Begleitetes Fahren mit 17: Auf der Neustraße nur in Richtung EBC

Von: Beatrix Oprée
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Tipps geben, aber nicht selbst eingreifen: Die Begleitperson muss bei jeder Fahrt im Auto mit dabei sein und kann so mit ihren Erfahrungen zur Verkehrssicherheit des jungen Fahranfängers beitragen. Foto: stock/teutopress
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Hier dürfen 17-jährige Autofahrer von der Neustraße aus kommend nur nach rechts rausfahren: Einmal rund fahren ist für sie im Kreisel vor dem Eurode Business Center verboten, da sie sich sonst auf niederländischem Staatsgebiet befinden. Foto: Markus Bienwald

Nordkreis/Herzogenrath. Wie schnell der Gedanke vom einigen Europa an Grenzen stößt, wird nicht nur durch die aktuellen Streitigkeiten auf Regierungsebene bei in Sachen Flüchtlinge offenbar. Tücken gibt es auch im Alltag, beim Autofahren etwa.

Dann nämlich, wenn europäische Vorreiterprojekte und Ländergesetze nicht kompatibel sind.

Die 1996 mit viel Prominenz eingeweihte binationale Neustraße/Nieuwstraat zwischen Herzogenrath und Kerkrade und das 2011 im Straßenverkehrsgesetz verankerte „Begleitete Fahren ab 17“ bilden solch ein Beispiel, bei dem europäische Vision und Gesetzesrealität aufeinandertreffen.

Mindestens 360 Euro Bußgeld

In Herzogenrath kann man dies hautnah zu spüren bekommen: Wer als 17-jähriger begleiteter Fahranfänger die (deutsche) Neustraße in Richtung Eurode Business Center (EBC) entlang fährt, darf sich noch seiner neu errungenen Mobilität freuen. Steuert er jedoch auf der anderen (niederländischen) Fahrbahnseite wieder zurück, verhält er sich gesetzeswidrig. Denn grundsätzlich gilt: „Begleitetes Fahren mit 17“ ist im Ausland nicht als gültige Fahrerlaubnis anerkannt.

Womit ein 17-Jähriger, der auf der Nieuwstraat Richtung Pannesheide rollt, faktisch ohne Führerschein unterwegs ist. Und das wird in den Niederlanden teuer. Eine Strafe von 360 Euro fällt dafür an, wie die südlimburgische Polizei auf Anfrage unserer Zeitung mitteilt.

Dazu können seitens der niederländischen Staatsanwaltschaft noch weitere Geldbußen verhängt werden, etwa wenn man zum wiederholten Mal erwischt wird.

Eine ähnliche Situation bietet sich für 17-jährige Fahrer, die von Merkstein aus über die Kirchrather Straße/K5 in Richtung Burg Rode fahren wollen. Die Teilstücke Merksteinstraat und Grensstraat auf dieser Route, die dann wieder auf der deutschen Eygelshovener Straße mündet, sind ebenfalls unerlaubtes Territorium für begleitete Fahrer.

„Wir kontrollieren zwar nicht aktiv auf dieses Delikt hin“, sagt Hans van Kruchten, Sprecher der Polizei in Südlimburg. Er warnt jedoch im selben Atemzug: „Aber das ist natürlich kein Freibrief!“ Sollte man beispielsweise in einen Unfall verwickelt werden, muss auf alle Fälle eine Strafe gezahlt werden. Und verschuldet man den Unfall auch noch selbst, verliert man unter Umständen sogar den Versicherungsschutz. Mal eben wenige Kilometer jenseits der Grenze „schwarz“ fahren, könnte also schlimme Konsequenzen haben.

Auf solche Folgen werden Fahrschüler vor dem Erwerb der „B-17“-Prüfbescheinigung natürlich auch in den örtlichen Fahrschulen aufmerksam gemacht. „Im Unterricht werden die jeweiligen Bewerber ausreichend informiert“, sagt Angela Tarnovski von der Fahrschule Ungnade/Tarnovski in Herzogenrath. „Auch die Eltern, die ja bei der Anmeldung dabei sind, erhalten neben Infomaterial über das begleitete Fahren Extra-Hinweise zum Thema Fahren im Ausland.“

Jährlich rund 2700 Anträge

Und letztlich weist der Fahrprüfer nochmals eindringlich auf die räumliche Begrenzung hin, bevor er dem stolzen Führerscheinneuling die eingeschränkte Fahrerlaubnis aushändigt.

In der Städteregion Aachen mit ihren 550.000 Einwohnern stellen jährlich rund 2700 Heranwachsende einen Antrag auf „Begleitetes Fahren“. Seit einigen Jahren, so erläutert Städteregionssprecher Detlef Funken, sei diese Zahl relativ konstant. Im Jahr 2014 wurden im Vergleich 4592 reguläre Führerscheine der Klassen B (Pkw) und A (Motorrad) ausgestellt.

Deutlich über ein Drittel der jungen Führerscheinanwärter entschließt sich folglich dazu, mit Auflagen schon ein Jahr vor dem 18. Geburtstag selbst am Steuer sitzen zu dürfen. Das entspricht in etwa dem Bundesdurchschnitt.

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