Bauchredner kommt: Sascha Grammel spielt noch mit Puppen

Von: Mischa Wyboris
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Alsdorf. Sascha Grammel hat einen Vogel. Aber nicht nur das; er hat auch eine Schildkröte. Josie, Reptilienfrau mit Lampenfieber, und Frederic Freiherr von Furchensumpf, Flattermann mit Silberblick, sind längst zu den Haupt-Darstellern seiner Shows geworden.

„Wer bauchredet, muss nicht hungerleiden”, sagt der 36 Jahre alte Sascha Grammel, der seit zwei Jahren als Solist auftritt und mit seinem Programm „Hetz mich nicht!” bundesweit die Säle füllt - so wohl auch die Alsdorfer Stadthalle am Freitag, 14. Januar.

Im Interview mit unserer Zeitung spricht der einstige Vizeweltmeister im Zaubern über die nötige Portion Schizophrenie, ein angestaubtes Image und Pannen auf der Bühne.

Sascha Grammel führt Selbstgespräche und spielt noch mit Puppen. Wann ist Ihnen klar geworden, dass Sie damit auch Geld verdienen könnten?

Grammel: Geld ist nicht mein Antrieb. Ich stehe auf der Bühne, weil ich es liebe, Menschen zum Lachen zu bringen. 1997 habe ich deshalb meinen gelernten Job als Zahntechniker unter großem Hallo meiner Familie und noch viel größerem „Sag-mal-hast-Du-sie-noch-alle?” meiner Kollegen an den Nagel gehängt. Dass ich mit meinem Hobby heute meinen Lebensunterhalt verdienen kann, ist das Ergebnis harter Arbeit. Ich bin sehr glücklich darüber.

Seit Jeff Dunhams „Achmed the Dead Terrorist” dürfte hierzulande auch die Begeisterung für die Bauchrednerkunst wieder auferstanden sein. Haben Sie davon profitiert?


Grammel: Ich bin zwar schon seit 14 Jahren als Bauchredner unterwegs, dank Jeff Dunham muss ich aber nicht mehr allzu oft erklären, dass Bauchreden so viel mehr sein kann als das schlimme Klischee vom meist deutlich in die Jahre gekommenen Alleinunterhalter in Anzug und Fliege, auf dem Arm ein undefinierbares Zotteltier, das nicht mal lippensynchron eine dämliche Zote nach der anderen raushaut.

Sie unterhalten sich als Bauchredner mit einer nervösen Schildkröte, einem sarkastischen Vogel und einem habilitierten Hamburger. Wie schizophren müssen Sie für Ihren Job veranlagt sein?

Grammel: Auf einer Skala zwischen 1 und 100 sehe ich mich bei guten 92. Die bis zum Totalübergeschnapptsein noch verbleibenden acht Zähler reichen aber noch zur täglichen Körperpflege.

Deutsche Comedy hat in den vergangenen Jahren eine Inflation erlebt, das Niveau ist entsprechend abgeflacht. Jetzt kommen Sie und machen „Puppet Comedy”, die nicht platt daherkommt. Warum die englische Bezeichnung?

Grammel: Zuerst mal herzlichen Dank für das große Kompliment! Ich investiere viel Zeit und Herzblut in meine Nummern und hoffe, mit meiner Liebe zum Detail ein breites Publikum auf möglichst hohem Niveau anzusprechen. Das deutsche Wort „Bauchredner” ruft in vielen Köpfen Bilder hervor, die nicht zu meiner Show passen. Das Bauchreden ist bei mir „nur” Mittel zum Zweck und nicht das Produkt. Deshalb musste ein moderner Name her. Wichtiger als den Namen finde ich aber das Ergebnis einer Show. Und das sind bei mir inzwischen viele lachende Zuschauer und ein äußerst vergnügter Künstler. Was will man eigentlich mehr?

Die Zuschauer erfahren, dass dem schrägen Vogel Frederic ein kleiner Unfall passiert ist. Was für ein Unfall ist Ihnen denn zuletzt auf der Bühne passiert?

Grammel: Viele behaupten ja, mein gesamtes Bühnenprogramm sei ein einziger Unfall. Die sollten mich mal privat kennenlernen! Wahr ist aber, dass mir ständig größere und kleinere Pannen auf der Bühne passieren, die ich versuche, so in die laufende Nummer zu verwursteln, dass es niemandem wirklich auffällt.

Dann auf ein unfallfreies Programm und viel Spaß in Alsdorf!

Grammel: Danke schön, den werden wir sicher haben!

Karten sind im Ticketshop des Zeitungsverlags Aachen in der Mayerschen Buchhandlung, Aachen, Buchkremerstraße, und im Verlagsgebäude, Dresdener Straße 3, Aachen, zu haben. Infos 0241/5101-175. Tickets gibt es auch im „Kartenhaus” Würselen, 02405/94102, und im Ticketshop der Stadthalle Alsdorf, Mo.-Fr., 15 bis 19 Uhr, sowie Sa., 10 bis 13 Uhr.
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