Betagte Schulutensilien zum Schnäppchenpreis

Von: Ute Steinbusch
Letzte Aktualisierung:
14967698.jpg
Umlagert: Bei der Versteigerung alter Schulutensilien im Alsdorfer Gymnasium steht Studienrat Werner Schenk im Mittelpunkt. Foto: Ute Steinbusch
14967721.jpg
Mein Schatz: eine Bieterin mit ihrem bei der Auktion ersteigerten Mikroskop. Foto: Ute Steinbusch

Alsdorf. Zack, fällt der Hammer auf das Holz des alten Treppengeländers. Werner Schenk nimmt ihn mit Schwung wieder hoch. Der langjährige stellvertretende Leiter des Alsdorfer Gymnasiums steht wie ein Fels in der Brandung, am Treppenabsatz mitten zwischen zwei Auf- und zwei Abgängen. Im bunten Treiben behält er den Überblick, verschafft sich Gehör mit einem Mikrofon.

Ausgemistet haben sie in der „alten“ Schule. Alles, was nicht mit ins Schulzentrum am Annagelände umziehen soll, kommt unter den Hammer. Für den guten Zweck, versteht sich. Werner Schenk geht zum nächsten Versteigerungsobjekt über. „Was, nur zehn Euro für so ein tolles Lexikon? Also selbst in Zeiten von Google und Wikipedia, is doch für unsere Kenger, wisster doch!“, räsoniert er im besten Sinne eines professionellen Auktionators.

Schenks aktiver Einsatz hat schon Stunden zuvor begonnen. Ab fünf Uhr sollten eigentlich alte Abiturarbeiten abgeholt werden dürfen. Schenk ist auf Nummer sicher gegangen und war schon 20 Minuten vorher an Ort und Stelle – und wurde bereits von einer Schlange Ehemaliger empfangen. „Alle Abiturarbeiten von 1966 und vorher liegen beim Geschichtsverein.

Die jüngeren durfte ich abgeben. Sie müssen allerdings älter als zehn Jahre sein“, erklärt er. Schon sein erster Tagesauftrag hat ihm viel Freude gemacht. So durfte er ein Abiturzeugnis an einen Vater aushändigen, dessen Sohn ihm eine Vollmacht mitgegeben hatte. „In die Vollmacht habe ich gar nicht reingeguckt, ich hatte sowohl den Vater als auch den Sohn in der Schule“, schildert der Pensionär schmunzelnd.

Nach der Abiturzeugnisausgabe machen sich Scharen von Ehemaligen und Interessierten auf den Weg in die Aula. Dort gibt es die verschiedensten Dinge aus dem Schulalltag, für die im neuen Gebäude kein Platz mehr ist, zum Schnäppchenpreis. Nur die schönsten oder umfänglichsten Stücke landen in der späteren Versteigerung.

Björn Thyssen strahlt über das ganze Gesicht. Er hat sich in der Mineralien-Sammlung einen „Streuselkuchen-Stein“ und einen „Silber-Stein“ ausgesucht und hütet beide jetzt wie einen Schatz. Seine Leidenschaft für Steine hat er vom Opa. Sein Begleiter Thomas Führen erklärt: „Der Opa ist eben schon mit einem ganzen Paket an Steinen rausmarschiert.“ Der Grundschüler Björn hat nur Augen für seine Steine, aber seine Mama ist Absolventin der Schule, sein Opa war Lehrer, und Führen hat vor 31 Jahren an Ort und Stelle Abitur gemacht.

In einer anderen Ecke der Aula lagern alte Karten – erdkundliche, naturwissenschaftliche, soweit das Auge reicht. Hier hat sich Tanja Rauschtenberger gerade bedient. Sie sammelt seit zwei Jahren Antiquitäten und besonders solche Karten. „Bei mir zu Hause über dem Sofa hängt eine Karte über Muscheln.“ Jetzt hat sie sich solche mit Gewächsen und Tieren ausgesucht. „Keine Landkarten, die mag ich weniger.“ Rauschtenberger ist Kunstlehrerin am Gymnasium. Hat sie schon konkrete Pläne mit ihren Neuerrungenschaften? „Die mit den Misteln werde ich wohl zur Weihnachtszeit ins Wohnzimmer hängen“, gibt sie voller Vorfreude preis.

Familie Reiche macht gerade Pause beim Helfen auf dem Schulhof , wo sich die Besucher mit allen möglichen Leckereien versorgen können. Papa Max freut sich diebisch, einen kleinen alten Projektor erstanden zu haben. „Ich bin sowieso elektroverrückt und habe einen Kollegen, der sammelt alte Geräte. Er hat bald einen Grund zu feiern, und jetzt habe ich schon das passende Geschenk“, jubelt er.

Mama Claudia hält einen Bunsenbrenner in der Hand, der beim Kauf noch mit dazu gepasst hat. Tochter Julia hält ihr Mikroskop wie ein Juwel, während Sohn Fynn, aktuell Schüler des Gymnasiums, gerade außer Sichtweite ist. Der massive Schubladenschrank, den Jens Ferner eben in der Versteigerung erstanden hat, wird einen Ehrenplatz im Hausflur erhalten, das steht fest. „Ich finde ihn einfach schön. Was wir darin aufbewahren, weiß ich noch nicht“, offenbart der Alsdorfer, dessen Familie in der vierten Generation das Gymnasium besucht.

Der Familienrat hatte sich vorgenommen, ein schönes Stück zu erstehen. Nun sind es schon drei, und Ferner sieht so aus, als könnte er gleich noch mal zuschlagen. Die Klarinette hat sich seine Tochter Lilith sehnlichst gewünscht. Eigentlich spielt sie auf ihrem Saxophon Jazzmusik, aber das Instrument hat es ihr angetan, auch wenn die Elfjährige noch gar nicht lange mit der Schule verbunden ist.

Werner Schenk macht ganz ansehnlich Beute. 35 Euro für einen Projektor, ein „altes Schätzchen“, wie er liebevoll erklärt. Eine Tenorflöte kommt für acht Euro unter den Hammer, es folgen verschiedene Whiteboards, Kinobänke und ein Holzxylophon.

Das große Glasgefäß mit der Aufschrift „Dest. Wasser“, das wohl vormals in der Chemie zum Einsatz gekommen ist, füllt sich inmitten der Aula mit immer mehr Geldscheinen. Richtig so, „is doch für de Kenger“!

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert