Bernd Stelter: „Ich schreibe, bis mir die Hände wehtun“

Von: Nadine Tocay
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Ende September in der Stadthalle Alsdorf zu Gast: Multi-Talent Bernd Stelter spricht im Interview über die Ehe, sein neues Buch und andere schwierige Dinge des Lebens. Foto: Manfred Esser

Alsdorf. Der Kabarettist, Moderator, Karnevalist und Buchautor Bernd Stelter tritt am Mittwoch, 28. September, in der Stadthalle Alsdorf mit seinem aktuellen Programm „Wer heiratet, teilt sich die Sorgen, die er vorher nicht hatte“ auf. In einem Interview mit unserer Zeitung spricht unter anderem er über die Ehe, sein fünftes Buch und über die Rolle der Musik in seinem Leben.

Sie sind zurzeit mit Ihrem aktuellen Programm „Wer heiratet, teilt sich die Sorgen, die er vorher nicht hatte“ auf Tour. Der Titel klingt ja erst einmal so, als würden Sie vom Heiraten abraten.

Bernd Stelter: Überhaupt nicht. Denn eigentlich muss der Satz ja heißen: „Wer heiratet, teilt sich die Sorgen, die er vorher nicht hatte, und wer die Sorgen anderer teilt, wird glücklich.“ Natürlich hätte das nicht alles aufs Plakat gepasst. Aber das ist der Hintergedanke. Wer die Sorgen anderer teilt, wird glücklich und ich sehe dann ja immer wieder bei mir in den Sälen jede Menge glückliche Menschen, und viele davon sind auch verheiratet.

Im normalen Programm, egal um welches Comedyprogramm es geht, heißt es immer: „Männer und Frauen passen nicht zusammen“, oder, „Es ist so schwierig alles“. Man spricht vom Lebensabschnittsgefährten. Und da macht es mir mal Spaß, mich hinzustellen und zu sagen: das genaue Gegenteil! Männer und Frauen passen nicht nur zusammen, es macht sogar Spaß. Und es macht nicht nur Spaß, es ist sogar gesund. Es ist wissenschaftlich nachgewiesen, dass verheiratete Männer signifikant länger leben als Singlemänner. Und das liegt natürlich auch an diesem einen Satz: „Schatz, trink doch mal ein Wasser zwischendurch!“

Sie selbst sind seit 25 Jahren verheiratet, haben Anfang Juni Silberhochzeit gefeiert. Was ist Ihr Erfolgsrezept für eine glückliche Ehe?

Stelter: Es gibt eigentlich kein allgemeines Erfolgsrezept. Das muss jeder für sich selber finden. Wenn ich ein Rezept für mich habe, heißt das ja nicht, dass das auch für meine Nachbarn gilt. Aber ich finde den Satz von Blacky Fuchsberger schon sehr, sehr schön. Der hat gesagt: „Es sind die vier großen V: Verstehen, Vertrauen, Verzeihen, Verzichten.“ Den würde ich unterschreiben. Aber dann hat der gleiche große Mann zwei Sätze später gesagt: „Und dass wir niemals getrennt waren.“

Das kann ich gar nicht unterschreiben. Ich bin Tourneekünstler. Ich bin viel unterwegs und meine Frau bleibt meist zu Hause. Aber das ist auch gut so. Denn wir sind ein bisschen unterschiedlich. Ich bin so ein Typ, ich ziehe gerne mit meinen Jungs um die Häuser. Und meine Frau wohnt gerne. Dann sitzt die im Wohnzimmer und dann wohnt die da. Beim Wohnen kann die ein Buch lesen, Fernsehen gucken, Computer spielen und stricken gleichzeitig. Und das findet sie sensationell. Und ich würde dabei wahnsinnig werden. Man hat also nicht ein Rezept, das für alle gilt.

Ihr jetziges Programm ist Ihr sechstes Bühnenprogramm. Haben Sie keine Angst, dass Ihnen irgendwann die Ideen ausgehen?

Stelter: (lacht) Nein. Ich glaube ein Kabarettist muss einfach mit sehr offenen Augen durchs Leben gehen und sehen, was um ihn herum passiert. Und dann schreibt sich das Programm von selbst. Was waren denn meine Programme? Meine Programme waren „Pubertät ist mehr als Pickel“ bei der Pubertät der eigenen Kinder. Dann war es „Mittendrin - Männer in den Wechseljahren“ und dann war es „Mundwinkel hoch“. Also im Endeffekt schreibe ich übers Leben. Und das findet täglich statt.

In Ihr Bühnenprogramm bauen Sie auch Lieder ein, begleiten sich auf der Gitarre oder dem Klavier. Und nun gibt es sogar den Liederabend „Von Bären, Clowns und Schokolade“ mit Ihren Liedern. Würden Sie sagen, dass die Musik besonderen Stellenwert bei Ihnen genießt?

Stelter: Ja, die Musik ist sehr wichtig in meinem Programm. Der Grund, warum ich immer darum kämpfe, nicht Comedian genannt zu werden ist, weil ein Comedian steht auf der Bühne, hält ein Mikrofon in der Hand und erzählt irgendwas. Hauptsache es ist lustig. Das finde ich nach einer gewissen Zeit immer langweilig. Wenn ich so eine halbe Stunde gelacht habe – meist klappt das nicht mal – aber wenn ich mal eine halbe Stunde lachen würde, wäre mir langweilig.

Man muss auch mal was anderes haben. Man muss sich auch mal zurücklehnen können. Man muss auch mal Gänsehaut kriegen. Und ich möchte halt Geschichten erzählen. Ich möchte, dass es um ein Thema geht. In einem Lied kann man in drei Minuten eine Geschichte erzählen. In einem Lied kann man ganz andere Gefühle transportieren. Dass man sich zurücklehnt, dass man sich wohlfühlt, dass man eine Gänsehaut kriegt, das geht mit einem Lied erheblich besser als in den Prosatexten und viel schneller.

Aber Sie sind ja nicht nur Kabarettist und Liedermacher. Sie engagieren sich im Karneval, schreiben Bücher und arbeiten als Moderator. Gibt es etwas, bei dem Sie sagen: „Das mache ich am liebsten“?

Stelter: Ich fasse es eigentlich anders zusammen: Ich sage einfach, ich kann eigentlich nur zwei Dinge in meinem Leben. Ich kann gut Sachen schreiben und ich kann Sachen, die ich geschrieben habe, gut auf der Bühne präsentieren. Und das mache ich halt im Karneval, das mache ich im Kabarett, bei Büchern und so weiter. Das heißt, die beiden Sachen mache ich.

Ich sitze gerne und schreibe. Genauso wie ich eben gesagt habe, ich bin der Typ der gerne unterwegs ist und loszieht. Genauso gerne sitze ich auch am Schreibtisch. Ich schreibe im Moment mein fünftes Buch. Da sitze ich nächtelang nur am Computer und schreibe, bis mir die Hände wehtun. Und dann gehe ich ins Bett. Und das macht großen Spaß. Ich freue mich dann auch wieder darauf, im nächsten Frühjahr loszugehen und das Buch bei Lesungen vorzustellen. Also so viele Jobs sind das für mich nicht. Schreiben und Vortragen.

Ihr Buch ist der Nachfolger von „Der Tod hat eine Anhängerkupplung“?

Stelter: Genau. Das war der erste Krimi, jetzt schreibe ich den Nachfolger. Und das ist: „Der Killer kam auf leisen Klompen“. Inspecteur Piet van Houvenkamps vom Politiebureau hat wieder richtig Ärger.

Von Ihrem Buch „Der Tod hat eine Anhängerkupplung“ gibt es auch eine Theaterfassung. Wie sind Sie denn auf die Idee gekommen, mit Ihrem Werk ans Theater zu gehen?

Stelter: Das war gar nicht meine Idee. Da hat sich das Theater an mich gewandt. Das Stück soll jetzt Anfang nächsten Jahres aufgeführt werden, und ich werde dabei sein.

Sie sind ja ein viel beschäftigter Mann. Wie schaffen Sie es, das alles unter einen Hut zu bekommen?

Stelter: Nacheinander. Ich glaube wirklich: nacheinander. Den Abgabetermin für mein Buch habe ich am 30. Oktober. Bis dahin muss das fertig sein. Ich bin natürlich zwischendurch ein bisschen auf Tournee, steh‘ auf Bühnen und so. Aber im Grunde genommen gilt die Konzentration im Moment diesem Buch. Und wenn das Buch fertig ist, dann kümmere ich mich um das nächste. Also nacheinander geht das wirklich alles außerordentlich gut.

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