Würselen - Bei „Feier des Wortes“ stimmt einfach alles

Bei „Feier des Wortes“ stimmt einfach alles

Von: ehg
Letzte Aktualisierung:
11061636.jpg
Lesung im alten Rathaus Kulturforum: (v.l.) Günter Kölling, Angela Ortmanns-Dohrmann, Dietrich Hoppe, Christa Ross. Foto: Wolfgang Sevenich

Würselen. Um es vorweg zu nehmen: Der Literarische Abend 2015, zu dem das Kulturforum (KuFo) Würselen in das Alte Rathaus eingeladen hatte, war fürwahr eine „Feier des Wortes“. Am Ende wollte der Applaus der über 100 begeisterten Freunde unterhaltsamer Literatur kein Ende nehmen.

Ein schönes Kompliment für den Mache und Moderator des Abends, Günter Kölling. Nicht nur er, sondern auch die drei bestens vorbereiteten und professionell arbeitenden Interpreten Angela Ortmanns-Dohrmann, Christa Ross und Dietrich Hoppe wuchsen das eine oder andere Male bei den Rezitationen über sich hinaus. Es stimmte bei dieser Veranstaltung einfach alles, selbst die stimmungsvolle Beleuchtung und die zu den von spritzig bis unverschämt dargebotenen Gedichten und Geschichten eingespielte anspruchsvolle Musik.

Mit „Feier des Wortes“ von Axel Kutsch wurde die Türe zum Literarischen Abend weit aufgestoßen. Bereitwillig befolgte das Auditorium brav seine im ruppigen Ton gehaltenen Ratschläge und genoss runde zwei Stunden lang, was ihm so geschmackvoll geboten wurde. Moderator Kölling rief vorweg auf dem Hintergrund der von Salman Rushdie bei der Eröffnung der Frankfurter Buchmesse gehaltenen flammenden Rede ins Bewusstsein, „dass wir uns in unserem Land die Freiheit nehmen dürfen, jegliche Literatur zu lesen.“ Kölling unterstrich: „Wir halten die Begegnung mit Gedichten für essenziell.“

Die Anleitung von Axel Kutsch zum Lesen von Gedichten war ein humorvoller Wegbegleiter durch den facettenreichen Abend, an dem geschmunzelt, aber auch von Herzen gelacht werden durfte – bis die Lacher im Halse stecken blieben.

Ganz anders als Axel Kutsch in seinem Gedicht „Unter Kollegen“ reagierte Robert Gerhardt auf Regen und Sonne. Er schrieb in seiner geliebten Toskana fast ausschließlich bei Sonnenschein. Bei ihm flössen – so Kölling – Gedichte und Geschichten nur so aus seiner Feder. Dem das gefesselte Auditorium nur beipflichten konnte, nachdem es sein Malermärchen genossen hatte.

Die erotische Literatur wurde keineswegs unter den Tisch gekehrt. Zu Wort kam der bedeutende deutsche Dramatiker und nicht selten äußerst unbequeme Zeitgenosse Rolf Hochhuth bei „Die Liebe und der Amtsschimmel“. Köstlich seine Geschichte, wie bei Verkehr – nicht bei einem Verkehrsunfall – die Notbremse im Orient-Express gezogen werden musste.

In den Kurzgeschichten von Henry Slesar – er schrieb über 500 davon – begegneten die Literaturfreunde den kuriosesten Gestalten in oft absurden Alltagssituationen. Dann die Begegnung mit Ingrid Noll, einer feinen, nicht sehr großen harmlosen Dame, die in ihren zwölf Romanen mehr als drei Dutzend Morde auf dem Gewissen hat.

Beispiele lieferte der Abend auch dafür, wie die Literatur die schwierigen Beziehungen zwischen Mann und Frau aufarbeitet. Nicht zuletzt erschien Xanthippe, die Ehefrau des griechischen Philosophen Sokrates, die als Inbegriff des zänkischen und streitsüchtigen Weibes in die europäische Literatur eingegangen ist, auf der geistigen Bildfläche. Christine Nöstlinger hakte in „Ich merke doch, dass du was hast“ nach. In einen inszenierten „Ehekrach“ öffnete der Satiriker Kurt Tucholsky beim Auditorium die geistigen Augen und Ohren. Einen Beziehungsstress beschreibt Hans Magnus Enzensberger in „Valse triste et sentimentale“, einem Gedicht von der Seele.

Noch vor Schiller gab Christian Fürchtegott Gellert einem Menschen den Ratschlag „drum prüfe, wer sich ewig bindet, ob sich das Herz zum Herzen findet“. Und Oscar Wilde spottete auf seine zynische Weise: „Bigamie ist eine Frau zu viel, Monogamie dasselbe!“ Und Günter Köllings Meinung: „In einer guten Beziehung hat keiner die Hosen an, die stören nur!“ Wie wahr! In „Roda-Roda“ erzählte Alexander Friedrich Rosenfeld kurz und prägnant, wie es in einer harmonischen, friedvollen und komplikationslosen Beziehung zugehen kann.

Eine Liebeserklärung der besonderen Art brachte Elfriede Jelinek zu Papier. Zu dem intensiven Text, der so locker daher kam, aber tiefgründige Sozialkritik am damaligen gesellschaftliche Zuständen in Österreich beinhaltet, passte ein Gedicht von Hans Adler, der dasselbe Thema satirisch überzeichnete.

Genug Bekanntschaften hatte Somerset Maugham, eine der erfolgreichsten und schillerndsten englischen Schriftsteller des 20. Jahrhunderts, auch. Mit seinem „Mister Allwissend“ klang die „Feier des Wortes“ aus.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert