Herzogenrath - Berufsschüler suchen für ein Filmprojekt die „Kohle im Blut“

Berufsschüler suchen für ein Filmprojekt die „Kohle im Blut“

Von: Nina Krüsmann
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Die Bergbaugeschichte thematisiert: Die Macher des euregionalen Filmes „Kohle in Blut“ im Paul-Julius-Reuter-Berufskolleg. Foto: Nina Krüsmann

Herzogenrath. Die ehemalige Grube Adolf in Merkstein war das erste Ziel der jungen Filmemacher des Aachener Paul-Julius-Reuter-Berufskollegs. Im vergangenen Oktober hatten die Schüler der Klasse HBF112 den Verein „Bergbaudenkmal Grube Adolf“ besucht, der dort ein Stück industrieller Zeitgeschichte lebendig hält, und begaben sich auf Spurensuche.

Denn jahrhundertelanger Bergbau hat die Region und damit auch die Stadt Herzogenrath geprägt. Welche Auswirkungen der Kohlebergbau auf die Menschen der Euregio hatte und wie es sich mit der Integration der Gastarbeiter und ihrer Nachkommen verhält, sollte anhand einer filmischen Dokumentation herausgearbeitet werden.

Bereits zum sechsten Mal arbeitete nun damit eine Klasse „Kaufmännischer Assistenten“ des Berufskollegs an einem Film zur Thematik „Euregio mittendrin“. Nach Porträts von Aachen, Maastricht, Lüttich, Hasselt und Eupen folgte nun ein Film, der die Sozial- und Zeitgeschichte thematisiert.

Die markante Haldenlandschaft in Herzogenrath ist zum weithin sichtbaren Wahrzeichen geworden. Zwischen der Bergehalde und dem ehemaligen Zechengelände Adolf in Merkstein trafen die jungen Leute beispielsweise Ralf Scheuermann vom Verein „Bergbaudenkmal Adolf“ zum Interview. Deutlich wurde: Der Verein erinnert mit seinem Namen und mit seiner Arbeit an die Steinkohlegrube Adolf des Eschweiler Bergwerk-Vereins (EBV), auf der von 1913 bis 1972 beste Fettkohle für die Koksproduktion gefördert wurde.

Zusammenhalt und Vertrauen

In der Maschinenhalle zeigte Scheuermann auch die historische Dampf-Fördermaschine im Betrieb, gab mit einem Film Einblicke in die Lebens- und Arbeitswelt der Kumpels. Ehemalige Bergarbeiter wie Dalou Naili und Sadi Unal verdeutlichten, wie schwer ihre Arbeit war, und sprachen auch über das Risiko der Berufskrankheit durch die Staubbelastung.

Bei weiteren Besuchen im Heerlener Minenmuseum, im Broeklandcollege Hoensbroek sowie im Sint-Jozef-Instituut Genk wurden Gastarbeiter und deren Nachkommen aus Ländern wie Italien, Marokko, Griechenland, Polen und der Türkei interviewt.

Die Berufsschüler fanden heraus: Zum Beispiel aus Marokko kamen viele Arbeitssuchende nach dem schweren Erdbeben 1960 in Agadir in die Euregio. Und: Gerade unter den Bergarbeitern war der Zusammenhalt besonders groß. Vertrauen spielte unter Tage schließlich eine große Rolle. Und da die Kumpel aufgrund ihrer Arbeit ohnehin alle schwarz im Gesicht waren, spielte auch die Hautfarbe keine Rolle. Auch ihre Freizeit verbrachten viele gern miteinander, wie die Schüler herausfanden. Integration geschah oftmals auch durch Sport, besonders Fußball war ein beliebter Ausgleich zur harten Tätigkeit unter Tage. Dies lernten die Schüler bei ihrem Besuch beim Fußballverein KRC Genk im vergangenen Februar.

Entstanden ist aus diesem Material der Film „Kohle im Blut“, der in knapp 30 Minuten zeigt, welche Bedeutung der Kohlebergbau für unsere Region und die Menschen noch heute hat. Die Premiere am Europatag wurde von stürmischem Applaus begleitet.

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