Bei Bürgern neues Bewusstsein wecken

Von: Beatrix Oprée
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Hoffen auf Zuspruch besonders auch aus jungen Familien: Eduard Vondenhoff (l.) und Robert Meyer laden am 17. April zu einem vorbereitenden Treffen für eine Interessengemeinschaft Merkstein ein. Foto: Beatrix Oprée

Herzogenrath. „Es besteht wieder Hoffnung“: Robert Meyer möchte am Ball bleiben, etwas bewegen in dem Stadtteil, in dem er lebt und sein Unternehmen betreibt. Seinen Optimismus kann der Vorsitzende des Gewerbevereins Merkstein nur zu gut brauchen, denn das Engagement der Mitglieder hat nachgelassen. So stark, dass das Fortbestehen des Vereins gefährdet ist.

„Aber daran kranken heute ja viele Vereine“, sagt Meyer. Zumindest die Jahreshauptversammlung aber war beschlussfähig, um zu befinden, dass der Gewerbeverein demnächst entweder aufgelöst – oder in eine neue Form gegossen wird.

Robert Meyer ist keiner, der so schnell aufgibt. Und er weiß einen „alten Hasen“ an seiner Seite: „Dem Kampfeswillen von Eduard Vondenhoff haben wir es zu verdanken, dass es bis jetzt überhaupt weitergegangen ist!“ Wenn der frühere langjährige Vorsitzende auch zurzeit dem geschäftsführenden Vorstand nicht angehört, so ist er immer noch einer der Motoren. Vondenhoff erinnert sich gerne an vergangene Zeiten, als alle im Ort noch an einem Strang zogen: „Da wurden bei Stadtfesten auf dem August-Schmidt-Platz Ochsen am Spieß gegrillt – und Autos verlost.“ Heute jedoch diene Merkstein den meisten nur noch als Schlafort.

Das gilt es zu ändern: „Wir wollen den Gewerbeverein deswegen für alle Bürger öffnen, besonders die jungen Familien in den Neubaugebieten erreichen“, erklären Meyer und Vondenhoff die neue Intention. „Bisher ist der Verein darauf angewiesen, dass die Mitglieder aus dem Gewerbebereich kommen.“ Die Resonanz auf ein erstes sondierendes Treffen zwecks Gründung einer Interessengemeinschaft hat der Idee bereits Recht gegeben: Unter den Teilnehmern waren in der Mehrheit interessierte Merksteiner und weniger Geschäftsleute.

Viele Schritte sind noch nötig, um die Umwandlung zu vollziehen: Ziele müssen definiert, die Satzung geändert und Posten vergeben werden. Die kommende Jahreshauptversammlung, die noch nicht terminiert ist, muss abschließend zustimmen.

Merkstein ist ein über Jahrzehnte gewachsener Stadtteil, durch die Geilenkirchener Straße (L 232) in zwei Hälften getrennt. Einzelhandel und Restaurants verteilen sich im Wesentlichen entlang der Landstraße, auf dem August-Schmidt-Platz und an der Kirchrather Straße bis zum Lörschpülgen sowie auf die beiden Gewerbegebiete Boscheler Berg und Am Wasserturm. Ob der neue Gewerbestandort Nordstern mit der großen Baumarktansiedlung den rund einen halben Kilometer entfernten Ort an der Kaufkraft seiner Kunden partizipieren lässt – Robert Meyer vermag es nicht zu sagen. Der Einzugsbereich ist zumindest groß: „Viele Holländer tanken und essen hier.“

Das Augenmerk möchte der Gewerbevereins-Vorsitzende denn auch auf die Merksteiner selbst richten: „Wir wollen ein neues Bewusstsein wecken, dass man nicht immer nach Aachen fahren muss, sondern viel auch hier erledigen kann. Merkstein ist besser als sein Ruf!“, verweist er auf Blumenläden, Friseure, Buchhandel, Fachgeschäfte für Fahrräder, Autoteile, Elektrogeräte, Bürobedarf, die Druckerei, die Supermärkte ... „und sogar eine Öltankreinigungsfirma haben wir“. Wolfgang Erdmann, ein weiterer Mitstreiter für Merkstein, ergänzt: „Es reicht nicht, immer nur darüber zu schimpfen, dass nichts passiert.“

Alle drei Akteure wissen, wie schwer es für den ortsansässigen Handel geworden ist. Der Sektor Mode etwa werde in Merkstein kaum angenommen. Immer wieder gibt es Neueröffnungen, die kaum ein Jahr durchhalten. Meyer nennt weitere Beispiele: „Früher gab es zu Schuljahresbeginn im Fachhandel eine Hochkonjunktur in Sachen Schultaschen. Heute wird online gekauft. Sogar viele Lehrer bestellen Schulmaterialien wie Hefte, Blöcke, Stifte mittlerweile im großen Stil im Internet und verkaufen es an ihre Schüler weiter. Der ortsansässige Kleinhandel bleibt auf der Strecke. Im Elektrohandel, bei Versicherungen – überall sieht es ähnlich aus.“

Oftmals hätten Kunden auch gar keine Hemmschwelle mehr, sich im Fachhandel ausführlich beraten zu lassen, um sich dann zwecks Erwerbs den billigsten Online-Anbieter herauszusuchen. „So billig wie möglich haben sich viele zur Devise gemacht“, gibt Erdmann zu bedenken. „Niemand macht sich Gedanken darüber, wie diese Kampfpreise überhaupt möglich werden, nämlich nur dadurch, dass Menschen ausgenutzt werden.“ Meyer: „Man erwartet heute, dass ein am 24. Dezember morgens bestelltes Geschenk pünktlich zu Heiligabend geliefert wird.“

Viele Vermieter seien deswegen auch nicht mehr bereit, in ihre Immobilien zu investieren, Ladenlokale modernen Bedürfnissen anzupassen: „Das muss sich ändern!“

Einen Magneten ähnlich wie Kaufland in Herzogenrath-Mitte wünscht sich Vondenhoff. Kostenlose Parkplätze könnte sich Meyer als gewissen Konjunkturmotor vor Ort vorstellen...

Den Teufelskreis durchbrechen wollen die Akteure durch die geplante Umwidmung des Gewerbevereins in eine Gemeinschaft für alle Merksteiner Bürger und Interessierten: „Denn die Interessen der Geschäftsleute und der Bürger sind letztlich dieselben.“ So ist ein weiteres Treffen für alle an der Mitarbeit Interessierten anberaumt für Mittwoch, 17. April, 19.30 Uhr in der Gaststätte „Bürgerhof“, Hauptstraße 85.

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