Barrierefrei, modern und umweltgerecht

Von: Beatrix Oprée
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Nicht allein und nicht ins Heim: Viele ältere Menschen sind auf der Suche nach Wohnformen, die ihr bisheriges Leben so weit wie möglich erhalten. Foto: stock

Herzogenrath. Stagnierende Zahlen sagen die Bevölkerungsprognosen für die Rodastadt voraus, erreichbar durch „geeigneter Anstrengungen”. Ein Handlungskonzept demographischer Wandel haben sich Bürgermeister und Politik daher auf die Fahnen geschrieben - passend gestrickt für alle Bevölkerungs- respektive Altersgruppen.

Eine lebenswerte Stadt für 0- bis 99-Jährige in einer „multigenerationengerechten” Infrastruktur unter Einbeziehung der Bevölkerung sind nur drei Schlagworte von vielen, die fünf Arbeitskreise im Zuge des bisherigen Demographieprozesses in der Rodastadt griffig formuliert haben.

Die Erstellung eines kommunalen Handlungskonzepts Wohnen soll diese Entwicklung flankieren. Die Wohnbedarfe durch gezielte Innenentwicklung zu decken, ist eine der Maximen. Dazu zählt auch die Schließung von Baulücken, wie die Verwaltung in der Oktobersitzung des Ausschusses für Arbeit und Soziales darlegte.

Im Quartier bleiben können

Zu den Bedarfen einer immer höherbetagten, aber nichtsdestotrotz vom Wunsch nach Eigenständigkeit beseelten Bevölkerung gehören Wohnformen, die selbstbestimmtes Handeln mit individuell angepasster Unterstützung kombinieren.

Eine konkrete Idee im Sinne von „nicht allein und nicht ins Heim” wird schon seit Herbst 2007 in der Pfarre St. Josef in Straß verfolgt, die eine Abordnung jetzt im Ausschuss für Arbeit und Soziales unter Vorsitz von Peter Joerißen (SPD) vortrug. Initialzündung waren die bei Hausbesuchen in der Pfarre geäußerten Wünsche älterer Menschen, auch den Lebensabend im angestammten Stadtteil zu verbringen.

Der Technische Dezernent Rüdiger Staron brachte die Pfarrvertreter mit dem Kohlscheider Architekturbüro „Alte Windkunst” zusammen, das mit einem ähnlichen, für ein Grundstück an der Maria-Montessori-Straße vorgesehenem Projekt vorstellig geworden war. Mit Blick auf die sozial-pastorale Begleitung hatten die Initiatoren aber bald einen Teil des Bolzplatzes hinter Schule und Kindergarten an der Josefstraße in Straß für die Errichtung der passenden, ökologisch ausgerichteten und barrierefreien Immobilie ins Visier genommen. Im Dialog unter anderem mit Kita- und Schulleitung sowie den Anwohnern, in stetem Kontakt mit der Stadtverwaltung wurde das Konzept entwickelt.

Das 3300 Quadratmeter große „ziemlich verschnittene” und „gefangene Grundstück”, wie Architektin und Projektentwicklerin Birgit Siebenmorgen darlegte, ist zurzeit nur durch einen Weg über das Schulgelände erreichbar. Die neue Planung biete die Möglichkeit, das Grundstück sinnvoller zu strukturieren. Bei der neuen Aufteilung hätten Lehrer auch endlich die Möglichkeit, die Bolzwiese einzusehen.

Um der im April 2009 geäußerten Ablehnung durch die Anwohner aus der Siedlung Domaniale Weg entgegenzukommen, ist die Planung variiert, das Gebäude in die, den Gärten zugewandte Grundstücksecke verschoben worden.

Mit Stadtbrandinspektor Bernd Hollands, so berichtet Mitinitiator Wilfried Hammers, sei man überein gekommen, dass die Zufahrt neben dem Pfarrgelände zwar eng, aber „nach entsprechenden Umgestaltungsarbeiten” auf dem Gelände der Pfarre „machbar” sein. Die Gemeinde will zudem Parkplätze („in für die Klientel ausreichender Zahl”) an der Kirche zur Verfügung stellen.

Eine Verflechtung von Kita, Schule, Jugendtreff und Pfarre inklusive Mittagstischinitiative „Tellerrand” hält Hammers für ideal für die Menschen, die hier dereinst „mittendrin” wohnen könnten - in einer sich gegenseitig unterstützenden Hausgemeinschaft unter Inanspruchnahme von Pflege je nach Bedarf.

Genauso wenig wie die ablehnende Haltung der Anwohner verhehlte Hammers, dass der Bürgermeister das Projekt zwar ausdrücklich gelobt habe, aber aus sicherheitstechnischen Gründen an geplanter Stelle ablehne. Aber alternativ das brach liegende Gelände an der Alte Straße umgewidmet zu nutzen, stoße auf wenig Gegenliebe in der Gemeinde - und ein Schreiben an den Eigentümer sei bisher nicht mal beantwortet worden.

Voraussetzungen klären

Ungeteilte Zustimmung erhielt das Projekt seitens der FDP. „Sehr gut”, sagte der sachkundige Bürger Salmon Fischer: „Deutliche Erhöhung der Lebensqualität, CO² und Geld sparend - das passt für uns!”

Offene Türen signalisierte auch SPD-Ratsherr Günter Prast, allerdings überrascht, als Politiker erst jetzt mit diesem Thema befasst worden zu sein. Aber, ebenso wie Herbert Aretz (CDU/„Wir suchen schon lange eine Fläche für ein Mehrgenerationenhaus”) und Günther Fischer (Linke/„Die Idee ist gut”) äußerte er trotz grundsätzlicher Zustimmung diverse Bedenken als Knackpunkte: Ablehnung der Anwohner, Frage nach den Rettungswegen, Verkehrsdichte in der engen Josefstraße, mangelnder Parkraum, Höhe der Bau- und Betriebskosten, Nachbarschaft zum Bolzplatz.

Auf Anregung von Anne Fink (Grüne/„Das Konzept ist genau das, was man in einer Stadt sucht und selten findet”) sollen nun seitens der Verwaltung die Voraussetzungen zur Realisierung des Projekts dargelegt werden, damit die Fraktionen über die Wünsche der Initiatoren - vereinfachtes Verfahren, Baulanderwerb zum symbolischen Preis und die Fachkompetenz aus dem Rathaus als Flankierung - beraten können.
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