Alsdorf - Bewährung für schwer behinderten Mann

Bewährung für schwer behinderten Mann

Von: Elisa Zander
Letzte Aktualisierung:

Alsdorf. Im Fall des 22-Jährigen schwer behinderten Mannes, der in Hoengen lebt, ist vor dem Landgericht Aachen noch am Montag nach Redaktionsschluss ein Urteil gesprochen worden. Der Richter Dr. Gerd Nohl ordnete im Rahmen des Sicherungsverfahrens eine Unterbringung in einem psychiatrischen Krankenhaus an.

Dieses Urteil ist unter Auflagen auf Bewährung für fünf Jahre ausgesetzt. Der junge Mann ist bereits einem Bewährungshelfer unterstellt und muss sich innerhalb eines halben Jahres einen betreuten Heimplatz suchen, der später kontinuierlich nachzuweisen ist, wie die Pressedezernentin des Landgerichts Aachen, Richterin Daniela Krey, erläutert. Ausgesucht wird das Heim nach Weisung des Bewährungshelfers.

Weiterhin muss sich der 22-Jährige eine „tagesstrukturierende Maßnahme“ suchen, eine Fördermaßnahme etwa, mit einer Aufgabe, der er alltäglich nachgehen kann. Dritte Auflage ist eine 14-tägige Depot-Spritze mit dem Wirkstoff Risperidon. Die zuständige Sachverständige, die den Fall von Seiten des Gerichts betreut, berichtete während der Verhandlung, dass der Wirkstoff bei dem Mann bereits eingesetzt wurde und eine positive Wirkung gezeigt habe. „Seitdem ist er schon ruhiger geworden“, berichtet Krey.

Die Pressedezernentin betont, dass die Entscheidung des Gerichts „keine Strafe sondern eine Maßregel“ sei. Über den Stand der Auflageneinhaltung werde man informiert. „Im Normallfall ist es so, dass der Bewährungshelfer stetig den Kontakt zu der Person sucht und dann dem Gericht Bericht erstattet“, sagt Daniela Krey. „Wenn die Bewährung nicht eingehalten wird, kann es sein, dass das Gericht diese widerruft. In dem Fall würde dann die Zwangsunterbringung angesetzt“, erklärt Krey. Auch eine weitere Tat könnte dazu führen, dass der Mann eingewiesen wird.

In Alsdorf hatte der Mann seit 2007 immer wieder Frauen angegriffen und belästigt. Vier Fälle waren zur Anzeige gebracht worden. Die Dunkelziffer der geschädigten Frauen wird von der Polizei deutlich höher eingeschätzt. Ein psychiatrisches Gutachten besagt, dass er wegen seiner schweren geistigen Behinderung nicht schuldfähig ist. Schuldunfähige dürfen nicht angeklagt werden. Darum hatte die Staatsanwaltschaft Mitte 2011 ein Sicherungsverfahren mit Antrag auf Unterbringung in einer psychiatrischen Einrichtung gestellt.

Mit der Entscheidung „kann man halbwegs leben“, sagt Sören W., der Ehemann einer Geschädigten. „Es geht nicht nur um die geschädigten Frauen, sondern auch um den Mann. Für ihn soll es eine Hilfe geben.“ Allerdings frage er sich, „warum das mit der Verhandlung so lange gedauert hat. Denn wenn das schon eher terminiert worden wäre, hätte es die Vorfälle aus 2012 vielleicht gar nicht gegeben.“

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert