Bergbaufaszination unter Tage hautnah erlebt

Von: mabie
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So war es in der „Kull“: Dunkel, eng und natürlich ein wenig staubig geht es auch im Alsdorfer Schaustollen zu, der die Bergbautechnik eindrucksvoll demonstriert. Foto: Markus Bienwald

Alsdorf. Ein Blick hinter die Kulissen lässt sich wohl am besten daran bewerten, wie viel Staub nachher an den Schuhen der Teilnehmer zu finden ist. Im Falle unserer Lesertour im Alsdorfer Energeticon war das eine ganze Menge.

Wer nun eine vom Vorsitzenden des Vereins Bergbaumuseum Grube Anna, Dr. Georg Kehren, und dem Geschäftsführer des Energeticon, Harald Richter, geführte Tour durch die reine Geschichte des lokalen Bergbaus erwartet hatte, wurde angenehm überrascht. Es ging um viel mehr als nur die gespeicherte Sonnenenergie im Fels: „Schließlich ist das hier kein Freilichtmuseum, sondern muss moderner Nutzung angepasst werden“, machte Richter gleich zu Beginn deutlich.

Gut zu Fuß zu sein, lohnte sich an diesem prall vollen Mittag. Zwar ließ das altgediente Bergleute wie den 73-jährigen Heinz Zander kalt, wenn er sich wegen eines Hüftbruchs nur auf Krücken bewegen konnte. Dass die noch erhaltenen und künftigen Einrichtungen des Energeticon aber weit mehr als nur eine Krücke sind, um die Erinnerung an die bis 1992 betriebene Zeche Anna und ihre Bedeutung sehr lebendig zu machen, wurde aber schnell deutlich. Denn nach einer kurzen Sammlung in der Umformerhalle des ehemaligen Fördermaschinenhauses, ging es gleich „backstage“. Und das war wörtlich zu nehmen, denn mit einem Blick in den kleinen Saal und seiner gigantischen Maschine, ging es gleich in Bereiche, die sonst nur Künstlern oder Mietern des Objektes zugänglich sind.

Ein paar Schritte neben dem gewaltigen Rad, das früher die Räder am leider nicht mehr vorhandenen Fördergerüst von Anna II drehte, und schon öffnet sich unter Tage die Pracht der alten Zeit. Natürlich ist es hier nur der Keller, doch das vom Verein Bergbaumuseum zusammengetragene Material hinter der Künstlergarderobe versetzte die Teilnehmer gleich zurück in die Arbeitswelt unter Tage. Schaufeln, Hämmer, Bohrer, Bohrgestänge und Pickhämmer zeigten, wie schwer es war, dem Berg sein schwarzes Gold zu entreißen.

Unter der Decke sind noch immer Isolatoren zu sehen, die früher freiliegende elektrische Leitungen gegen das Gebäude absicherten. Die gewaltige Bremse, durch Verkäufe von Gewichten ihrer früheren Ausdehnung etwas beraubt, zieht die Blicke auf sich wie auch die aus dem chemischen Labor der Kokerei geretteten Gerätschaften. Auch Alltagsgegenstände der Bergleute und Bergmannsfamilien finden sich hier.

„Später, wenn alles fertig ist, werden wir eine Ausstellung haben, in der all dies einmal zu sehen ist“, freute sich Dr. Kehren. Später, das ist der 20. August 2014. Pünktlich um neun ist dann das neue Bild des Energeticon, dessen Antlitz sich in mehr oder weniger detaillierter Art und Weise unseren Tourgästen schon zeigte, fertig.

Bis dahin gibt es noch viel zu tun: Der einzigartige Kuppelbau der Bergmannskapelle mit der originalen Barbarafigur zum Beispiel harrt seiner Fertigstellung. Oder auch die dann völlig umgebaute Schmiede. Sie wird, wie heute schon das umgenutzte Fördermaschinenhaus, einen Veranstaltungsteil beinhalten. Aber hier wird auch die Zukunft auf dem historischen Gelände einziehen. „Diese Wand kommt noch weg“, deutete Harald Richter auf eine Zwischenwand im Bau, dann wird sich hier der im Endausbau tageslichtfreie „Sonnenraum“ ausbreiten.

Was ein wenig paradox klingt, macht Sinn, wenn einmal die Planung für die künftige Auslegung des Energeticon betrachtet wird. „Wir wollen künftig die Besucher nicht in einer verstaubten Art und Weise, sondern in sehr plastischer Form ansprechen“, sagt Harald Richter.

Der künftige Fokus liegt in einer Rückschau auf den erdgeschichtlichen Ursprung von Energie, das fossilindustrielle Zeitalter mit rücksichtsloser Nutzung der wertvollen fossilen Vorräte der Erde und das regenerativ-industrielle Zeitalter, in dem sich die industrielle Jetztzeit-Gesellschaft wieder mit der früher üblichen regenerativen Energieversorgung beschäftigt. Das geschieht mit Rauminstallationen, Projektionen, Filmen und viel Anschauungsmaterial.

„Wir verteufeln in keiner Weise industrielle Energieträger, wollen aber das Thema Energiewende in wechselnden Ausstellungen und immer wieder neuen Veranstaltungen zu unserem Thema machen“, schloss Richter. Das wird auch mit einer „Abfahrt“ auf die bestehende 5000-Millimeter-Sohle gelingen. Denn hier können sich die Gäste nach dem Ausstieg aus dem Fahrstuhl ein auch von den Arbeits- und Umgebungsgeräuschen her eindrucksvolles Bild von den früheren Arbeitsbedingungen unter Tage machen.

Und wenn sie dann, vielleicht auch ein wenig verstaubt aus der Wäsche gucken, entdecken sie vielleicht auch Jacques und Nico. Ersterer „schuftet“ als Puppe im bereits angelegten Stollen, und Nico wird ihm auf einer ebenfalls zu sehenden Förderstrecke künftig zur Hand gehen.

Beide werden aber keine die Chance haben, sich in der ebenfalls im Umbau und Restaurierung befindlichen Kaue wieder vom Streben nach Kohle erholen zu können. Denn nach Hause zu den Familien gehen, dass dürfen am Ende des Tages auch im künftigen Energeticon nur die Gäste. Jacques und Nico müssen in der Dunkelheit bleiben.

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