Nordkreis - Beim Türsteher endet oft der Partyspaß

Beim Türsteher endet oft der Partyspaß

Von: Beatrix Oprée
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Gedränge vor der Diskotür: Die Türsteher sind für viele ein gefürchtetes Hindernis. Wer kommt rein?, lautet jedes Mal die spannende Frage. Foto: stock/Brunnthaler

Nordkreis. „Heute nicht!“ Zwei harmlos klingende Wort sind es, die bei Sinan A. je nach Stimmungslage Resignation, Frust oder Wut wachsen lassen. „Heute nicht“, sei er schon zu oft abgewiesen worden, wenn er mit Freunden erwartungsvoll vor der Diskotür gestanden habe.

Jüngst bei einer Vorabi-Fete bei Berks-Dancing, für die er und Bekannte Tickets geschenkt bekommen hatten. Einer der Türsteher habe seinem türkischen Freund gar das Eintrittsgeld zurückzahlen wollen. Nur nach Einschalten einer Einladerin sei schließlich Einlass gewährt worden – Feiern war da nur noch mit gemischten Gefühlen möglich.

Sinan ist 20 Jahre alt, vor 18 Jahren flüchtete seine Familie vor den Bürgerkriegswirren aus Bosnien. Einen Migrationshintergrund sieht man ihm, der akzentfrei Deutsch spricht, nicht an, auch sein Alter nicht unbedingt, weshalb oft noch nach seinem Ausweis gefragt wird. „Dann wird immer lange hineingeschaut“, sagt Sinan und zuckt mit den Schultern: „Die Antwort kann man sich meist schon denken... Je größer der Andrang, umso kleiner die Chance“, bilanziert er. „Ich bin auch schon als ,zu besoffen‘ abgekanzelt worden, obwohl ich definitiv nichts getrunken hatte“, berichtet Sinan. „Nach mir ist dann ein völlig betrunkener Typ durchgelassen worden. Als ich nachfragte, warum der rein dürfe, hat man nur zurückgefragt: ,Warum nicht?‘“

Sinans Freundin Lena (18), wie er auf dem Weg zum Fachabitur am Berufskolleg, hat ähnliche Beobachtungen gemacht, schränkt aber ein: „Wenn wir zu zweit sind, ist es einfacher.“ Dass größere männliche Cliquen durchaus Unruhepotenzial für Discos bergen, sehen beide ein. Aber: „Das gilt doch für alle Nationalitäten. Wir haben auch schon Stress durch Deutsche miterlebt.“

Albert Spiertz, Betreiber der überregional populären Rockfabrik in Übach-Palenberg, verweist im Gespräch mit unserer Zeitung auf langjährige Erfahrung in der Branche: „Grundsätzlich kommt bei uns jeder rein, der vernünftig angezogen ist, der rein passt, nicht alkoholisiert ist, keine Drogen mitbringt und sich benimmt. Bei privaten Partys bestimmt der Gastgeber, wer Einlass erhält.“ Davon könne sich jeder gerne selbst überzeugen, lädt er ein. Oberstes Gebot in seinem Hause sei die Vermeidung von Zwischenfällen, die Gäste sollen gut und sicher feiern können: „Da kann es genauso Deutschen wie Nichtdeutschen passieren, dass sie abgewiesen werden.“ Spiertz ist froh und stolz, dass er Großveranstaltungen wie zu Karneval mit 10.000 Besuchern oder das Oktoberfest mit 15.000 Besuchern ohne Polizeieinsatz über die Bühne gebracht hat. Er vertraut dabei auf das „gute Auge der Tür“: „Wir haben regelmäßig Besprechungen mit der Sicherheitsfirma, denn wir leben von den Leuten, die wir hineinlassen und nicht von denen, die wir nicht hineinlassen. Ständig Stress im Haus geht aber auch nicht!“

Eine Mutmaßung, die häufig die Runde macht, nämlich die von der angeblichen „Ausländerquote“, weist Spiertz rundweg zurück: „So etwas gibt es bei uns absolut nicht!“ Über den Prozentsatz ausländischer Gäste habe er sich noch nie Gedanken gemacht. Allerdings räumt er ein: Cliquen seien grundsätzlich ein Problem, egal woher sie stammen. Bei türkischen Gruppen jedoch komme es auch in anderen Häusern vor, „dass sie alle vor der Tür haben, wenn sie nur einem, der sich nicht benimmt, einen Platzverweis erteilen. Dann herrscht plötzlich ein Riesentumult.“

Bei Deutschen gibt es in dieser Hinsicht offenbar weniger „Solidarität“. Dennoch: In größeren Gruppen kämen Gäste generell nicht rein. „Unsere Leute an der Tür kennen ihre Pappenheimer. Sie lassen auch eigene Landsleute draußen, wenn sie wissen, dass es durch sie Ärger geben kann.“ Wer vor der Tür schon Theater mache, habe ohnehin verspielt. „Zum Glück gibt es das Hausrecht“, sagt Spiertz. Und ist gar nicht gram, dass ihm, dem erfolgreichen Diskotheken-Betreiber, selbst auch schon der Zutritt zu einem Club verwehrt worden ist, im Umfeld des Oktoberfestes in München. „Das muss man eben zur Kenntnis nehmen und gehen.“

Auch Harald Berks von Berks Dancing in Würselen nimmt Stellung. Neben den Auflagen des Jugendschutzgesetzes, sagt er, „gilt für unser Haus ein grundsätzliches Einlassverbot für stark alkoholisierte Gäste. Ebenfalls spielt das Sozialverhalten der Gäste vor dem Einlass eine entscheidende Rolle; Gäste die nach dem Eindruck unserer Mitarbeiter ein gewisses Aggressionspotenzial aufweisen, wird der Einlass verwehrt.“ Keineswegs werde dabei analog einer „Quote“ gehandelt.

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