Alsdorf - Bei Alemannia Mariadorf bleibt man trotzig

Bei Alemannia Mariadorf bleibt man trotzig

Von: Yannick Longerich
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Der Landeslegist bleibt Punktlos Tabellenletzter. Die Stimmung am Südpark in Mariadorf ist trotzdem nicht auf dem Nullpunkt. Foto: Yannick Longerich.

Alsdorf. Am Ende eines bitterkalten Fußballnachmittags in der Landesliga können die abgekämpften Kicker von Schwarz-Weiß Nierfeld konstatieren: Im Westen nichts Neues. Drei Punkte eingefahren, ein dreckiger Arbeitssieg in Unterzahl beim weiterhin punktlosen Tabellenletzten Alemannia Mariadorf. Überlebenswichtig im Abstiegskampf.

Die Spieler in gelb und schwarz stehen verstreut vor dem Kabineneingang. Es ist ruhig, ein wenig wird mit den Umstehende über das zurückliegende Spiel diskutiert. Es sind die Zuschauer – Betreuer, Vorstandmitglieder und Fans – die das Team wieder aufrichten, Mut zu sprechen, Optimismus verbreiten. Hier hat sich niemand aufgeben trotz der punktlosen Tristesse beim Blick auf die Tabelle.

„Und wenn schon, uns kriegen sie nicht kaputt! Dann eben nächstes Jahr Bezirksliga“, lautet das geflügelte Wort in diesen Stunden.

Rückblende: Freitagabend stehen zum Abschlusstraining 16 Spieler inklusive zweier Torhüter unter der Leitung von Trainer Imad Laadim auf der gefrorenen Asche am Südpark. Für einen punktlosen Tabellenletzten ein echter Luxus möchte man meinen, zumal den Land-Alemannen die bittere Pleite vom Wochenende noch in den Knochen steckt. Eine souveräne 2:0 Führung wurde nach 70 Minuten noch aus der Hand gegeben, so dass am Ende eine derbe 5:2 Packung in Erftstadt-Lechenich zu Buche stand. „Die Trainingsbeteiligung ist nach wie vor ausgezeichnet, man merkt den Jungs an, dass hier keiner aufgibt und aufgeben will“, sagt der langjährige Teambetreuer Matthias Esser.

Dick eingepackt sitzt er wie bei jedem Training zusammen mit Physiotherapeut Richard Stommen auf der Reservebank und beobachtet das muntere Treiben. Ein deutliches Handspiel unterbindet einen Angriff der Trainingsgruppe. „Spiel weiter, es hat niemand gepfiffen“, lautet der postwendende Kommentar von Trainer Laadim. Der Ball wird zurückerobert und zappelt wenige Sekunden später im Netz von Torhüter Aleksandar Lovric.

Seitdem Laadim Anfang Oktober seinen ehemaligen Chef Manuel Ortiz-Gonzales beerbt hat, hat sich für den einstigen Spieler der Land-Alemannia viel verändert: „Ich habe die Mannschaft in einer unglaublich komplizierten Situation übernommen. Da ich mit vielen von Ihnen noch gemeinsam gespielt habe, musste ich schnellstmöglich die notwendige Distanz gewinnen, damit eine gewisse Hierarchie sich einstellt. Ich denke, zumindest das hat bislang gut funktioniert.“

Anhand der nackten Tabelle ist Laadim nicht viel weiter als sein Vorgänger. Der sogenannte „Reset-Knopf“ wäre noch nicht gefunden worden, viele Probleme hätten sich seit der Rückrunde der vergangenen Spielzeit gezeigt und haften weiter an der Mannschaft. Man merkt dieser Mannschaft aber zumindest beim Training an, wieder den nötigen Biss zu haben.

Am Sonntagnachmittag haben wieder fast 100 Alemannia-Anhänger den Weg zum Südpark gefunden und erleben schon nach vier Minuten allzu Vertrautes, als Gästespieler Oliver Manteuffel eine Unachtsamkeit der Mariadorfer Abwehr nutzt und zum 0:1 trifft. Die Land-Alemannen wirken jedoch wenig geschockt holen sich den gerechten Lohn bereits in der 13. Minute ab, als der Nierfelder Daniel Bildstein von Schiedsrichter Christian Lex nach Notbremse früh zum Duschen in die Kabine geschickt wird und Tobias Voss den fälligen Strafstoß zum umjubelten 1:1 versenkt. Es keimt leise Hoffnung auf bei nunmehr ausgeglichenem Spielstand und langer Überzahl.

Mit dem Halbzeitpfiff wächst die Zuversicht, dass es gerade heute mit dem ersehnten ersten Punktgewinn klappen könnte. „Ich traue dem Braten noch nicht ganz. Wir legen uns immer wieder krumme Dinger hinten rein“, orakelt Platzwart Michael Schwarzer. Recht bekommt er schon fünf Minuten nach Wiederbeginn, als Abwehrrecke Mert Büyükkelek eine Nierfelder Hereingabe in die eigenen Maschen abfälscht.

Fassungslosigkeit macht sich unter den Zuschauern breit, die Land-Alemannia hat ohne Not mal wieder einem Gegner die Führung geschenkt. Was folgt sind 40 Minuten biederes Anrennen gegen das Nierfelder Abwehrbollwerk. Das Mariadorfer Spiel ist zuteilen recht ansehnlich, aber nicht von Erfolg gekrönt.

Josef Weitz, jüngst wiedergewählter Vorsitzender der Mariadorfer Alemannia, steht versteinert neben der kleinen Kaffee-Bude mit den beiden Mariadorfer Schlachtenbummlern Adolf Boehm und Heinz Dreßen. Man merkt dem Vereinschef an, wie sehr die Situation an ihm zehrt. Zum 100-jährigen Bestehen wollte er den Vorsitz eigentlich abgegeben haben, um den Weg für die jüngere Generation freizumachen. Der große Rückhalt aus den Kreisen der Mitglieder und nicht zuletzt die glühende Liebe zum Verein haben ihn davon überzeugt, hier und heute weiterhin als erster Mann im Verein zu fungieren und nicht „dass Schiff in seiner Not zu verlassen“.

Es ist symptomatisch, dass Mariadorf erst dann zum zweiten Torerfolg kommt, als dass Spiel mit 1:3 zugunsten der Gäste bereits entschieden ist. Das Freistoßtor von Francesco Alberga ist zwar sehenswert, aber nicht nur aus Sicht von Heinz Dreßen unter dem Strich „für die Katz“.

Trotzdem geht vom harten Kern niemand schnell nach Hause. Im Vereinsheim sitzen der Vorsitzende und sein Trainer noch eine Stunde nach Abpfiff bei einer heißen Tasse Kaffee zusammen und plaudern über die nächste Zeit.

Laadims Zusage für den Trainerposten gilt unter den jetzigen Bedingungen bis zum Jahreswechsel, danach braucht der Jungtrainer definitiv die Unterstützung eines neuen Assistenten, damit Beruf und Familie nicht leiden. Die junge Mannschaft scheint in ihm einen Mann gefunden zu haben, der die Sprache der Spieler spricht und hoffen lässt, langfristig das Ruder herumreißen zu können.

Unterstützung erhält er noch im Vereinsheim von unerwarteter Seite: Gästetrainer Achim Züll zollt der jungen Mariadorfer Mannschaft großen Respekt, die sich trotz der trostlosen Situation nicht aufgibt und auch heute aus seiner Sicht eine ansprechende Leistung gezeigt habe. „Wir haben in Nierfeld mit ähnlichen Problemen zu kämpfen. Gute Spieler können wir nicht lange bei uns halten und mit Jugendlichen kannst du das nicht immer gleichwertig kompensieren.“

Am Ende bleibt eine Schicksalsgemeinschaft. Die Land-Alemannia wird allen Gerüchten zum Trotz die Saison zu Ende spielen, ein Rückzug ist von allen Seiten her ausgeschlossen.

Platzwart Michael Schwarzer nimmt es sportlich: Und wenn wir absteigen, na und? Dann spielen wir eben nächstes Jahr eine erfolgreiche Saison in der Bezirksliga!“ Es geht also immer weiter am Südpark.

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