„Beichtomat“ und „Glaubens-Card“ sind die Renner

Von: yl
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Niveauvolle Unterhaltung: Rolf Obrecht und Margret Gatzweiler verzweifeln am Formularwald zum Erwerb der „Glaubens-Card“. Foto: yl

Würselen. Mit viel Humor begann in der evangelischen Kirchengemeinde Würselen das neue Jahr. Die Gemeinde hatte in Kooperation mit dem Evangelischen Erwachsenenbildungswerk Aachen zum Kabarett-Abend geladen. Zu Gast waren „Die Kirchturmspitzen“ aus Aachen-Horbach.

Bei über 100 Gästen in der Pfarrkirche Martin Luther blieb beim satirischen Blick auf die alltäglichen Absurditäten der katholischen und evangelischen Amtskirche kein Auge trocken.

Gemeindemaskottchen

Wenn die Sitzung des Gemeindeausschusses bei der Diskussion über die Anschaffung eines „Gemeindemaskottchens“ völlig aus den Fugen gerät oder esoterischer Nonsens via Homeshopping-TV überteuert an den Mann gebracht werden soll, dann ist in der Kirche buchstäblich der Teufel los.

Die sechs Künstler liefen während ihrer kurzweiligen Sketche auf der Bühne zur Hochform auf. Da wird ein hochwertiger Plüschbär in Papst-Optik mit eingesticktem Glaubensbekenntnis als perfektes Maskottchen angepriesen.

Der katholische Gemeindeausschuss entscheidet sich dann letztendlich doch aus Kostengründen für das preiswertere Modell „Martin Luther“. Auf „Holy Channel“ können sich die Anrufer für nur wenige Hundert Euro eines der letzten hunderttausend „Glaubenspakete“ für den „Prayer to go“ sichern.

Was sich zunächst nach einer seichten Parodie anhört, war in Wirklichkeit eine kluge und tiefgründige Persiflage auf aktuelle pseudoesoterische Formate im Stile von Astro-TV, die zum Nachdenken anregte. Der Renner des Abends waren jedoch der „Beichtomat“ für automatisierten Sündenerlass und der behördliche Alptraum eines Antrags auf die Glaubens-Card mit 423 Anhängen. Da wird sowohl die kirchliche Trauung, als auch die Beerdigung eines lieben Verwandten zum Himmelfahrtskommando.

Gegen die „Glaubens-Card“ sah selbst der berühmte „Passierschein A 38“ aus dem Asterix-Comic alt aus.

Die Aussicht, dass derartige Bürokratiemonster tatsächlich einmal Wirklichkeit werden könnten, trieb so manchem Besucher auch nach dem Ende das Schmunzlen ins Gesicht.

Norbert Dreßen, Peter Körfer, Annemie Corr, Monika Dörfler, Rolf Obrecht und Margret Gatzweiler gründeten 2005 im Rahmen der Glaubenswoche der katholischen Gemeinden Aachen-Horbach und Aachen-Richterich die Kabarettgruppe. Seitdem treten sie sowohl in der Städteregion, als auch überregional auf, technisch bestens unterstützt von Kalle Dörfler.

Die sympathischen Ensemblemitglieder betreiben das Kabarett nebenberuflich und haben eine enge Verbundenheit zur Gemeinde- und Kirchenarbeit. Zwei von ihnen können auf eine lange Berufserfahrung bei der Kirche zurückgreifen.

Gelungene Organisation

Pfarrer Harry Haller und Margit Claussen, Mitglied des Würselener Presbyteriums, freuten sich über die gelungene Organisation und ein rundum zufriedenes Publikum. Claussen sagte: „Der Kontakt zum Ensemble ist über persönliche Empfehlung entstanden. Ich hoffe, dass der Erfolg des heutigen Auftritts auch in naher Zukunft hier in Würselen noch einmal wiederholt werden kann.“

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