Beim Fechten Fairness und Geduld lernen

Von: Lars Odenkirchen
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So geht das: Fechtmeister Wolfgang Marzodko übt mit seinen Schülern den Ausfallschritt. Dabei geht es nicht nur um die Fußstellung, sondern auch um die korrekte Haltung des Oberkörpers. Foto: Lars Odenkirchen

Würselen. Ob bei den drei Musketieren oder im Piratenfilm: Es ist faszinierend und spannend, wenn sich zwei Duellanten gegenüberstehen, jeder auf den entscheidenden Fehler des Gegenübers wartet und die Degen mit lautem Klirren aneinanderstoßen.

Gerade so mancher junge Zuschauer oder Leser hat sich da sicher schon gewünscht, einmal selbst den Degen in der Hand zu haben und die Klingen zu kreuzen. Julia, Tim, Janosch, Tobias, Fabian und Felix machen diesen Traum jetzt wahr: In der neu gegründeten Fechtabteilung des Judoclubs Würselen lernen sie, das Florett zu beherrschen.

Zur Seite steht ihnen dabei ein erfahrener Fechtmeister: Wolfgang Marzodko leitet die Neun- bis Zwölfjährigen an. Dabei kann er nicht nur auf eine Ausbildung als staatlich geprüfter Sportlehrer, sondern auch auf seine Erfahrung als Mitglied der deutschen Säbel-Nationalmannschaft, mehrmaliger Deutscher Meister und zweimaliger Europameister zurückgreifen.

Jetzt leitet er das Training der neu gegründeten Fechtgruppe, wobei die Floretts zunächst einmal in der Ecke liegen bleiben müssen: Einfach „drauf los” wie im Film geht es beim Sportfechten natürlich nicht, zunächst einmal sind Trockenübungen angesagt.

Die Anforderungen an die jungen Fechterinnen und Fechter sind dabei vielfältig: Reaktionsschnelligkeit, Schnellkraft, ein hohes Maß an Selbstdisziplin und vor allem Fairness gehören beim Fechten mit dazu. „Fechten ist kein Kraftsport”, betont Marzodko immer wieder. Viel mehr kommt es auf die Technik an, und an der arbeitet er nun erst einmal mit seinen jungen Anfängern.

Die richtige Fußstellung, die korrekte Schrittfolge, die passende Körperhaltung: Warum Disziplin beim Training wichtig ist, zeigt sich dem Beobachter schnell. Zwischendurch wird es auch mal spielerisch, aber nie ohne Bezug zum Sport: So stehen sich etwa zwei Sportler gegenüber, die Handflächen in der Mitte zusammengehalten, die Fingerspitzen berühren die des Gegenüber.

Einer der beiden muss dann die Hände des anderen mit einer schnellen Bewegung abklatschen. Ein einfaches Spiel, dass mancher schon aus den Schulpausen kennt. Wo der Bezug zum Sportfechten liegt, kann Marzodko schnell erklären: „Es kommt beim Spiel drauf an, den Gegner mit Finten zu irritieren, nicht groß auszuholen, sondern im entscheidenden Moment mit einer schnellen kleinen Bewegung zu überraschen.”

Geduld ist ohnehin eine Tugend, sowohl für die jungen Fechter als auch für den Verein als Ganzes. Für die Sportler selbst vor allem deswegen, weil sie noch eine Weile trainieren müssen, bis sie zum ersten Mal „richtig” fechten dürfen. Noch mangelt es auch an der Ausrüstung, wer länger dabei bleibt, soll sich auf jeden Fall eine eigene Maske und ein eigenes Florett zulegen.

„Das ist allein deswegen wichtig, weil die Kinder oft auch pfleglicher damit umgehen, wenn es ihre eigenen Sachen sind”, weiß der erfahrene Meister Marzodka. Sicherheit geht für ihn vor: Solange die Fechtschüler noch nicht über Masken verfügen, wird nicht gegeneinander, sondern ohne direkten Gegner nebeneinander in Reihe gefochten, zu groß wäre sonst die Gefahr, ein Auge zu verletzten.

Darüber hinaus gilt es zunächst, das Regelwerk zu verinnerlichen: Beim Florett ist nur der Rumpf als Trefffläche zugelassen, und auch das „Trefferrecht” ist streng regelt: Punkten kann immer nur der, der zuerst den Arm streckt, die Trefferzone bedroht und so als Angreifer zählt.

Bis es also zu Turnieren gehen kann, wird noch ein wenig Zeit ins Land gehen. Das weiß auch der Fechtmeister. „Ein bis zwei Jahre lang müssen wir die Abteilung erst einmal aufbauen, ehe wir ins Turnierfechten einsteigen können”, meint Marzodko. Dass dieser Aufbau überhaupt in Würselen stattfindet, ist mehr oder weniger einem Zufall zu verdanken.

„Dr. Krüger hat mich an den Knien operiert. Irgendwie kamen wir dann auf den Fechtsport und es entstand der Gedanke, in Würselen einen Klub zu eröffnen”, erzählt der Fechtmeister. Dr. Ingo M. Krüger ist Chef der Klinik für Allgemein-, Gefäß- und Thoraxchirurgie am Medizinischen Zentrum in Würselen.

Als sich die Möglichkeit ergab, die Fechter in den Judoclub Würselen 1970 zu integrieren, nahmen die beiden Initiatoren diese gerne auf: Zu groß wäre doch allein der organisatorische Aufwand gewesen, einen eigenständigen Fechtclub auf die Beine zu stellen. Dr. Krüger ist in der neuen Abteilung nun Leiter, Marzodko Fechtmeister. Dass der erfahrene Fechter das Florett und nicht Säbel oder Degen ausgewählt hat, hat dabei einige ganz pragmatische Gründe.

Das Florett ist eine leichte, schnelle Waffe, die auch später noch den Umstieg auf Säbel und Degen erlaubt. Nicht zuletzt war das Florett auch auf den französischen Kadettenschulen die favorisierte Ausbildungswaffe - und ein paar ganz bestimmte Franzosen möchten sich schließlich auch die jungen Fechter zum Vorbild nehmen. Das findet vor allem Tim Krappel: „Ich kenne ja die drei Musketiere- die Geschichte ist schon toll, das wollte ich eben gerne auch einmal lernen.”
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