ab. Die einjährige Haftstrafe setzte das Gericht dabei drei Jahre lang zur Bewährung aus. Sollte der Täter in dieser Zeit erneut auffallen oder mit den Ratenzahlungen des Schmerzensgeldes in Verzug geraten, droht ihm dennoch die Abbüßung der Haftstrafe.

Ausschlaggebend für das Urteil war auch, dass der junge Mann angab, sich von der rechten Szene fernhalten zu wollen und eine berufliche Perspektive vorweisen kann.

Jene „Brücke” in ein künftig hoffentlich straffreies Leben möge er nutzen, gab das Gericht ihm mit auf den Weg.
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