Bemerkenswerte Reise mit der „Linie 47”

Von: Elisa Zander
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Fahrt mit dem Bus: Celine Jaco
Fahrt mit dem Bus: Celine Jacobi, Minea Hoppe, Antonia Stahlberg, Jerome Kämpf, Anna-Leyla Dreßen (vorne von links) sowie Sarah Ellerbrock und Franziska Savelsberg (hinten von links) stellen unterschiedliche Typen dar. Foto: Elisa Zander

Herzogenrath. Das hatte sie sich eigentlich ganz anders vorgestellt. Händchen halten, Ausflüge, Kuschelnachmittage auf der Couch. Aber der Kerl, in den sie sich Hals über Kopf verliebt hat, ist weg. Sie hat keine Adresse, nur einen Namen (Johnnie), von dem sie nicht einmal weiß, ob er stimmt, und eine Richtung: Aachen.

Und so macht sich die junge Frau, sie ist so um die 16 Jahre alt, mit der Buslinie 47 auf in die große Stadt - mit Rucksack, etwas Geld und dem Wissen, dass sie schwanger von dem Mann ist, mit dem sie nur eine Nacht verbracht hat.

Mit dem Musical „Linie 47” greift das Ensemble, die Theatergruppen der Europaschule Herzogenrath und der Roda-Schule, die Geschichte des Theaterstücks „Linie 1” des Grips Theater Berlin auf. Es ist ein Stück über das Leben und Überleben in der Großstadt, über Hoffnung und Anpassung, Mut und Selbstbetrug, zum Lachen und Weinen, zum Träumen und Nachdenken.

Punks, Dealer, Spießer

Die Suche nach dem Traumprinzen beginnt für das Mädchen am Aachener Bushof. Rechtsradikale, Alkoholiker und Arbeitslose pöbeln sie an, wollen Geld. Immer wieder versucht es sich aus der Affäre zu ziehen, fragt sich durch. Im Problemviertel, dem Aachener Osten, trifft die Hauptperson auf zwei Jugendliche ihres Alters. Sie singen von den schönen Dingen des Lebens, wollen Spaß. „Und wenn man von dem Spaß schwanger wird?”, fragt die junge Frau. „Teuer”, lautet die schlichte Antwort.

Der Schauplatz ändert sich. Im Bus, unterwegs zur nächsten Anlaufstelle, wird man Zeuge einer Diskussion zwischen einem alten Mann, der ausländerfeindliche Hasstiraden ablässt, und Jugendlichen, die ihn mit ihrer relaxten Art auf die Palme bringen.

Die Szenen sind Schauplätze des urbanen Lebens, ein gesellschaftliches Kaleidoskop aus Punks, Dealern und Sinnsuchern, Arbeitslosen, bürgerlichen Spießern, kampflustigen Rentnern und verliebten Teenagern.

Da das Musical in einem Bus spielt, las eine Zusammenarbeit mit dem Aachener Nahverkehrsunternehmen „Aseag” nahe. Dieses finanzierte Werbekampagnen, beklebte einen Bus mit Informationen zum Stück und dem gesamten Ensemble. Darüber hinaus wurden unterschiedlichste Requisiten gestellt. Bus-Sitze etwa, mit Haltestangen, Haltestellenschilder und auch die typische Arbeitsuniform. Die tragen im Stück sowohl die Kontrolleure als auch die Mitglieder der Schulband, die die musikalische Seite der Inszenierung gekonnt übernimmt.

Kurzweilig und ohne Schwächen

Eingängige Lieder und Melodien gibt es von den vier Musikern an den Instrumenten und insgesamt sechs Sängerinnen und Sängern.

Attribute, die häufig bei Schulaufführungen zu finden sind, bleiben bei der Aufführung lobenswerterweise aus: Nach faden Stellen, lustlosen Darstellern oder Texthängern sucht man vergebens. Hier machen sich die vielen Monate der Vorbereitung deutlich bemerkbar.

Intensiv haben Schüler und Lehrer, darunter auch Theaterpä-dagogin Nicole Jacobi und Koordinatorin Kulturarbeit Imke Voigt, an dem Stück gearbeitet, und eigene Erfahrungen in das Bühnenstück einfließen lassen.

Die Arbeit hat sich gelohnt: Eine durchweg gelungene Inszenierung, die Spaß macht, kurzweilig ist und unterschwellig gesellschaftliche Klischees sozialkritisch hinterfragt.
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