Alsdorf - Bei Schnuppertag über Tellerand blicken

Bei Schnuppertag über Tellerand blicken

Von: Stefan Schaum
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Und hoch damit: Das Beladen ei
Und hoch damit: Das Beladen eines Gabelstaplers ist für Mounia Essadki (l.) und Ceyda Candan im Lager des Logistikers Dachser keine zu große Herausforderung. Ihr Fazit: Diesen „Männerjob” packen auch Frauen.

Alsdorf. Die Männerwelt ist voller schwerer Kisten, Hubwagen und Gabelstapler. Da gibt es hohe Regale in langen Korridoren, die von großen Jungs bestückt werden. Frauen verirren sich nur selten mal dorthin.

Im Logistikzentrum der Firma Dachser in Alsdorf gibt es derzeit zwölf Auszubildende zum Fachlogistiker, kein einziges Mädchen ist darunter. Für die Schülerinnen der Gustav-Heinemann-Gesamtschule ist das Lager zum gestrigen „Girls Day” also genau das richtige Übungsgelände.

Einen Tag lang in vermeintliche Männerberufe hineinzuschnuppern ist das Ziel des Aktionstags, den auch im Nordkreis zahlreiche Schülerinnen nutzen. Eine von ihnen ist die 13-jährige Elif Baalla. „Ist doch eigentlich ganz cool hier”, sagt sie. Warum? „Weil alles so riesig ist, da kommt man sich ganz klein vor.” Sie hat schon auf dem Gabelstapler Platz genommen, hat einen der Hubwagen gezogen und mit schweren Kartons hantiert. „Das schafft man auch als Mädchen locker”, ist ihr Fazit. Ob sie sich eine Lehre in diesem Bereich vorstellen könne? Da zögert sie. „Nee, eigentlich will ich lieber Ingenieurin werden.” Sabine Indiesteln kennt diese Zurückhaltung. „Wir hätten auch in unserem Lager gerne mehr Frauen”, sagt die Personalchefin, „wir bekommen aber keine”. Im vergangenen Jahr gab es zwar zwei Bewerberinnen für eine Lehre - von beiden hat sie aber nach den ersten Gesprächen nie wieder etwas gehört.

Das Gewicht der zu verladenen Waren sollte jedenfalls kein Mädchen abschrecken, sagt sie. „Wir haben so viele Geräte hier, mit denen das alles ganz bequem machbar ist.” Sie vermutet: Der Grund für die „Geschlechtertrennung” steckt eher in den Köpfen. „Viele Jugendliche haben ganz klare Vorstellungen von dem, was für sie alles in Frage kommt - und schauen nicht darüber hinaus.”

Der zwölfjährige Batuhan Özkan hat genau das am Donnerstag gemacht. Denn seit einer Weile gibt es parallel zum „Girls Day” auch Aktionen für Jungs, den „Boys Day”. Da werden dann die „weiblichen Bastionen” besucht: Krankenhäuser, Altenheime, Reiterhöfe, oder - wie im Fall des Ofdener Realschülers - ein Kindergarten. Seinen „Boys Day” verbringt Batuhan im Alsdorfer Familienzentrum Florianstraße als Vorleser auf der Couch, am Spieltisch mit Memorykärtchen und draußen im Sand, beim Burgenbauen. „Ich finde das sehr schön”, sagt er. Ob er sich von seinen Freunden wohl blöde Sprüche hat anhören müssen? „Gar nicht. Viele von denen schauen sich doch heute selbst in einem Kindergarten um!”

Einer wie er wäre später in jeder Kita ein willkommener Hahn im Korb. „Wir haben nur selten Erzieher bei uns”, sagt die stellvertretende Leiterin Beatrix Furmanski. Sie stellt das mit Bedauern fest, „denn Kinder profitieren von männlichen Vorbildern.” Warum sich denn nicht mehr Jungs für soziale Berufe begeistern? Auch das sei letztlich vor allem das: reine Kopfsache.
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