Beratungsstellen unterstützen Familien in Erziehungsfragen

Von: Annika Kasties
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Den Gefühlen auf den Grund gehen: Wenn es Kindern schwer fällt, über ihre Probleme zu sprechen, holt Diplom-Pädagogin Anna Schmitz von der Beratungsstelle Herzogenrath Handpuppe Paul hervor. Mit ihm redet es sich oft leichter als mit einem Erwachsenen. Foto: Annika Kasties

Nordkreis. Es ist ein typischer Fall, der vielen Familien bekannt sein dürfte: Die Eltern leben seit einiger Zeit getrennt und das Kind droht irgendwo zwischen den Stühlen den Halt zu verlieren. Auffälliges Verhalten. Zornesausbrüche. Aufmüpfigkeit. Es kommt wiederholt zum Streit. Zwischen Mutter und Vater, Mutter und Sohn, Sohn und Vater. Jutta Riemer-Brilon und ihre Kollegen von der Beratungsstelle für Eltern, Kinder und Jugendliche der Städteregion in Herzogenrath betreuen viele solcher Fälle. Sie bieten niedrigschwellig Hilfe an, wenn Eltern und Kinder nicht mehr weiter wissen. Alles, was dafür nötig ist, sind ein Anruf und ein Termin.

Trotzdem ist der Weg zur Beratungsstelle aufgrund innerer Hürden für viele Menschen nicht leicht. Diplom-Psychologin Riemer-Brilon eröffnet deshalb das erste Beratungsgespräch stets mit einem afrikanischen Sprichwort: „Es braucht ein ganzes Dorf, um ein Kind im Leben zu begleiten.“ Damit möchte sie Ratsuchenden das Schamgefühl nehmen.

„Es ist normal, dass eine alleinerziehende Mutter nicht alles allein stemmen kann“, betont sie. Die Erkenntnis, dass es keine Schande, sondern im Gegenteil völlig normal sei, sich externe Hilfe und Rat zu suchen, sei für die Eltern – ob alleinerziehend oder nicht – eine große Erleichterung. Riemer-Brilon ergänzt: „Wenn die Ressourcen in einem Familiensystem nicht da sind, dann muss man gucken, wo man diese herkriegt.“

Die Zahl der Familien, die Hilfe bei der Erziehung brauchen, nimmt zu. Im vergangenen Jahr haben insgesamt 1067 Familien die beratend-therapeutische Hilfe der drei städteregionalen Erziehungsberatungsstellen in Herzogenrath, Eschweiler und Stolberg in Anspruch genommen. Die Anlässe sind dabei so vielfältig wie die Familien selbst.

Ein großer Schwerpunkt ist auch in Herzogenrath das Thema Trennung und Scheidung. Viele Schwierigkeiten lassen sich auf diese tiefgreifende Veränderung in der Familienstruktur zurückführen.

Laut Elisabeth Pajonk sind die Herausforderungen an Familien vielschichtiger geworden. „Die Struktur der Familie hat sich einem Wandel unterzogen. Das bedeutet Patchwork, Multikulti, Arbeitslosigkeit und vieles mehr“, sagt die Sozialpädagogin. Aufgabe der Beratungsstelle sei es, diese Veränderungen in der Gesellschaft genau zu beobachten und das Angebot entsprechend zuzuschneiden.

Dafür erhielt die Beratungsstelle Herzogenrath gemeinsam mit den Standorten Eschweiler und Stolberg zum fünften Mal ein Gütesiegel der Bundeskonferenz für Erziehungsberatung. Die Auszeichnung gilt bis November 2017.

Gute Vernetzung

Maßgeblich für die Auszeichnung sei neben dem Beratungsangebot selbst auch die Kooperation mit anderen Einrichtungen. Dazu gehört unter anderem die Beratungsstelle der Caritas in Alsdorf, die ebenso ein wichtiger Anlaufpunkt für Eltern im Nordkreis ist.

In den vergangenen Jahren habe sich das Aufgabenfeld der Erziehungsberatungsstelle verschoben, berichtet Riemer-Brilon. „Die Versorgung von Kindern im Schul- und Kindergartenalter wird mittlerweile im großen Maße an Institutionen abgegeben. Wenn Kinder weniger Zeit im Familienverband verbringen, müssen wir als Beratungsstelle unser Angebot auch mehr an Erzieher richten.“ Deshalb arbeitet die Beratungsstelle auch vermehrt mit Familienzentren und Schulen zusammen und bietet Kurse und Fortbildungsmöglichkeiten für Erzieherinnen und Lehrer an.

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