Bardenberger Wasserturm: Schöner wohnen mit traumhafter Aussicht

Von: Georg Pinzek
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Wohnküche: Der einladende Rau
Wohnküche: Der einladende Raum im Erdgeschoss ist die erste Anlaufstelle im Wasserturm. Auf vier Ebenen gibt es je 55 Quadratmeter Wohnfläche. Die geschmackvolle Einrichtung ist mit Bedacht minimalistisch.

Würselen. Sind das Aussichten! Auf den Norden der Aachener Städteregion, weit in die Niederlande hinein oder auf die Eifel. Bei gutem Wetter ist die „Himmelsleiter” zu erkennen. Und umgekehrt ist das kupferne Dach des Bardenberger Wasserturms, wenn Sonnenstrahlen ihn in Szene setzen erst Recht, vom Portal der Eifel aus als grün-bläulich schimmernder Punkt auszumachen.

Jeder Blick aus den Fenstern rundum im vierten Stock des Bauwerks, das zu den Würselener Wahrzeichen zählt, wird einfach belohnt. Ob die Umwidmung des Denkmals vom Wasser- zum Wohnturm vom Landschaftsverband Rheinland (LVR) im Rahmen eines Wettbewerbs mit einer Belohnung gewürdigt wird, soll sich schon in Kürze entscheiden. Der Preis ist mit 7000 Euro dotiert. Das bemerkenswerte Objekt ist eines von 55 Bewerbungen privater Denkmaleigentümer. „Der vom Land NRW gestiftete Preis würdigt Menschen, die ein Denkmal auf beispielhafte Weise saniert haben. Dabei ist der respektvolle Umgang mit der historischen Bausubstanz ein sehr wichtiges Kriterium”, erklärt Landeskonservatorin Dr. Andrea Pufke vom LVR-Amt für Denkmalpflege. Sie ist Mitglied des Auswahlkomitees. Bewohnt wird der Wasserturm von einer Familie. Sie ist Eigentümerin der prominenten Immobilie. Als Bauingenieur konnte der Bauherr nicht nur mit einer gehörigen Portion Kreativität und Fachkompetenz antreten, sondern musste Improvisationstalent und handwerkliches Geschick einbringen - und das nicht zu knapp.

Zum Beispiel: Vor dem Umbau hatten Tauben den Wasserturm fast 20 Jahre lang in Beschlag genommen. Eine 30 bis 40 Zentimeter hohe Kotschicht bedeckte Böden, besonders der Dachstuhl war betroffen. Nicht eine Firma war bereit, die in der Tat nicht angenehme Säuberung und Entsorgung der mehreren Tonnen Taubenkot und Tierkadaver vorzunehmen. Also musste der Bauherr wohl oder übel selbst die Initiative ergreifen. Mit Mundschutz und Overall schuftete er vier Wochen lang.

2002 hatten die heutigen Bewohner den Turm erworben. Ein Jahr lang wurde der Umbau geplant und ein weiteres Jahr lang realisiert. Dabei lobt der Bauherr ausdrücklich die gute Zusammenarbeit mit den Denkmalpflegern. Nie stand außer Frage, dass das äußere Erscheinungsbild sowie die innere Ausstattung des Wasserturms insgesamt erhalten bleiben sollen.

Zuerst wurde ein Schacht für einen Personenaufzug errichtet, der das Erdgeschoss und die darüber liegenden drei Obergeschosse erschließt. Die ursprüngliche Stahltreppe konnte vollständig erhalten werden und trägt noch heute ihre 100-jährige Patina. 100 Stufen sind es bis oben zum Wassertank (Wer braucht bei so einem Hometrainer noch ein Fitnessstudio?/Anm. oder besser Frage d. Red.)

Mit großer Eigenleistung

Die Fensterschlitze des Wasserturms wurden teilweise bis zum Fußboden verlängert, um die Räume ausreichend zu belichten. Durch die Verwendung von Altziegelsteinen und eingefärbter, angepasster Mörtelzuschläge sind die Veränderungen kaum wahrnehmbar. Im gesamten Wasserturm wurden die Stahlträger der Geschossdecken entrostet und sichtbar erhalten. Auch sonstige Stahleinbauten wurden erhalten und teils einer neuen Nutzung zugeführt. In großer Eigenleistung wurden Teile der horizontalen äußeren Holzverblendung im Bereich der Dachhaube erneuert. Der gesamte historische Dachstuhl wurde schmutzimprägniert sowie der stählerne Speicherbehälter entrostet und mit einem Korrosionsschutzanstrich versehen. Die übrigen neu zu errichtenden Einbauten und Wände erfolgten minimalistisch und aus statischen Gründen in Leichtbauweise. Die Eingangstür sowie die Wasserstandsanzeige darüber wurden restauriert. Stets wurde besonderer Wert darauf gelegt, möglichst viel alte Bausubstanz zu erhalten und erforderliche Einbauten modern und eigenständig abzugrenzen. So wurden die Beton- und Estrichböden lediglich geschliffen und mit klarem Epoxydharz versiegelt. Das gesamte Ziegelmauerwerk der Obergeschosse wurde im ursprünglichen Zustand ohne Anstrich erhalten. In der Bewerbung zum Wettbewerb heißt es: „Insbesondere diese Kombination aus rohem Fußboden, Ziegelwänden sowie der originalen Industrietreppe unterstreicht den frühindustriellen Charakter des Gebäudes und bewahrt nachvollziehbar dessen ursprünglichen Charakter und verdeutlicht die historische Funktion.” Die Kombination ist zweifellos gelungen. Der sichtlich respektvolle Umgang mit dem Baudenkmal hat seinerseits Respekt verdient.

Der Bardenberger Wasserturm wurde 1909 bis 1911 vom Wasserwerk des Kreises Aachen erbaut. Das Gebäude gewährleistete eine konstante Trinkwasserversorgung mit Talsperren-Wasser aus der Eifel. Der noch heute im oberen Drittel des Turms befindliche Hochbehälter hatte die Aufgabe, rund 500.000 Liter Wasser zu speichern und den anstehenden Wasserdruck aus den höher gelegenen Talsperren auf rund 4,5 Bar zu reduzieren. Seit 1985 übernimmt diese Funktion eine elektronische Steuerung. Das Gebäude steht seit dem 19. November 1982 unter Denkmalschutz. Das Denkmal der Technikgeschichte und der Industrialisierung prägt mit 47 Metern Höhe die Bardenberger Silhouette.
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