Behinderter Mann wegen Belästigung vor Gericht

Von: Elisa Zander
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Alsdorf/Aachen. Vier Anzeigen, drei wegen sexueller Nötigung und eine wegen Belästigung – gegen die muss sich ein 22-Jähriger aus Hoengen derzeit vor der großen Strafkammer des Aachener Landgerichts verantworten. Er hatte in den vergangenen Jahren immer wieder Frauen belästigt und angegriffen.

Wie in einem psychiatrischen Gutachten festgestellt wurde, ist der Mann wegen seiner schweren geistigen Behinderung schuldunfähig und darf nicht angeklagt werden. Mitte 2011 beantragte die Staatsanwaltschaft darum ein Sicherungsverfahren mit Antrag auf Unterbringung in einer psychiatrischen Einrichtung, auch, weil „gleichartige Fälle zu erwarten sind“, so die Staatsanwältin Stefanie Herwig bei der gestrigen Verfahrenseröffnung. Wegen eines frühkindlichen Hirnschadens sei das Strafmaß „erheblich vermindert“. Vier Verhandlungstermine sind vor dem Schöffengericht, dessen Vorsitz in den Händen von Richter Dr. Gerd Nohl liegt, angesetzt. Das Urteil wird noch in dieser Woche er wartet.

Der 22-Jährige erschien mit seiner Betreuerin, einer Angehörigen, vor Gericht. Artikulieren konnte sich der junge Mann, wegen seiner Krankheit, nicht. Er schaute auf den Boden, suchte immer wieder den Blick zu seinem Bruder, der in den Zuschauerreihen saß. Auch der Vater des 22-Jährigen hatte dort Platz genommen. Ihm oblag bis September 2011 die Betreuung.

In Wohnung eingedrungen

Staatsanwältin Stefanie Herwig verlas die Anklageschrift. Empfindliche Taten aus 2009, 2010 und 2012 trug sie vor. Darunter ein Vorfall, bei dem der 22-Jährige 2010 in einem Schlafanzug bekleidet in die Wohnung einer Frau eingedrungen war. Er hatte an der Tür geklopft, die sie in Erwartung ihres Lebensgefährten geöffnet hatte. Als sie den jungen Mann sah, versuchte sie ihn aus der Wohnung zu drängen, schaffte es aber nicht. Er begann ihre Arme zu küssen, ging immer weiter in die Wohnung. Er verließ sie erst, als ihm die Frau mit einer Eisenstange drohte.

Die vier Delikte sind nur die Taten, die öffentlich bekannt sind. Die Polizei schätzt die Dunkelziffer der Geschädigten deutlich höher ein, wie Polizeisprecher Paul Kemen sagt. Es liege daran, dass viele Frauen, die den Mann kennen, bei einer Belästigung keine Polizei hinzurufen. „Sie denken sich: ‚Es ist ja nichts passiert‘“, sagt auch der Mann einer Geschädigten.

Bei der Eröffnung hatte Rechtsanwalt Michael Ashcroft beantragt, „zum Schutz des Angeklagten und der Zeugen“ die Öffentlichkeit von den Verhandlungen auszuschließen. „Intime Details werden bekannt“, so die Begründung. Dem Antrag wurde stattgegeben.

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