Beate Lohmann: Eine Krankenschwester aus Überzeugung

Von: Karl Stüber
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Fast von Anbeginn dabei: Schwester Beate Lohmann schaut gerne auf die jahrzehntelange Arbeit im Medizinischen Zentrum zurück. Foto: ks

Würselen. Das Medizinische Zentrum Würselen (MZ) feiert am Samstag, 1. Juli, das 50-jährige Bestehen des Krankenhauses am Standort Marienhöhe – und heißt fortan „Rhein-Maas Klinikum – Städteregion Aachen/Würselen“. Nach einem Festakt mit geladenen Gästen beginnt am Standort in Würselen-Mitte um 11 Uhr ein Tag der Offenen Tür (bis 16 Uhr), dem am Abend ein Mitarbeiterfest folgt.

Da lohnt sich ein ganz persönlicher Blick zurück – von einer Mitarbeiterin, die fast ein halbes Jahrhundert dabei ist. Beate Lohmann gehört noch zu einem Schlag von Arbeitnehmern, die angesichts der vielfältigen Herausforderungen in ihrem Beruf nicht auch noch den Wechsel des Arbeitgebers brauchen.

Sie fing als 16-Jährige am 1. September 1971 beim MZ an, arbeitet für dieses Haus also im 46. Jahr. In zehn Monaten geht die in Aldenhoven wohnende OP-Schwester in den wohlverdienten Ruhestand. Lohmann ist praktisch „Bestandteil“ der 50-jährigen Geschichte dieses Krankenhauses. Nein, eine Inventarnummer hat sie deshalb nicht, erzählt die sympathische Frau und lacht.

OP-Bereich zentralisiert

Lohmann absolvierte bei den Schönstätter Marienschwestern ihre Ausbildung zur Krankenschwester, die das Haus bis zum Jahre 1987 führten, das anschließend zu einem reinen Kreiskrankenhaus wurde. Später spezialisierte sie sich auf den OP-Bereich, arbeitete dort auch einige Jahre verantwortlich für die OP-Leitung und -Koordination. Hatten früher die medizinischen Fachabteilungen ihre eigenen Bereitschaftsdienste und Operationsbereiche, ist für die einzelnen Kliniken schon seit geraumer Zeit der OP-Bereich zentralisiert, melden die Kliniken jeweils ihren Bedarf an. Diese Umstellung gestaltete sie mit, wie sie erzählt.

Schwestern im Knappschaftskrankenhaus Bardenberg hatten die heranwachsende Beate Lohmann für den Schwesternberuf begeistert. „Ich bin als Elfjährige sehr krank gewesen, musste ein halbes Jahr im Knappschaftskrankenhaus Bardenberg verbringen und habe viel von der Arbeit dort aus erster Hand erfahren.“ Und sie durfte mithelfen, andere Kinder betreuen und Babys füttern. „Ich wollte bei meiner Berufswahl wieder etwas von dem zurückgeben, was mir dort an Gutem geschehen ist“, sagt die gebürtige Aachenerin rückblickend.

Grundeinstellung muss stimmen

Jungen Leuten, die erwägen, einen Pflegeberuf zu ergreifen, sagt sie aus langjähriger Erfahrung: „Wenn man keine gesunde Grundeinstellung zum Beruf hat, packt man das nicht und hat viel Stress“, sagte die Krankenschwester aus Überzeugung. Gerne erinnert sie sich an den Teamgeist vergangener Jahre und den persönlichen Austausch, der motivierend wirkte und auch die mitunter langen Arbeitszeiten in den Hintergrund treten ließ.

„Das Leben im OP war da ganz anders. Da wurde bei aller Ernsthaftigkeit der Arbeit auch schon mal gelacht. Man sah sich privat, hatte sich was zu sagen und traf sich auch schon mal in der knappen Freizeit.“ Da sei darauf geachtet worden, dass die Kollegen als Team zusammenpassen, was sich gut auf die Leistung ausgewirkt habe.

Lohmann hat über viele Jahre das „Leben“ am Standort Marienhöhe dokumentiert. Sie fotografiert gern und viel und hat über Jahre viele „Zeitzeugnisse“ gesammelt. „Heute ist alles viel schnelllebiger geworden. Den Chefärzten bleibt kaum noch Zeit für die Kollegen“, bedauert sie. Früher wurde schon mal zusammen gegrillt, wurden gemeinsam Veranstaltungen besucht. Natürlich wurden zu Karneval die Arbeitsbereiche ausgiebig und fantasievoll geschmückt, neue Kollegen im OP-Team mit Kalt-Wasser-Duschen getauft – oder schon mal eine Kollegin, die das nicht wollte, mit Desinfektionsmittel … Heute undenkbar, meint sie. „Gerne haben wir in unserer Freizeit zusammen gekocht, heute wird einfach der Pizza-Service bemüht“, bedauert sie.

Die Art der zu verrichtenden Tätigkeiten hat sich radikal geändert. „Früher haben wir selbst die OP-Säule geschrubbt und die Geräte sterilisiert.“ Da wurde nicht auf die Stunden geachtet. Das Arbeitszeitgesetz kommt bei Lohmann nicht gut weg. „Früher war man daran gewöhnt, seine Arbeit zu Ende zu bringen und dann nach Hause zu gehen. Heute muss man Schluss machen, wenn die Zeit vorbei ist“, sagt eine, die ihre Grundeinstellung zum Beruf über 46 Jahre nicht geändert hat. „Ich bin in meiner Arbeit 150 Prozent penibel. Da kann ich mich nicht einordnen“, räumt sie ein, auch wenn sie da manchem auf den Nerv gehen sollte.

Kein Blatt vor den Mund nimmt sie auch in Sachen Nachwuchs und Einstellung zum Beruf. Zeitweise hat sich auch selbst unterrichtet und war bei Bewerbungsgesprächen dabei. Da habe sie in Sachen Motivation bisweilen Erstaunliches zu hören bekommen. Zum Beispiel, dass das Arbeitsamt dem oder der Kandidatin den Pflegebereich als aussichtsreich dargestellt habe. „Leider ist nicht zu hören, dass es darum geht, anderen Menschen zu helfen.“ Da ist es aus Sicht von Lohmann kein Wunder, wenn die Betreffenden in dem anspruchsvollen Beruf Probleme bekommen.

Für die erfahrene Schwester ist es keine Frage, dass sie diesen Beruf wieder ergreifen würde, könnte sie noch einmal entscheiden, betont sie. Sie sagt selbstbewusst: „Ich lege Wert auf meinen Schwesterntitel!“ Die Anrede mit Frau beziehungsweise bei Kollegen mit Herr hält sie für zu unverbindlich. Es würden ja die Ärzte auch mit Professor und Doktor angesprochen. Und sie hat auch festgestellt, dass dies zumindest ältere Patienten auch so sehen und sich besser aufgehoben fühlen.

War es nicht traurig, Patienten zu verlieren? „Im OP kennt man im Gegensatz zu den Kollegen auf den Stationen die Patienten kaum näher. Die wenigsten sterben beim Eingriff, sondern erst auf der Intensivstation“, räumt Lohmann mit einem von TV-Serien erzeugten Bild auf. Während all der Jahre am OP-Tisch sind ihr „nur“ zwei Fälle in Erinnerung geblieben, die von vornherein keine Chance hatten: ein verunglückter Lkw-Fahrer, dessen Aorta zerrissen war. Und eine junge Mutter, deren Glauben die Zuführung von Fremdblut nicht erlaubte. „Gott hat uns viele Werkzeuge gegeben.

Das verstehe ich als Chance, die man auch nutzen sollte“, sagt sie dazu. Lohmann zögert keine Sekunde mit der Antwort auf die Frage, was sie sich für das Haus wünscht: „Leider sind heute die meisten privat wie beruflich stark mit sich selbst beschäftigt. Das ist schade. Wir brauchen wieder mehr Gemeinsinn. Das Haus sollte stärker auf die Mitarbeiter zugehen. Wir brauchen mehr Identifikation und Zeit für Gespräche.“

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