Beste Variante für Notfallpraxis finden: Marienhöhe?

Von: Karl Stüber
Letzte Aktualisierung:
10582845.jpg
Aktuelle Anlaufstelle: die Notfallpraxis der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) Kreis Aachen im Ambulanzturm am Dr.-Hans-Böckler-Platz in Bardenberg. Laut Dr. Jürgen Wirtz würde die KV aber gerne mittelfristig die Notfallpraxis ans Medizinische Zentrum, Standort Marienhöhe, verlegen. Foto: Karl Stüber
10582811.jpg
Will keine Verlegung der Notfallpraxis der KV um jeden Preis: Dr. Lothar Franz Nossek.

Nordkreis. Dr. Jürgen Wirtz und seine Kollegen, die in der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) Kreis Aachen 221 organisierten niedergelassenen Mediziner, können durchatmen. Die meisten Patienten, die außerhalb der Praxiszeiten einen Arzt aufsuchen müssen, wissen mittlerweile (wieder), dass sie sich weiterhin nach Bardenberg, genauer an das Ambulanzturm Bardenberg wenden müssen.

Der Umzug von Kliniken des Medizinischen Zentrums Würselen (MZ) vom Standort Bardenberg nach Würselen Marienhöhe und die damit verbundene Konzentration der Notfallbehandlung des Krankenhauses hatte vor ein paar Wochen zu erheblicher Verwirrung und Desorientierung geführt. Viele, die eigentlich weiterhin die Einrichtung am, aber nicht im Krankenhaus in Bardenberg zu allererst ansteuern oder kontaktieren sollten, ließen diese Einrichtung links liegen und wandten sich direkt ans MZ am Standort Marienhöhe. „Wir hatten bei der KV-Notfallpraxis Einbußen von bis zu 50 Prozent“, ruft Wirtz in Erinnerung. Er ist, wie auch Dr. Lothar Franz Nossek, Vorsitzender der KV Kreis Aachen, Koordinator der Notfallpraxis in Bardenberg. Mit einer groß angelegten Öffentlichkeitskampagne steuerte die Kassenärztliche Vereinigung gegen. Auch unsere Zeitung berichtete mehrfach. Mittlerweile, so Wirtz, liegt man wieder bei an die 100 Prozent „Trefferquote“.

Zum Wohle der Patienten

So weit, so gut. Mittelfristig würde die Kassenärztliche Vereinigung aber gerne die räumliche Nähe zur mit erheblichen Investitionen ausgebauten Notfallmedizin des MZ in Marienhöhe suchen – mit Blick auf eine möglichst optimale Versorgung der Patienten, wenn sich etwa ein undifferenzierter Schmerz in der Bauchgegend als Blinddarm- oder Magendurchbruch entpuppt und die Kollegen des MZ übernehmen müssen. Wirtz tritt entschieden dem Eindruck entgegen, dass mit dem Umzug von Kliniken des MZ von Bardenberg nach Marienhöhe im Knappschaftskrankenhaus, also direkt neben der KV-Notfallpraxis, vor Ort kein Krankenhaus-Know-how mehr für absolut dringende Notfälle, die ins Krankenhaus gehören, zur Verfügung steht. Er verweist auf die sehr gut ausgerüstete Lungenheilkunde und Urologie dort.

Angebotene Räume abgelehnt

Wirtz berichtet von Gesprächen und einem Ortstermin mit der MZ-Leitung, also Geschäftsführer René A. Bostelaar und dem Ärztlichen Direktor des MZ, Dr. Christoph Kosinski. Allerdings ließen sich am Standort Marienhöhe aus Sicht der KV aktuell keine geeigneten Räume für die Aufnahme der KV-Notfallpraxis finden, bedauert Wirtz. Erst wenn der dritte Bauabschnitt im Rahmen des Masterplans des Krankenhauses umgesetzt wird, sieht Wirtz die Chance zum Wechsel auch der Notfallpraxis der niedergelassenen Ärzte nach Marienhöhe. „Die derzeitige Regelung wird zumindest zwei bis drei Jahre bestehen bleiben“, so der Mediziner. Angedacht ist aus Sicht der KV ein neues Gebäude in Nähe des Haupteingangs des MZ am Standort Marienhöhe. „Wir würden – wie jetzt auch – die Miete und Betriebskosten der Notfallpraxis übernehmen“, so Wirtz. Heißt: Bauen müssen andere, wohl das MZ oder ein entsprechender Investor.

Seit‘ an Seit‘ behandeln?

Bis dahin dürfte auch klar sein, wie eine von der Vertreterversammlung der KV Nordrhein beschlossene Neustrukturierung des Notdienstes ausgestaltet wird.

Zuletzt hatte es heftige Proteste angesichts des Plans gehagelt, im Gebiet Nordrhein 20 Notfallpraxis zu schließen, vier davon in unserer Region. Das ist zunächst einmal vom Tisch. Nun sucht die KV eine Kooperation mit den Krankenhäusern und hat ihren Vorstand beauftragt, einen entsprechenden Rahmenvertrag mit der Krankenhausgesellschaft Nordrhein-Westfalen zu verhandeln. Darin soll eine Kooperation geregelt werden, „bei der die niedergelassenen Ärztinnen und Ärzte ihren Notdienst in Klinikräumen leisten“, heißt es hierzu seitens der KV Nordrhein. Ein entsprechendes Pilotprojekt soll etabliert werden. Dabei ist die Rede davon, dass niedergelassener Arzt oder Vertragsarzt der KV und Klinikarzt Seit’ an Seit’ arbeiten sollen. Was heißt das? „Das Vorschalten des Arztes der KV-Notfallpraxis bleibt, um die Fälle differenzieren zu können“, sagt Wirtz.

Übrigens: Über 90 Prozent der in der Notfallpraxis der KV eingesetzten Mediziner sind Vertragsärzte, also von der KV hierfür extra engagiert. Nur wenige lokale KV-Ärzte leisten dort Dienst, sagte Wirtz.

Dr. Lothar Franz Nossek bekräftigt, dass der Bestand der Notfallpraxis im Nordkreis auch in Zukunft nicht gefährdet sein dürfte. „Wir Kassenärzte versorgen im Nordkreis auf diese Weise schließlich rund 150 000 Menschen.“ Aber auch Nossek würde grundsätzlich gerne die Einrichtung am MZ-Standort Marienhöhe verlegt sehen. Aber nicht um jeden Preis. Der zuletzt vom MZ angebotene Standort im unteren und hinteren Bereich des gerade fertiggestellten Neubaus sei überhaupt nicht in Frage gekommen. „Dann hätten alle unsere Patienten einen weiten Weg vom MZ-Eingang bis zur KV-Notfallpraxis bewältigen müssen und wären dabei an der Notfallaufnahme des Krankenhauses vorbeigegangen. Das hätte zu großem Unverständnis bei den betroffenen Patienten geführt.“ Da sei es sinnvoller, wie zum Beispiel in Stolberg die KV-Notfallpraxis in den vorderen Eingangsbereich des Krankenhauses unterzubringen. Nossek bedauert: „Der MZ-Geschäftsführer hat leider kein Gespür für die ambulante Versorgung von Notfallpatienten der KV“ – siehe Infobox unten. Dabei müsste doch auch das MZ ein Interesse daran haben, dass die KV-Notfallpraxis möglichst ohne Reibungsverluste funktioniert. Grund: Die Einweisung ins Krankenhaus durch einen KV-Arzt sei „günstiger“ für das Krankenhaus, als wenn es selbst den Patienten aufnimmt. Heißt: Wird der Weg eingehalten, profitiert das Krankenhaus davon.

Nossek bekräftigt, dass es noch eine Weile dauern wird, bis dass klar sein dürfte, ob und wie die KV-Notfallpraxis nach Marienhöhe verlegt wird. Die KV Nordrhein wolle gleich an mehreren Standorten, darunter wohl auch in Heinsberg, ein Pilotprojekt starten, um die Kooperation mit Krankenhausärzten auszuprobieren. Und dann werde ja auch noch nächstes Jahr ein neuer KV-Vorstand im Bereich Nordrhein gewählt, der sicherlich auch seine eigenen Vorstellungen einbringen werde.

Warum hat sich die Kassenärztliche Vereinigung nicht passend zur Städteregion neu aufgestellt, sondern hält an der Struktur KV Kreis Aachen fest? „Wir haben die Entscheidung bewusst getroffen und setzen auf bewährte Strukturen“, betont Nossek, „um eine bestmögliche Versorgung der Notfallpatienten in der Fläche zu gewährleisten.“ Dies entspreche auch dem Wunsch von Städteregionsrat Helmut Etschenberg. Deshalb ist man laut Nossek nicht auf die Offerte des Klinikums Aachen eingegangen, das eine ganze Etage zur Versorgung der normalen Notfallpatienten der KV sowie für die Fachbereiche Augenheilkunde, Hals, Nase und Ohren und Kinderheilkunde habe bereitstellen wollen. „Dorthin hätten die Betroffenen viel zu weite Wege zurücklegen müssen.“

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert