Berichterstattung unter die Lupe genommen: Wenig Politik, zu viele Vereine

Von: Jutta Geese
Letzte Aktualisierung:
12449976.jpg
Haben die Lokalberichterstattung der Nordkreisausgabe unter die Lupe genommen: Marika Jungblut und Bruno Barth. Foto: Jutta Geese

Nordkreis. In einem waren sich die etwa 20 Besucher der Lesung und die beiden Autoren der kleinen Schrift „Presse heute – Verschweigen oder berichten?“, Bruno Barth und Marika Jungblut, einig: Sie wünschen sich eine Tageszeitung, die das lokale Geschehen stärker betont und die Lokalpolitik kritischer begleitet, als dies ihrer Meinung nach heute Aachener Zeitung und Aachener Nachrichten tun.

Darüber, ob zur personellen Stärkung der lokalen und regionalen Berichterstattung auf den überregionalen Politik- oder Sportteil verzichtet werden sollte, gab es jedoch unterschiedliche Meinungen bei der durchaus lebhaften Diskussion in der Buchhandlung Katterbach in Kohlscheid.

Barth und Jungblut beleuchten das Thema aus subjektiver Sicht, das betonten sie bei der Lesung mehrfach. Beide sind Stadtverordnete – Barth für die SPD in Herzogenrath, Jungblut für die Linke in Baesweiler, sie ist zudem Städteregionstagsabgeordnete – und beide sind in diversen Organisationen aktiv.

Sie sind also, wie sie selbst sagen, nicht nur Beobachter der „Pressewirklichkeit“, sondern auch „Mitspieler“. Und als solche haben sie eigene Erfahrungen und Beobachtungen über die lokale Berichterstattung im Nordkreis inklusive der Städteregionsseite zusammengetragen. „Man hat ja so ein Gefühl, dass bestimmte Themen sehr ausführlich, andere sehr knapp oder gar nicht vorkommen“, sagen sie.

Deshalb haben sich Barth und Jungblut zwei jeweils mehrwöchige Zeiträume in den Jahren 2014 und 2015 genauer angeschaut. Und sehen da ihre These bestätigt, dass zu wenig über die Rats- und Ausschussarbeit sowie die städteregionale Politik berichtet wird.

Zu viel Vereinsberichterstattung, zu wenig selbst recherchierte Artikel, zu viele Übernahmen von Pressemitteilungen, ohne diese als solche kenntlich zu machen, zu wenig Kommentare lautet ihr Fazit. Dies sei dem hohen Arbeitsdruck der Redakteure geschuldet, schreiben sie. Und sie bemängeln, dass die personelle Ausstattung Redaktion „dürftig“ sei.

„Das Konstrukt der hauptamtlichen Journalisten und der freien Mitarbeiter ist äußerst fragil. Und so hängen Qualität und Quantität eines erschienenen Artikels oft davon ab, welche Person gerade zur Berichterstattung beordert wurde“, heißt es in ihrem Fazit.

Dennoch beklagen Barth und Jungblut, der Umfang des Lokalteils sei zu gering. Wobei sie einräumen, dass es „ein Drahtseilakt“ sei, die Interessen aller Leser aus den vier Städten angemessen zu berücksichtigen. „Wahrscheinlich interessiert die Leser in Beggendorf nicht, was in Bank oder Wilsberg passiert ist und umgekehrt.“

Anhand von zwei ihrer Herzensthemen – dem transatlantischen Handelsabkommen TTIP und dem geplanten Radschnellweg Aachen – Heerlen – versuchen die Autoren nachzuweisen, dass Themen im Lokalen lange „totgeschwiegen“ werde beziehungsweise die Berichterstattung einseitig sei. Ausführlich legen sie dar, wann was wo berichtet wurde. Die Frage, ob die Mehrzahl der Leserinnen und Leser von AZ/AN diese Themen ebenfalls so wichtig finden wie sie selbst und auch möglichst viel darüber lesen wollen, stellen die Autoren dabei nicht.

Die Diskussion drehte sich dann nach der Lesung – wenn auch ergebnislos – vor allem um die Frage, wie die Lokalberichterstattung verändert, verbessert und gestärkt werden kann. Und zwar die in der Zeitung. Denn die, das sagten Autoren und Zuhörer an dem Abend übereinstimmend, sei trotz Internet unverzichtbar. „Das Internet ist gut, wenn ich gezielt nach etwas suche.

Aber es bietet mir nicht den Überblick über das, was in meiner unmittelbaren Umgebung los ist. Und in der Zeitung stoße ich ganz nebenbei auf Dinge, die ansonsten an mit vorgehen würden“, brachte es Kai Baumann auf den Punkt, Ratsmitglied der Piraten-Partei in Herzogenrath. Und noch immer gelte, dass nicht stattgefunden habe, was nicht in der Zeitung gestanden habe.

Leserkommentare

Leserkommentare (1)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert