Berufspraxis schnuppern: Mieses Wetter trübt den Bauspaß nicht

Von: Stefan Schaum
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So geht das: Julia Ramakers un
So geht das: Julia Ramakers und David Kolkenbrock sammeln praktische Erfahrungen beim Verbinden der Metallstangen. Foto: Stefan Schaum

Alsdorf. Das Wetter ist so richtig mies, der heftige Wind klatscht den Jugendlichen den Regen mitten ins Gesicht. Davor schützen auch die gelben Bauhelme auf ihren Köpfen nicht. Selbst die schweren Arbeiterschuhe sind nach ein paar Minuten durchnässt. Da müssen die angehenden Architekten und Ingenieure jetzt durch.

Ihr erster Einsatz auf einer richtigen Baustelle ist für die Schüler der Aachener Mies-van-der-Rohe-Schule im wahrsten Wortsinn ein Sprung ins kalte Wasser. Inmitten von Pfützen hantieren sie in Alsdorf an den Eisenstangen, die zum Fundament der Barbarakapelle gehören sollen.

Unerwartete Hilfe hat das Team des Bergbaumuseums da bekommen. Zwar wird die Kapelle mit Unterstützung vieler Ehrenamtler realisiert, doch Schüler aus Aachen waren eigentlich nicht eingeplant. Durch einen Bericht in unserer Zeitung hatte Kathrin Kersting von dem Bauprojekt erfahren und sofort gedacht: „Das isses!” Die Lehrerin für Bautechnik an dem Berufskolleg für Technik ist nämlich immer auf der Suche nach Orten, an denen ihre Schüler in die Praxis hineinschnuppern können.

Sonst ist es vor allem Theorie, die sie auf dem Weg zum Abitur begleitet. „Für uns ist das hier ein idealer Ort, weil die Jugendlichen auch mal selbst mit anpacken dürfen.” Eine Win-win-Situation, wie man neudeutsch sagt. Denn auch der Bau kommt wieder ein gutes Stück voran, als die 14 Schüler im Alter von 17 bis 20 Jahren anpacken. „Wir freuen uns natürlich, wenn auch Jüngere bei uns mit anpacken”, sagt Bergbaumuseumsvereins-Vorsitzender Josef Kohnen.

Nicht unvorbereitet

Die Schüler kommen nicht unvorbereitet. Sie haben während der vergangenen Monate nicht nur einiges über den eigentlichen Bau der Barbarakapelle erfahren, die sie in einem Modell im Maßstab 1:40 im Klassenzimmer schon mal gebaut haben. Auch wissen sie, was es mit der Figur der Heiligen Barbara auf sich hat, die die Bergleute so verehren. So stößt Vereinsmitglied Karl-Peter Schröder auf großes Interesse, als er die Gruppe zunächst in der Kraftzentrale begrüßt und sie mit deren imposanter Architektur vertraut macht.

Dann werfen sich die Schüler in die Arbeitsmontur und stapfen durch den Regen hinüber zur Baustelle an der Herzogenrather Straße. Zu tun gibt es reichlich. Etliche Eisenstangen müssen auf Maß gebracht und mittels Draht miteinander „verflochten” werden. Das macht den Schülern Spaß, trotz der widrigen Bedingungen. „Ist eine nette Abwechslung zum Klassenzimmer”, sagt der 20-jährige Denis Decesin.

Zwar schwebt ihm für sein späteres Berufsleben eine planerische Tätigkeit in einem Büro vor, „aber das kann schon nicht schaden, mal die tatsächliche Arbeit von Handwerkern kennenzulernen”. In Alsdorf gibt es reichlich Tipps von gestandenen Profis, denn viele ehemalige Handwerker engagieren sich nun ehrenamtlich beim Bau. Sie zeigen den Jugendlichen, wie sie richtig mit den Werkzeugen hantieren und die schweren Eisenstangen so schleppen, dass niemand blaue Flecken bekommt.

Der Einsatz, der gut vier Stunden dauert, macht Lust auf mehr. Die Schüler wollen wiederkommen. Dann aber im Sommer, wenn besseres Wetter zu erwarten ist. Bis dahin soll der Bau soweit vorangeschritten sein, dass sie bei der Verschalung der Kuppel mithelfen können. Für eine Extraportion Praxis.
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