Baumaßnahme L223: Schäferhundeverein befürchtet das Aus

Von: Verena Müller
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Im Vereinsheim: Hans Cülter, Michael Kautz und Karl Heinz Beckers (v.r.). Sie bangen um den Fortbestand ihres Vereins. Foto: Verena Müller

Herzogenrath. Hans Cülter fällt auf Anhieb nur ein Wort ein: Existenzgefährdung. Seit vergangenem Freitag ist sein Verein in Aufruhr. Es scheint, als würden die geplanten Baumaßnahmen an der L223 zwischen Birk und Schulzentrum 65 Jahre Tradition ausradieren. Einfach so. „Es geht um den Fortbestand unserer Ortsgruppe“, sagt der Vorsitzende des Vereins für Deutsche Schäferhunde, Ortsgruppe Niederbardenberg.

Was war passiert? Die Pläne für die Umgestaltung der Landstraße sind nicht neu, auch nicht, dass das Gelände des Hundevereins tangiert werden würde.

Aber bereits im Jahr 2006 hatte der Landesbetrieb Straßen NRW Cülter schriftlich zugesagt, dass man um eine Lösung bemüht sei. Wörtlich steht in der E-Mail, die Cülter vorsorglich gespeichert hat: „Aufgrund unserer Besprechung in Ihrem Vereinsheim am letzten Mittwoch haben wir mit einfachen Mitteln ein Konzept für eine andere Linienführung des Neubauabschnittes der L223 im Bereich der Kamper Gracht (K1) erstellt und mit der Stadt Herzogenrath einvernehmlich abgestimmt. Wir werden nun die Planung entsprechend ändern und hoffen weiter auf eine gute Zusammenarbeit mit Ihrem Verein. Sobald uns eine detailliertere Planung vorliegt, werden wir diese nochmals mit Ihnen besprechen.“

In der angehängten Datei deutlich markiert: eine grell grüne Fläche mit der Beschriftung „Hundesportplatz 80 x 40 Meter“, unmittelbar hinter dem aktuell gepachteten Grundstück des Vereins, das zum Haus „Vier Jahreszeiten“ gehört.

Am vergangenen Freitag, bei der Bürgerversammlung zum Neubau der Landstraße nun, bei der auch Straßen NRW vertreten war, war vom Hundesportverein keine Rede mehr. Und statt „Hundesportplatz“ war nur noch eine Grünfläche im Plan eingezeichnet. An einem schlechten Draht zur Stadtverwaltung könne es nicht liegen, meint Cülter, in den vergangenen Monaten sei er mehrfach vorstellig geworden.

Der Schäferhundeverein an der Kamper Gracht ist der letzte verbliebene seiner Art in Herzogenrath. Zwei weitere sind vor ein paar Jahren wegen Nachwuchsmangels aufgelöst worden. Von enormem Zulauf kann auch in Niederbardenberg nicht die Rede sein. „Wir haben uns nur halten können, weil wir uns breiter aufgestellt haben“, sagt Cülter. Statt „Unterordnung, Fährte, Schutzdienst“ werden Tiere nun auch auf Schauen und Ausstellungen vorbereitet. Sprich: Neben dem Sportlichen und der Erziehung hat sich der Verein auch dem Ästhetischen geöffnet.

Rund 15 aktive Mitglieder zählt die Ortsgruppe derzeit, die aber rührselig und auch erfolgreich sind. „Im vergangenen Jahr sind fünf unserer Mitglieder bei der Bundesligazuchtschau angetreten“, sagt Cülter nicht ohne Stolz. Und lächelt. „Das müssen uns andere erst mal nachmachen.“ Sechs anerkannte Züchter versammle er in seinen Reihen, was den Verein aber zu keinem elitären Club mache. „Jeder, der zu uns kommt, wird auch unterstützt. Egal, worum es geht. Gehorsam, Ernährung, Ausbildung zum Schutzhund, Vorbereitung auf Meisterschaften – wir helfen dabei“, sagt Cülter.

Finanzielle Unterstützung von außen – etwa vonseiten der Stadt – hätten sie nie erhalten, aber auch nie erwartet oder gar eingefordert. Über rund 2000 Euro verfügten sie pro Jahr, rechnet Cülter vor. Die Einnahmen stammten aus Mitgliedsbeiträgen und eigenen Veranstaltungen. „Wir wollen aber auch keine Werte anschaffen.“

Cülter ist 66 und seit 20 Jahren Vereinsvorsitzender. Neben ihm sitzen der Broichweidener Karl Heinz Beckers, ebenfalls 66, und Michael Kautz (56) aus Kohlscheid. Kautz‘ Tochter Nicole (19) ist ebenfalls Mitglied, ihre Urkunden von den vergangenen Landesmeisterschaften hängen gerahmt im Vereinsheim. „Vorzüglich“ und „vielversprechend“ sind die Prädikate, die abgekürzt auf den Auszeichnungen zu lesen sind.

Beckers hat schon längst keine eigenen Hunde mehr, ist aber trotzdem dabeigeblieben. Er hält das Gelände in Schuss. Rasenmähen, Heckeschneiden. Und natürlich ist er Ausbildungswart, kümmert sich um die Fährtenarbeit. „Die können uns doch jetzt nicht die Hundewiese wegnehmen“, findet er.

Angedacht gewesen sei, dass der Landesbetrieb die landwirtschaftliche Fläche nebenan erwirbt und dem Verein zur Verfügung stellt. Und davon sei man eigentlich auch nicht abgewichen, sagt Straßen NRW auf Nachfrage. „Für den Hundesportverein werden der Landesbetrieb Straßenbau NRW und die Stadt Herzogenrath sich gemeinsam um die Bereitstellung eines in etwa flächengleichen Ersatzes kümmern“, sagt Wulf von Katte von der Außenstelle Würselen. „Die Fläche grenzt an die heute von dem Verein genutzte Wiese und wird zwischen der alten und der neuen Landesstraße liegen. Die Flächenverfügbarkeit ist durch das Planfeststellungsverfahren rechtlich abgesichert.“

Warum das nicht gleich bei der Bürgerversammlung so dargestellt wurde? Da antwortet dann doch lieber der Vorgesetzte, der auch vor Ort war: „Bei der Versammlung hat es die Erwartungshaltung gegeben, dass über den Bestand konkret in den Unterlagen etwas zu finden ist“, erläutert Bernd Egenter, Chef der Regionalniederlassung, aber weder im Lageplan noch in den Formulierungen sei das für das betreffende Areal der Fall gewesen. Aus seiner Sicht könnte der Verein auch einfach an alter Stelle bleiben, da das Grundstück nur leicht vom geplanten Kreisverkehr tangiert werde.

Sollte man aber gemeinsam mit der Stadt Herzogenrath und dem Verein zu dem Ergebnis kommen, der Umzug auf die Ausweichfläche sei günstiger, würde nicht der Landesbetrieb das Grundstück verpachten. „Ich gehe davon aus, dass das Grundstück dann in öffentlicher Hand liegen könnte“, formuliert Egenter vorsichtig. Mit anderen Worten: Das Land tätigt den Grunderwerb, überträgt die Fläche an die Stadt Herzogenrath und diese würde dann einen Vertrag mit dem Verein aufsetzen.

„Wir werden auf jeden Fall eine Lösung finden“, verspricht der Technische Beigeordnete der Stadt Herzogenrath, Ragnar Migenda. „Wir werden die Möglichkeiten eruieren und ein gutes Wort für den Verein einlegen.“

Wenn es nach Cülter und seinen Mitstreitern ginge, würde der Verein umziehen. Denn: „2018 wollen wir die Landesgruppenzuchtschau ausrichten. Dazu brauchen wir Platz.“ Bei den aktuellen Platzverhältnissen müsste man Raum anmieten. Würde sich die Fläche aber von derzeit 44 x 60 Meter auf 80 x 40 Meter vergrößern, wäre das ausreichend.

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