Bemerkenswert: 19-Jähriger macht neben der Ausbildung sein Abi

Von: Anja Klingbeil
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Hat neben seiner Berufsausbildung Abitur gemacht: Philipp Laufenberg. Foto: Anja Klingbeil

Alsdorf/Herzogenrath. Ein Tag hat eben nur 24 Stunden. Für manchen ist das viel zu wenig. Für Philipp Laufenberg war es das mitunter auch. „Aber irgendwie hat es immer funktioniert. Zu keinem Zeitpunkt habe ich meine Entscheidung bereut. Ich habe viele Erfahrungen gesammelt”, erzählt er und lächelt.

Vor wenigen Wochen erst ist er 20 Jahre alt geworden. Genau einen Tag, nachdem er seine Ausbildung zum Fachinformatiker mit der Note „sehr gut” abgeschlossen hat.

Ein halbes Jahr zuvor hat Philipp Laufenberg sein Abitur am Herzogenrather Gymnasium mit Bravour bestanden. 1,6 steht als Note auf seinem Schulabschlusszeugnis.

Um so erstaunlicher, wenn man bedenkt, dass Philipp drei Jahre lang eine Doppelbelastung auf sich genommen hat. „Aber das habe ich nie bereut”, sagt er bestimmt.

Der Erfolg gibt ihm recht, das „Prinzip Laufenberg” hat bestens funktioniert. Parallel zur gymnasialen Oberstufe hat Philipp seine Ausbildung beim Alsdorfer Softwareunternehmen Veda gemacht.

Die Partnerschaft zwischen Herzogenrather Gymnasium und der Alsdorfer Firma besteht nun schon seit mehreren Jahren im Rahmen der IHK-Initiative „Kurs” (Kooperation Unternehmen der Region und Schule).

Während eines Schulpraktikums vor vier Jahren lernte Philipp Laufenberg das Softwareunternehmen kennen. Daraus entwickelte sich schließlich das „Herzogenrather Modell”, Abitur und Ausbildung parallel zu absolvieren.

In Absprache mit der Schule, der IHK, dem Softwareunternehmen sowie Philipp und seinen Eltern wurde dieses Modell beschlossen. Neben der Oberstufe nahm Philipp am Berufsschulunterricht teil und machte gleichzeitig seine Ausbildung zum Fachinformatiker Anwendungstechnik.

„Die Herausforderung bestand darin, einen jungen Menschen zu begleiten, ihn zu fördern und zu stützen. Besonderes Augenmerk erfordert es, ihn nicht zu überfordern”, sagt Reinhard Granz, Leiter des Gymnasiums Herzogenrath. Doch überfordert, sagt Philipp selbst, habe er sich nie gefühlt.

An zwei Tagen in der Woche besuchte der 20-Jährige die Berufsschule, an drei Tagen das Gymnasium und an drei Nachmittagen war er in Unternehmen.

Wie alle anderen Oberstufenschüler und Auszubildenden schrieb er alle Klausuren mit. Standen Leistungskurse oder Klausuren an, wurde er ein paar Stunden vom Unterricht des Berufskollegs befreit. Ob da noch viel Zeit für Hobbys, Freundeskreis und Freundin bleibt?

„Es hat nichts gelitten, ich hatte noch genug Zeit für andere Dinge. Ich spiele immer noch Basketball, habe an den Wochenenden gefeiert und mit meiner Freundin bin ich auch immer noch zusammen”, erzählt Philipp.

Gelernt hat er eben manchmal zu ungewöhnlichen Zeiten. Zwischen 23 und 24 Uhr etwa, auf der von seinem Mathelehrer eingerichteten Lernplattform im Unterricht.

Oder morgens vor der Schule, hat er von seinem Homeoffice aus, noch an den Projekten für Veda weiterentwickelt. „Philipp hätte auch ein Jahr überspringen können im Rahmen der Begabtenförderung, aber ihm waren sein soziales Umfeld und seine Klassenkameraden sehr wichtig”, betont Reinhard Granz.

Im April will Philipp nun mit seinem Studium der Betriebswirtschaftslehre beginnen. Bis dahin ist er bei Veda festangestellt.

„Er ist einfach gut und die Kunden mögen ihn”, sagt die Personalleiterin Sabine Schmitt. „Philipp hat nun gegenüber anderen einen enormen Zeitvorteil. Für uns ist er der Prototyp des neuen Mitarbeiters: kreativ, intelligent, kann sich flexibel in neue Projekte einarbeiten”, fügt Dr. Ralf Gräßler, Veda-Geschäftsführer hinzu.

Und Philipp? Der hat sich mit seinem Ausbildungsgehalt sein Auto finanziert und vor allen Dingen eines: „Ich habe mir all das leisten können, worauf ich Lust hatte. Das meiste habe ich in Spaß investiert.”
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