Würselen - Beim Rauchen gibt es keine „gesunde“ Variante

Beim Rauchen gibt es keine „gesunde“ Variante

Von: Annika Kasties
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Für Dr. Björn Schwick, Leiter der Lungenklinik im Medizinischen Zentrum Würselen, ist klar: Auch wenn der Konsum von E-Zigaretten ungefährlicher ist, als der einer herkömmlichen Zigarette, ist die Gefährdung der Gesundheit nicht auszuschließen. Foto: Annika Kasties

Würselen. Immer mehr Jugendliche greifen zum elektrischen Glimmstängel. Die Bundesregierung will jetzt den Verkauf von E-Zigaretten und E-Wasserpfeifen an Kinder und Jugendliche in Deutschland verbieten. Und das unabhängig davon, ob sie Nikotin enthalten oder nicht.

Bundesfamilienministerin Manuela Schwesig (SPD) und Ernährungsminister Christian Schmidt (CSU) kündigten am Donnerstag an, mit dem Verbot eine entsprechende Lücke im Jugendschutzgesetz schließen zu wollen. Für Dr. Björn Schwick, Chefarzt der Klinik für Pneumologie im Medizinischen Zentrum (MZ) Würselen, ist dies ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung, wie er im Interview sagt.

Was unterscheidet eine elektrische Zigarette von einer herkömmlichen Tabakzigarette?

Schwick: Der wesentliche Unterschied zur herkömmlichen Zigarette besteht darin, dass es zu keinem Brennvorgang kommt. Das Nikotin wird nicht verbrannt, sondern verdampft. Über diese Verdampfung fallen weniger toxikologische Stoffe an, die man inhaliert. Diese Stoffe sind letztlich das Gefährliche beim Rauchen. Nicht das Nikotin führt zur Krebserkrankung – es bewirkt „nur“ die Abhängigkeit. Die Krebs erregenden Wirkstoffe sind die Brennstoffe, die beim Rauchen einer herkömmlichen Zigarette anfallen. Der größte Risikofaktor zur Entstehung von Lungenerkrankungen ist beispielsweise das Teer. Dadurch ist eine E-Zigarette toxikologisch nicht so gefährdend wie eine normale Zigarette.

Ist die E-Zigarette also die „gesunde“ Variante der Zigarette?

Schwick: So weit würde ich nicht gehen. Man weiß bisher noch nichts über die Langzeitwirkung von E-Zigaretten, weil diese noch nicht so lange auf dem Markt sind. Es ist sicherlich so, dass der Konsum einer elektrischen Zigarette wesentlich ungefährlicher ist, als der einer normalen Zigarette. Als „gesund“ kann man sie aber nicht bezeichnen.

Von welchen Gesundheitsrisiken durch elektrische Zigaretten kann man denn ausgehen?

Schwick: Es gibt zum jetzigen Zeitpunkt keine Hinweise dafür, dass E-Zigaretten Lungenkrebs oder eine chronisch obstruktive Lungenerkrankung, kurz COPD, verursachen. Das sind die beiden großen Erkrankungen der Lunge, die durch Nikotin verursacht werden. Man kann der elektrischen Zigarette aber dafür auch keinen Freischein ausstellen. Fakt ist: Eine Langzeitgefahr durch E-Zigaretten kann nicht ausgeschlossen werden. Bisher fehlen noch die Langzeitstudien. Es gibt eben vieles, das man im Moment über E-Zigaretten und E-Shishas noch nicht weiß, und deshalb lautet mein Rat: vorsichtig sein.

Das Gleiche gilt auch fürs Passivrauchen?

Schwick: Genau, das ist auch wieder so eine Frage. Es kann nicht ausgeschlossen werden, dass die Emissionen aus E-Zigaretten unerwünschte gesundheitliche Effekte für Dritte haben können. Solange man das nicht weiß, sollte man Abstand halten.

Man hört immer wieder, dass Menschen versuchen, sich mithilfe der E-Zigarette das Rauchen abzugewöhnen. Ist das eine Möglichkeit, die Sie Ihren Patienten raten?

Schwick: Ich kenne Patienten, denen es durchaus gelungen ist, über die E-Zigarette ganz aufs Rauchen zu verzichten. Ich kann mir das gar nicht so recht erklären. Letztendlich scheinen diese Menschen irgendwann keine Lust mehr aufs Rauchen zu haben. Doch eigentlich gibt es keine guten Hilfsmittel, um sich das Rauchen abzugewöhnen. Meine Erfahrungen mit Akupunktur, Hypnose und Nikotinpflastern sind überwiegend schlecht. Rauchen ist vor allem eine Kopfsache. Mein Ratschlag Nummer Eins ist deshalb nach wie vor: Man sollte sofort aufhören und nicht versuchen, das Rauchen langsam zu reduzieren. Denn dann kommt es häufig vor, dass man sich letztlich nur selbst betrügt. Wenn man sich sagt, dass man jetzt nur noch fünf Zigaretten am Tag rauche, dann sind es doch schnell wieder zehn am Tag und am Wochenende wieder 15... Man sollte sich einfach sagen: Das ist meine letzte Zigarette und jetzt ist Schluss.

Sie sprechen davon, dass Rauchen eine Kopfsache ist. Nun werden E-Zigaretten zum Teil mit Geschmacksstoffen wie Erdbeere und Schokolade versehen. Besteht dadurch nicht die Gefahr, dass Jugendliche ans Rauchen gewöhnt werden, selbst wenn die Flüssigkeit, die verdampft wird, keinen Tabak enthält?

Schwick: Absolut. Es besteht die Gefahr, dass der Lifestyle des Rauchens und die Handhabung einer Zigarette aufrecht erhalten wird und man über die elektrische zur regulären Zigarette kommt. Die Versuchung ist dadurch, dass die Jugendlichen daran gewöhnt werden, etwas in der Hand zu halten und zu inhalieren, schneller da. Gerade bei Jugendlichen besteht die Gefahr, dass sie denken, dass sie mit einer E-Zigarette cool aussehen. Vor allem, wenn diese frei verkäuflich ist und beworben wird. Auch wenn E-Zigaretten oft einen niedrigeren Nikotingehalt haben als herkömmliche Zigaretten – das Abhängigkeitspotenzial ist bei der elektrischen Zigarette gegeben. Es wird Nikotin verdampft und Nikotin macht süchtig.

Die E-Zigarette könnte das Rauchen wieder salonfähig machen?

Schwick: Ganz genau. Die Gefahr besteht.

Die Bundesregierung will den Verkauf von E-Zigaretten und E-Shishas an Kinder und Jugendliche verbieten. Das Verbot soll auch solche einschließen, die keinen Tabak enthalten. Was halten Sie davon?

Schwick: Ich halte das für sehr sinnvoll. Der Tabakindustrie ist es mit der E-Zigarette schließlich nicht daran gelegen, dass weniger Menschen rauchen. Die erhofft sich vielmehr ein zusätzliches Feld, das betrieben werden kann. Man sollte die Jugendlichen davor beschützen. E-Zigaretten sind eben für Kinder und Jugendliche nicht geeignet. Für Erwachsene natürlich auch nicht. Doch die müssen ihre eigenen Erfahrungen machen.

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